Psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 06.11.2016

Psychische Erkrankungen sind immer häufiger ein Grund, der Arbeitnehmern die Ausübung ihres Jobs zeitweise oder vollständig unmöglich macht. Dies ist nicht nur für die Betroffenen eine große Belastung, sondern auch für die gesetzliche Rentenversicherung und die Wirtschaft, wie aktuelle Zahlen der Rentenkasse zeigen.

Knapp 75.000 Bundesbürgern hat die gesetzliche Rentenversicherung im vergangen eine Rente aufgrund einer Erwerbsminderung gezahlt. Bei mehr als vier von zehn Empfängern waren dabei psychische Erkrankungen der Grund für die Zahlung der Erwerbsminderungsrente (EMR). Damit sind die Leistungen der Sozialkassen aufgrund psychischer Leiden in den letzten zehn Jahren um beinahe 50 Prozent gestiegen.

Psychische Erkrankung drängen mehr Arbeitnehmer aus dem Job

Dies berichtet „RP Online“ in Berufung auf Angaben der gesetzlichen Rentenversicherung. Demnach wurde 2015 74.234 Versicherten eine Erwerbsminderungsrente aufgrund psychischer Erkrankungen gewährt, im Vorjahr waren es 72.972 Versicherte. 2005 zahlten die Sozialkassen nur 53.000 gesetzlich Versicherten eine Erwerbsminderungsrente aufgrund psychischer Störungen. Derartige Erkrankungen waren vor zehn Jahren nur in einem Drittel der Fälle die Ursache für eine Erwerbsminderung. 2015 lag ihr Anteil bei 42,9 Prozent. Und die Zahl der Arbeitnehmer, die wegen psychischer Erkrankungen ihren Job gar nicht oder nur noch eingeschränkt ausüben können, steigt „RP Online“ zufolge weiter.

Hoher wirtschaftlicher Schaden durch psychische Erkrankungen

Sozialpolitiker fürchten daher eine steigende Belastung der Sozialkassen. Gleichzeitig steigt auch die Zahl der Versicherten, die aufgrund psychischer Erkrankungen eine Reha-Maßnahme benötigen und für längere Zeit im Job ausfallen. 2015 wurde dies 186.200 Arbeitnehmern gewährt, im Vergleich zu 2005 ein Anstieg um mehr als 40 Prozent. Die hohe Zahl von psychischen Erkrankungen betroffener Arbeitnehmer belastet allerdings nicht nur die gesetzliche Rentenversicherung, sondern auch die Wirtschaft und die gesetzliche Krankenversicherung.

Psychische Erkrankungen rangieren zwar hinter Atemwegserkrankungen, Rückenleiden und Krebserkrankungen nur auf Platz vier der Ursachen für Krankschreibungen. Was die Dauer der Krankschreibung betrifft, erreichen psychische Erkrankungen allerdings den Spitzenplatz: Bei keiner anderen Erkrankung fehlen Arbeitnehmer ihrem Arbeitgeber so lange wie bei seelischen Leiden. Der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zufolge kosten psychische Erkrankungen Unternehmen und Volkswirtschaft rund 16 Milliarden Euro pro Jahr. Für die Betroffenen reichen die gesetzlichen Leistungen kaum zum Überleben, eine zusätzliche Absicherung über eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist also auf jeden Fall sinnvoll.

Realer Anstieg geringer als Zahlen der gesetzlichen Rentenversicherung

Experten gehen allerdings davon aus, dass auch die gestiegene Akzeptanz für psychische Erkrankungen ein Grund für die deutliche Zunahme der Fälle ist. Betroffene können heute offener mit seelischen Erkrankungen umgehen, da die Stigmatisierung rückläufig sei, wie ein Sprecher der Deutschen Rentenversicherung gegenüber „RP Online“ erklärte. Tatsächlich gibt es keine belastbaren Belege, dass die Häufigkeit psychischer Erkrankungen in den vergangenen zehn Jahren zugenommen hat. Fakt ist allerdings auch, dass immer mehr Arbeitnehmer von ihrem Job gestresst sind. Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos im Auftrag der Allianz ergab, dass knapp die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer bereits einmal überlegt hat, wegen psychischer Belastung die Arbeitszeit zu verringern oder den Job zu wechseln.

Quelle: RP Online

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