LSE nimmt Scheitern der Fusion mit Frankfurt vorweg

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 01.03.2017

Schon zweimal wurde eine Fusion der Börsen in London und Frankfurt angestrebt, zweimal kam es nicht dazu. Jetzt sieht es ganz danach aus, als würde auch der dritte Versuch scheitern. Die Ankündigung der London Stock Exchange (LSE), nicht auf die Forderungen der EU-Kommission eingehen zu wollen, lässt die Entscheidung in der Sache sehr klar erahnen.

Nach zwei vergeblichen Versuchen der Fusionierung von deutscher und britischer Börse steht es auch um den dritten Anlauf zur Gründung des europaweit größten Marktplatzes im Aktienhandel nicht gut. Nachdem sich die London Stock Exchange (LSE) überraschend klar gegen ein Einlenken gegenüber den Forderungen der EU-Wettbewerbshüter geäußert hat, bestehen kaum noch Chancen für die geplante Hochzeit.

London nun doch nicht kompromissbereit

Dabei hatte es durchaus vielversprechend ausgesehen: Noch vor wenigen Wochen schienen sowohl Frankfurt als auch London gegenüber der EU-Kommission zu Kompromissen bereit, zum Beispiel in Form des Verkaufs der Pariser Clearnet SA. Umso mehr erstaunt folgende Erklärung der LSE von der Nacht auf Montag: "Angesichts der bisherigen Haltung der Kommission geht die London Stock Exchange Group nicht davon aus, dass die Kommission die Fusion genehmigen wird." Auch der Verhandlungspartner in Frankfurt zeigt sich überrascht und sucht am Montag nach einer Erklärung.

Die unerwartet deutliche Stellungnahme lässt sich vermutlich auch auf die in den letzten Tagen immer lauter werdenden Stimmen aus den konservativen britischen Lagern der Politik zurückführen. Die hatten kritisiert, dass nach der Brexit-Entscheidung die vertragliche Einigung auf den Standort in Großbritannien angezweifelt wurde.

LSE will Mehrheitsanteile an italienischer MTS nicht veräußern

Ausschlaggebender Knackpunkt war letztendlich aber wohl die Forderung der EU, dass die LSE ihre Mehrheitsanteile an der italienischen Anleihen-Handelsplattform MTS abstoßen solle. Das würde laut der Londoner Börse aber einen zu großen Umsatz- und Gewinneinbruch bedeuten.

Dieser Aspekt ist für die Kommission aber ebenso nicht verhandelbar, da das Wettbewerbsgleichgewicht aufrechterhalten werden muss. Eine Fusionierung der beiden großen Clearinghäuser ohne den vorherigen Verkauf wichtiger Anteile würde den entstehenden Handelsplatz dank zahlreicher Wettbewerbsvorteile zu nah an eine Monopolstellung heranrücken.

Quellen: RP Online, Frankfurter Neue Presse, SZ, Handelsblatt

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