EU wusste seit Jahren von Kartell der Autobauer

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 28.07.2017

Die EU-Kommission in Brüssel soll bereits seit mindestens drei Jahren von den mutmaßlichen Absprachen der größten deutschen Autohersteller gewusst haben. Daimler hatte im Verlauf des Jahres 2014 eine Art Selbstanzeige erstattet und auch das Bundeskartellamt informiert. BMW und Daimler sowie Volkswagen samt den Töchtern Audi und Porsche sollen sich in vielen Bereichen von Märkten bis zu Lieferanten abgestimmt und gemeinsame Strategien für Dieselfahrzeuge entwickelt haben, die zur Abgasaffäre führten.

Derzeit erschüttern die Kartellvorwürfe um BMW, Daimler und Volkswagen samt der Töchter Audi und Porsche die Automobilindustrie. Sie sollen unter anderem Absprachen über Lieferanten und Märkte sowie Strategien für Dieselfahrzeuge getroffen haben, die letztlich zur Abgasaffäre führten.

Laut neuester Informationen wusste die EU-Kommission seit Jahren von den mutmaßlich illegalen Absprachen. Daimler hatte im Verlauf des Jahres 2014 eine Art Selbstanzeige erstattet und in diesem Zuge auch das Bundeskartellamt benachrichtigt.

Die langsamen Mühlen der EU

In Brüssel sei man aktuellen Medienberichten zufolge schon seit Jahren im Bilde über die Verstöße der größten deutschen Autobauer gegen das Kartellrecht. Daimler hatte die EU-Kommission wie auch das Bundeskartellamt in Bonn bereits im Verlauf des Jahres 2014 informiert.

Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche betonte am Mittwoch, dass bislang kein offizielles Kartell-Verfahren durch die EU eingeleitet wurde. Laut eines Sprechers der Kommission prüfe die Behörde allerdings den Verdacht illegaler Absprachen. In solch komplexen Fällen sind Untersuchungen, die über einen langen Zeitraum andauern, keineswegs ungewöhnlich.

Andere Fälle aus der Fahrzeugbranche werden in Brüssel häufig über Jahre hinweg geprüft, bevor Ergebnisse feststehen. Einer Kommissionsprecherin zufolge müssten die Entscheidungen so getroffen werden, dass sie einer Gerichtprüfung standhalten. In der vergangenen Dekade hatte die EU neun Kartelle innerhalb der Automobilindustrie aufgedeckt und insgesamt sechs Milliarden Euro Strafen verhängt. Details könnten zwar noch nicht genannt werden, doch fügte die Sprecherin hinzu, dass derzeit mehrere Untersuchungen mit Nachdruck betrieben würden.

Details der Absprachen unklar

Daimler-Prüfer hatten die Bereiche Einkauf und Vertrieb, Forschung und Entwicklung intern ergründet und stießen dabei auf mögliche Absprachen bei den Gesprächsrunden mit anderen Autobauern, die sie den Wettbewerbsbehörden meldeten. Die Abgasreinigung der Dieselfahrzeuge sei zunächst nicht Teil der Selbstanzeige gewesen, der Stuttgarter Konzern reichte allerdings Material nach. Ob es dabei um das Diesel-Thema ging, ist momentan so unsicher wie die Stellungen der Konzerne.

Daimler weist den Vorwurf zurück, wie Volkswagen Schadstoffwerte manipuliert zu haben. VW erstattete 2016 Selbstanzeige, BMW bestreitet illegale Absprachen rundheraus. Nun liegt es an der EU zu ermitteln, angesichts der langen Prüfdauer dürfte dies jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen. Zudem hieß es bei der Kommission, man wolle "keinen Schaden mit voreiligen Veröffentlichungen anrichten".

Weitere Meldungen im Überblick

  • Halbjahreszahlen Deutsche Bank: Trotz der Rückgänge im Anleihen- und Devisenhandel kann die Deutsche Bank kräftig zulegen. Das zweite Quartal 2017 brachte nach Steuern einen Überschuss von 466 Millionen Euro.
  • Konsumklima auf 16-Jahres-Hoch: Die starke deutsche Konjunktur treibt die Einkommenseuphorie und das Konsumklima in die Höhe. Laut aktuellen Gfk-Zahlen sind deutsche Verbraucher so gut gestimmt wie seit 16 Jahren nicht mehr.
  • Arbeitszeitschere Ost-West: Ostdeutsche Tarifbeschäftigte arbeiten pro Woche eine gute Stunde länger als ihre Kollegen in Westdeutschland. Während im Osten durchschnittlich 38,7 Wochenstunden in den Verträgen stehen, sind es im Westen nur 37,6 Stunden.

Quellen: Süddeutsche Zeitung, Spiegel

Alle 2 Wochen Spartipps und News:

Newsletter abonnieren und gratis PDF erhalten!