Berufsunfähigkeit-Studie: Zahlen Versicherungen nur selten?

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 30.03.2017

Im Fall einer chronischen Schädigung sollen Berufsunfähigkeitsversicherungen den Lebensunterhalt gewährleisten - so zumindest die Theorie. Doch in der Praxis sieht die Sicherung für den Notfall oft anders aus. Eine neue Studie stellt in Frage, ob Versicherer auch immer zahlen, wenn der Ernstfall eintritt. Betroffene scheitern häufig an der Bürokratie oder dem schwammigen Spielraum der Verträge.

Damit Erwerbstätige durch Krankheit oder Unfälle nicht ohne Lebensunterhalt dastehen, zahlen viele in Berufsunfähigkeitsversicherungen ein. Doch diese greift laut einer neuen Studie seltener als erforderlich. Geraten Arbeitnehmer in die Bredouille der Berufsunfähigkeit, scheitern ihre Ansprüche oft an bürokratischen Problemen und vertraglichem Spielraum.

Studie zeigt Intransparenz und Willkür

25 Prozent der Deutsche zahlen für Berufsunfähigkeitsversicherungen, die seit 2000 nicht mehr staatlich, sondern privatisiert organisiert sind. Damit soll der Lebensunterhalt gewahrt werden, falls der erlernte Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann.

Doch eine Studie will nun zeigen, dass weder Versicherte noch Mittler einschätzen können, ob es im Schadensfall zur Zahlung kommt. Die Annahme schwanke zwischen jedem zweiten und siebten Antrag – je nach Versicherung, trotz gleicher Rechtsbedingungen.

Durchgeführt wurde die Studie von Claus-Dieter Gorr des Informationsdienstleisters PremiumCircle. Seiner Meinung nach gleiche die richtige Versicherungswahl einem Würfelsiel für „faktisch orientierungslose“ Kunden.

Versicherungsvermittler würden Interpretationen verkaufen, ohne zu wissen, ob diese im Schadensfall greifen. Dafür sind in erster Linie schwammige Formulierungen und intransparente Leistungen verantwortlich.

Ebenso würde die Entscheidungszeit im Schadensfall schwanken, die durchschnittlich zwischen einem und sieben Monaten liege. Im Fall einer Klage können einige Versicherungen alle Fälle für sich entscheiden, bei anderen Versicherern gewinnen die Kläger in 80 Prozent der Fälle.

Viel Kritik von allen Seiten

Befragt wurden 62 Versicherungen, doch lehnten einige Big-Player wie ERGO, Allianz oder HUK eine Teilnahme ab.

Gorr sieht die Hauptgründe im Spielraum der Versicherer, etwa den 321 unbestimmten Formulierungen, die er in Versicherungsbedingungen erhob. Schwammige Verträge ließen beim Abschluss kaum erkennen, wann die Unfähigkeit abgedeckt sei. Seitens der Versicherer stößt Gorrs Studie auf wenig Gegenliebe. Die Argumentation sei abwegig und von finanziellen Motiven geleitet, um den Markt für die eigene Beratungstätigkeit zu erweitern.

Die Begriffe sind so gewählt, dass sie auch in 30 Jahren noch Bestand hätten, sagte Peter Schank vom Gesamtverband der Versicherungswirtschaft. Auch das Bundesjustizministerium sieht derzeit keinen Handlungsbedarf. Die unbestimmten Rechtsbegriffe seien gängige Praxis, eine Versicherungspflicht zur Lösung hingegen unverhältnismäßig.

Seitens der Politik gab es schon häufiger Kritik. Tarife für Berufsunfähigkeitsversicherungen seien höher, je mehr Berufsrisiken bestehen. Für viele Berufsgruppen würden Berufsunfähigkeitsversicherungen so unerschwinglich.

Quellen: Spiegel.de, Nw.de

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