Kartellverdacht: Deutsche Autobauer in Erklärungsnot

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 25.07.2017

Die deutsche Autoindustrie scheint ihren Stammplatz in den Negativmeldungen gefunden zu haben. Aktuell bringen Vorwürfe zu verbotenen Absprachen die Hersteller in Erklärungsnot und Verbraucher wie EU-Kommission zeigen sich alarmiert. Experten zufolge drohen den Firmen unter Kartellverdacht Strafen in Milliardenhöhe. Wie weit die Absprachen unter den Vertretern von Audi, BMW, Daimler, Porsche und Volkswagen gingen ist noch unklar, doch soll sich zumindest Daimler teilweise von ihnen distanziert haben.

Die Big Player der deutschen Autoindustrie stehen unter Kartellverdacht. Volkswagen, Audi, Porsche, BMW und Daimler sollen illegale Absprachen getroffen haben, aus denen sich nur Daimler teilweise zurückgezogen haben soll. Die EU-Kommission und Verbraucher zeigen sich alarmiert und Experten schätzen die drohenden Strafen auf eine Milliardensumme. Nun muss geklärt werden, wie weit die Absprachen reichten.

Rechtswidrige Absprachen über Jahrzehnte

Die EU-Kommission prüft den Kartellverdacht, der involvierten Autobauern neben gehörigen Imageschäden ebenfalls Milliardenstrafen bescheren könnte. Auch aus Gewerkschaften, Betriebsräten, Politik und Forschungen mehren sich entsprechende Stimmen.

Einem Bericht zufolge soll sich Daimler in den vergangenen Jahren aus den geheimen Gesprächsrunden mit VW, Audi, Porsche und BMW zurückgezogen haben. Dafür sei das 2011 aufgeflogene LKW-Kartell verantwortlich, für das Daimler ein Bußgeld von knapp 1,1 Milliarden Euro zahlte. Zeitgleich zu Lehrgängen, in denen die Belegschaft darüber unterrichtet wurde, was erlaubt sei, hätte sich der Konzern den geheimen Treffen entzogen. Das berichtete die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf zwei Insider. 

Die Firmen sollen Technik, Kosten und Zulieferer umfassend besprochen, aber auch den Wettbewerb außer Kraft gesetzt haben, indem sie die Abgasreinigung ihrer Dieselfahrzeuge absprachen, mit der sie Kontrollstellen über den Schadstoffaustoß täuschen konnten. Ebenso wie Volkswagen hatte auch Daimler, wohl um Bußgelder zu vermindern, eine Art Selbstanzeige erstattet. Wie weit dies an der Seite des Teilrückzugs zum Tragen kommt, ist noch offen.

Betroffene des Kartells

Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen Klaus Müller rechnet derweil mit einer Welle aus zehntausenden Schadensersatzklagen wegen absprachenbedingt zu hoher Preise. Damit mutmaßlich hintergangene Käufer nicht einzeln vor Gericht ziehen müssen, fordert er eine Musterklage.

Doch auch die Lieferanten sind betroffen, wenn fünf Autohersteller sich umfassend absprechen. Verständigen sich diese auf Zulieferbetriebe, haben andere kaum eine Chance auf Aufträge. Darüber hinaus zählen die Aktionäre der Konzerne zu den Leidtragenden. Die Aktienkurse der Konzerne sanken am Freitag in den Keller, da Investoren empfindliche Strafen erwarten. Ein Aufruf nach mehr Transparenz erfolgte von IG-Metall-Chef und VW-Aufsichtsratsmitglied Jörg Hofmann. Er forderte eine „vollumfängliche Aufklärung der Vorgänge" und verurteilte die Verstöße als „völlig inakzeptabel“.

Weiter Meldungen im Überblick

  • DAX unter Druck: Starker Euro und Kartell-Vorwürfe belasten den deutschen Leitindex. Am Montag startete der DAX 0,4 Prozent tiefer mit 12.200 Punkten und Daimler, Volkswagen sowie BMW gehören wenig überraschend zu den größten Verlierern.
  • Welt im Aufschwung: Laut IWF-Prognose steht die Weltwirtschaft vor dem stärksten Aufschwung des Jahrzehnts. Als einer der Motoren, für 3,5 Prozent prognostiziertes Wachstum in diesem Jahr und 3,6 im nächsten, gilt die Euro-Zone.

Quellen: FAZ, Spiegel

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