Arbeitgeberdarlehen: Kredit vom Chef

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 05.12.2016

Ein Arbeitgeberdarlehen kann eine günstige Finanzierungsalternative zum herkömmlichen Bankkredit bieten. Das Darlehen wird vom Arbeitgeber an seine Mitarbeiter vergeben, um diese beispielsweise an das Unternehmen zu binden und ihnen eine Art Wertschätzung entgegenzubringen. Bei der Vereinbarung eines Mitarbeiterdarlehensvertrags sind jedoch besondere Voraussetzungen zu beachten: Sämtliche Konditionen müssen im Detail schriftlich festgehalten, und während der kompletten Laufzeit eingehalten werden.

Menschen, die einen Kredit benötigen, suchen meist zunächst naheliegenderweise bei Banken nach entsprechenden Angeboten. Dabei gibt es Alternativen zum banküblichen Ratenkredit, die oft gar nicht erst in Betracht gezogen werden: Haben Sie zum Beispiel schon mal darüber nachgedacht, Ihren Arbeitgeber um ein Darlehen zu bitten?

Das Arbeitgeberdarlehen, auch Mitarbeiterdarlehen genannt, ermöglicht es Arbeitnehmern, einen in der Regel mit vergleichsweise günstigen Zinsen verbundenen Personalkredit aufzunehmen. Vor allem im Finanzsektor, im Öffentlichen Dienst, aber auch in vielen anderen Branchen werden Arbeitgeberdarlehen angeboten.

Was genau ist ein Arbeitgeberdarlehen?

Beim Arbeitgeberdarlehen handelt es sich um ein Darlehen, das ein Unternehmen einem Arbeitnehmer gewährt. Dabei sind Mitarbeiterdarlehen meist zinsgünstiger als ein klassisches Bankdarlehen. Viele Unternehmen möchten mit einem Arbeitgeberdarlehen ihre Belegschaft an sich binden. Der Personalkredit vermittelt eine Art Wertschätzung gegenüber einem Mitarbeiter und einen für die nahe Zukunft gesicherten Arbeitsplatz.

Häufig ist ein Arbeitgeberdarlehen im Vergleich zu einem klassischen Ratenkredit also mit günstigeren Zinssätzen verbunden. Doch welcher Zinssatz ist für ein Mitarbeiterdarlehen angemessen?

Arbeitgeber orientieren sich bei der Zinsfestlegung für einen Personalkredit für die gesamte Laufzeit in der Regel am sogenannten Maßstabszinssatz. Um diesen festzustellen, werden die bei Vertragsabschluss von der Deutschen Bundesbank zuletzt veröffentlichten Effektivzinssätze herangezogen (BMF-Schreiben vom 13. Juni 2007, AZ IV C 5-S 2334/07/0009).

Werden diese gewichteten Durchschnittszinssätze zur Bewertung herangezogen, kann bei der Festlegung der Zinsen für ein Arbeitgeberdarlehen ein Abschlag von 4 Prozent vorgenommen werden.

Voraussetzungen

Generell gilt der arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz für alle Arbeitnehmer im Unternehmen, wenn es um die Vergabe eines Arbeitgeberdarlehens geht. Danach dürfen zum Beispiel Teilzeitbeschäftigten keine ungünstigeren Darlehensbedingungen auferlegt werden als Arbeitnehmern, die in Vollzeit arbeiten. Diese Regelung folgt aus dem Diskriminierungsverbot des § 4 Abs. 1 des Gesetzes über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge (TzBfG).

Jedoch bedeutet dies nicht, dass ein Unternehmen grundsätzlich allen Mitarbeiter ein Arbeitgeberdarlehen gewähren muss. Bestehen Verschuldung oder Lohnpfändung einzelner Arbeitnehmer, können dies legitime Gründe sein, den Personalkredit zu verweigern.

Sind Arbeitgeberdarlehen zweckgebunden?

Ob für eine spezielle Fortbildungsmaßnahme oder für den Erwerb einer Immobilie – häufig sind Arbeitgeberdarlehen zweckgebunden. Jedoch ist es Arbeitgebern untersagt, ein Darlehen zu dem Zweck zu vergeben, dass die kreditnehmenden Arbeitnehmer damit firmeneigene Produkte erwerben: § 107 Abs. 2 Satz 2 Gewerbeordnung (GewO) regelt das Verbot für Arbeitgeber, Arbeitnehmern Waren auf Kredit zu überlassen. 

Eine Ausnahme bei der zweckgebundenen Vergabe gilt, wenn Arbeitnehmer ein Arbeitgeberdarlehen zur Finanzierung von Unternehmensaktien aufnehmen, weil der Arbeitgeber plant, mit dem Unternehmen an die Börse zu gehen. Allerdings steht der Arbeitgeber vor der Kreditvergabe in der Pflicht, die Kreditnehmer über die mit einem möglichen Scheitern des Börsengangs verbundenen Risiken aufzuklären. 

Gut zu wissen:Die Kreditsumme ist nicht beschränkt

Soll ein Seminar mithilfe eines Arbeitgeberdarlehens finanziert werden, reichen häufig schon wenige Hundert Euro, jedoch kann die Kreditsumme beim Mitarbeiterdarlehen auch wesentlich höher ausfallen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn der Betrieb spezielle Programme zum Erwerb von Wohneigentum anbietet. Grenzen der Kreditsumme nach oben oder unten bestehen dabei generell nicht – die Festlegung der Kreditsumme geschieht individuell.

Lohnt sich ein Arbeitgeberdarlehen im Vergleich zu einem Ratenkredit?

Ein Arbeitgeberdarlehen stellt meist eine zinsgünstige Alternative zum klassischen Ratenkredit dar. Wenn der vom Arbeitgeber berechnete jährliche Effektivzinssatz unter dem marktüblichen Zinssatz liegt, kann sich ein Arbeitgeberdarlehen für Sie lohnen.

Ein weiterer Vorteil – vor allem bei Arbeitgeberdarlehen mit einem kleineren Betrag – ist, dass die Unternehmen häufig keine Sicherheiten verlangen, wohingegen ein Bankdarlehen oft nur bei entsprechender Bonität und vorhandenen Sicherheiten vergeben wird. Dies bedeutet, dass Sie Sicherheiten wie beispielsweise ein Auto im Falle einer weiteren Kreditaufnahme bei einer Bank einsetzen können.

Trotz vieler Vorteile besteht keine Garantie, dass das Mitarbeiterdarlehen tatsächlich immer die günstigste Finanzierungsalternative ist. Es sollte vor der Inanspruchnahme eines Arbeitgeberdarlehens immer ein qualifizierter Kreditvergleich durchgeführt werden. Möchten Sie einen banküblichen Ratenkredit einem Arbeitgeberdarlehen gegenüberstellen, sollten Sie sich nach Empfehlung der Handelskammer Hamburg an folgenden Vergleichskriterien orientieren:

  • Kreditart
  • Laufzeit des Darlehens
  • Dauer der Zinsfestlegung (marktüblicher Zinssatz ist bei Vertragsschluss des Arbeitgeberdarlehens für die gesamte Vertragslaufzeit heranzuziehen, sofern ein Arbeitgeberdarlehen mit Zinsfestlegung vereinbart worden ist)

Gut zu wissen:Was ist ein Zinszuschuss und wo liegen Unterschiede zum Arbeitgeberdarlehen?

Während ein Arbeitgeberdarlehen ein günstiger Kredit vom Chef ist, übernimmt Ihr Arbeitgeber bei einem Zinszuschuss Ihre Kreditzinsen ganz oder teilweise. Dafür nehmen Sie bei einer Bank einen Kredit auf und Ihr Chef kommt ganz oder teilweise für die anfallenden Zinsen auf. Jedoch wird der Zinszuschuss immer als geldwerter Vorteil und in voller Höhe als steuerpflichtiger Arbeitslohn behandelt – Steuervergünstigungen gibt es nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (AZ VI R 67/03) nicht.

Steuerrechtliche Rahmenbedingungen

Gewährt ein Arbeitgeber einem Mitarbeiter einen Personalkredit, müssen beide Seiten bestimmte steuerliche Regeln einhalten, um Ärger mit dem Finanzamt zu vermeiden. Bei Zahlungen dieser Art kann schnell der Eindruck entstehen, dass es sich bei den Zahlungen um geldwerte Vorteile handelt – also eine Lohnzahlung, die nicht ordnungsgemäß versteuert wird. Aus diesem Grund ist der Zinsvorteil, der sich zwischen Arbeitgeberdarlehen und Marktzins ergibt, gemäß Einkommenssteuergesetz (EStG) als geldwerter Vorteil zu versteuern.

Zinsvorteile müssen versteuert werden

Ein Arbeitgeberdarlehen wird in der Regel zinsgünstiger als ein banküblicher Kredit vergeben. Gemäß der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (AZ VI R 28/06) sind solche Zinsvorteile immer dann als geldwerte Vorteile zu werten, wenn der Arbeitgeberdarlehenszinssatz unter dem marktüblichen Zinssatz liegt. Diese geldwerten Vorteile unterliegen als Sachbezüge der Lohnsteuer und müssen entsprechend als Arbeitslohn versteuert werden. In einem Schreiben vom Bundesministerium der Finanzen heißt es dazu:

Ein Arbeitgeberdarlehen liegt vor, wenn durch den Arbeitgeber oder aufgrund des Dienstverhältnisses durch einen Dritten an den Arbeitnehmer Geld überlassen wird und diese Geldüberlassung auf einem Darlehensvertrag beruht. Erhält der Arbeitnehmer durch solch ein Arbeitgeberdarlehen Zinsvorteile, sind sie zu versteuern.

Wann wird Steuerfreiheit beim Arbeitgeberdarlehen gewährt?

Geldwerte Vorteile müssen nur dann versteuert werden, wenn die Summe des noch nicht getilgten Darlehens am Ende des Lohnzahlungszeitraumes die allgemeine Freigrenze des Bundesfinanzministeriums von 2.600 Euro übersteigt. Gewährt ein Arbeitgeber zum Beispiel ein zinsloses Darlehen in Form eines Gehaltsvorschusses in Höhe von 2.000 Euro, sind die daraus resultierenden Zinsvorteile nicht als Arbeitslohn zu versteuern, da der Darlehensbetrag am Ende des Lohnzahlungszeitraums die Freigrenze von 2.600 Euro nicht übersteigt.

Außerdem wird Steuerfreiheit gewährt, wenn der ermittelte Zinsvorteil die steuerliche Freigrenze von 44 Euro im Monat gemäß § 8 Abs. 2 Satz 9 EStG nicht übersteigt. Sobald die Freigrenze überschritten wird, ist der gesamte Zinsvorteil zu versteuern.

So wird geldwerter Vorteil ermittelt

Grundsätzlich wird der Zinsvorteil für jedes Arbeitgeberdarlehen individuell ermittelt. Bei der Ermittlung des geldwerten Vorteils in Form eines Zinsvorteils im Rahmen eines Arbeitgeberdarlehens unterscheidet das EStG zwei Fälle:

  1. Bewertung nach § 8 Abs. 2 EStG
    Gilt beispielsweise für Arbeitnehmer, die von Industriebetrieben oder Handelsunternehmen, die keinen „Handel“ mit Darlehensgewährungen betreiben, ein zinsverbilligtes Arbeitgeberdarlehen erhalten.
  2. Bewertung nach § 8 Abs. 3 Satz 1 EStG
    Gilt beispielsweise für Bankangestellte, die von ihrem Arbeitgeber ein zinsverbilligtes Darlehen mit Ansatz des Rabatt-Freibetrags erhalten.

Grundsätzlich werden die geldwerte Vorteile anhand des marktüblichen Effektivzinssatzes berechnet. Diesen können Sie bei Ihrer Bank erfragen oder in der Zins-Statistiken der Deutschen Bundesbank in Erfahrung bringen. Maßgeblich für die komplette Laufzeit des Arbeitgeberdarlehens ist der Marktzinssatz bei Vertragsabschluss – es sei denn, es wird ein variabler Darlehenszinssatz vereinbart. Der steuerpflichtige Zinsvorteil bemisst sich nach der Differenz zwischen marktüblichen Zinssatz und dem vom Arbeitnehmer zu zahlenden niedrigen Effektivzinssatz, berechnet auf Basis des Restdarlehens.

Wenn der Chef auf Darlehensrückzahlung oder Zinsen verzichtet

Wird ein Arbeitgeberdarlehensvertrag geschlossen, müssen gewisse Voraussetzungen – wie Laufzeit, Zinsen, Tilgung, Sicherheiten und Rückzahlung bei Ausscheiden des Kreditnehmers aus dem Betrieb – genau vereinbart und während der gesamten Laufzeit eingehalten werden. Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, das Arbeitgeberdarlehen zurückzuzahlen. Tut er dies nicht oder verzichtet der Arbeitgeber auf eine Rückzahlung des Darlehens, ist die nicht zurückgeforderte Summe nichts anderes als Arbeitslohn und untersteht damit in vollem Umfang der Lohnsteuerpflicht.

Steuerrechtlich wird der Darlehensbetrag dann wie eine Einmalzahlung behandelt. Auch wenn der kreditgewährende Arbeitgeber auf eine Verzinsung verzichtet, kann eine komplette Versteuerung des Arbeitgeberdarlehens in Kraft treten. 

Sonderfall: Gesonderte Regeln für Mitarbeiter von Banken und Kreditinstituten

Das Einkommenssteuergesetz unterscheidet bei der Ermittlung des geldwerten Vorteils bei einem Arbeitgeberdarlehen wie bereits erwähnt zwischen zwei Gruppen von Kreditnehmern: Arbeitnehmer aus beispielsweise Handels- und Industrieunternehmen und Mitarbeitern aus der Kreditwirtschaft, also Banken, Sparkassen und anderen Finanzunternehmen.

Diese unterliegen nach § 8 Abs. 3 Satz 1 EStG gesonderten Vorschriften. Der durch ein Arbeitgeberdarlehen entstehende Zinsvorteil wird als sogenannter Personalrabatt gewertet und entsprechend versteuert. Um den geldwerten Vorteil für Arbeitnehmer in Finanzunternehmen zu ermitteln, wird nicht der Effektivzinssatz der Deutschen Bundesbank, sondern derjenige herangezogen, den der Arbeitgeber auch seinen Bankkunden bei Abschluss vergleichbarer Kredite anbieten würde. Ein Bewertungsabschlag von 4 Prozent ist auch hier zulässig.

Der Zinsvorteil, der aus der Darlehensgewährung resultiert, ist steuerfrei, sofern die aus dem Beschäftigungsverhältnis insgesamt stammenden geldwerten Vorteile den Betrag von 1.080 Euro jährlich nicht übersteigen.

Jedoch besteht nach der mittlerweile von der Verwaltung übernommenen Rechtsprechung bei der Bewertung von geldwerten Vorteilen ein Wahlrecht: Der Zinsvorteil bei einem Arbeitgeberdarlehen im Bankenbereich kann auch mit dem günstigsten Marktpreis, jedoch ohne Bewertungsabschlag und ohne Rabattfreibetrag bewertet werden (BFM-Schreiben vom 16.05.2013, AZ IV C 5-S 2334/07/0011). Für Mitarbeiter in der Kreditwirtschaft ist es wichtig zu wissen, dass die Ausübung dieses Wahlrechts für Arbeitgeber nicht verpflichtend ist. 

Arbeitgeberdarlehen beantragen: So gehen Sie vor

Die Möglichkeit, ein Mitarbeiterdarlehen zu bekommen, besteht nicht grundsätzlich in jedem Betrieb. Möchten Sie ein Arbeitgeberdarlehen beantragen, sollten Sie sich in kleineren Unternehmen direkt an Ihren Chef beziehungsweise in größeren Betrieben an die zuständige Personalstelle oder an den Betriebsrat wenden, um Ihre Möglichkeiten auszuloten.

Benötigen Sie etwa ein Arbeitgeberdarlehen, um ein Bauvorhaben zu realisieren, sollten Sie rechtzeitig an eine Beantragung denken. In der Regel können Unternehmen nicht spontan von heute auf morgen darüber entscheiden, ein Darlehen zu vergeben. Stimmt der Arbeitgeber der Kreditanfrage zu, wird ein Zins mit dem Angestellten vereinbart. Außerdem werden weitere wichtige Vereinbarungen über Konditionen des Kredits getroffen.

Achtung:Unbedingt Vereinbarungen festhalten

Damit das Arbeitgeberdarlehen rechtsgültig ist: Vereinbarungen festhalten!

Um ein Arbeitgeberdarlehen auch rechtlich auf sicheren Füßen steht, müssen genaue Vereinbarungen zu getroffen und schriftlich festgehalten werden. Hierzu zählen:

  • Laufzeit
  • Effektivzins
  • Darlehenshöhe
  • Rückzahlungsmodalitäten
  • Sicherheiten
  • Entsprechende Kündigungsmöglichkeiten

Diese schriftliche Vereinbarung sind sowohl für die kreditgebenden Unternehmer als auch für die angestellten Kreditnehmer wichtig, um rechtlich abgesichert zu sein. Denn unterlaufen innerhalb der Vertragsgestalten Fehler, muss der Darlehensnehmer damit rechnen, dass das gesamte Darlehen in vollem Umfang als steuerpflichtiger Arbeitslohn erfasst wird.

Tipp:Personalabteilung kontaktieren

In größeren Unternehmen stellt in der Regel die Personalabteilung Vertragsvorlagen für Arbeitgeberdarlehen bereit.

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Raten beim Arbeitgeberdarlehen: Gibt es eine Pfändungsfreigrenze?

Die Raten zur Tilgung des Arbeitgeberdarlehens werden grundsätzlich bei Vertragsschluss fest vereinbart und direkt vom Lohn einbehalten. Dadurch verfügt der Darlehensgeber während der Kreditlaufzeit über eine gewisse Teilsicherheit, solange der Mitarbeiter im Betrieb tätig ist. Jedoch hat der Gesetzgeber bestimmt, dass der Arbeitgeber bei der Verrechnung der Kreditraten mit den künftigen Lohnansprüchen nach § 394 Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) die gesetzlich festgelegten Pfändungsfreigrenzen wahren muss. Diese sind in §§ 850 ff. Zivilprozessordnung (ZPO) festgelegt. 

Was wenn der Mitarbeiter das Unternehmen verlässt?

So viel vorweg: Ein Arbeitgeberdarlehen kann nur durch eine separate Kündigung beendet werden, ein Ausscheiden aus dem Unternehmen führt nicht automatisch zu einer Beendigung des Kreditvertrags und einer vorzeitigen Rückforderung des Darlehens.

Hier finden Sie zwei unterschiedliche Fallkonstellationen, die aufzeigen, was mit einem Mitarbeiterdarlehen passieren kann, wenn Sie den Betrieb vor Ende der Laufzeit des Darlehens verlassen:

Arbeitgeber kündigt Arbeitnehmer Dass ein Mitarbeiter gekündigt wird, bedeutet nicht unbedingt, dass der Arbeitgeber auch ein Interesse daran hat, das Darlehen aufzukündigen. Allerdings darf der Arbeitgeber den Zinssatz erhöhen – jedoch darf dieser den bisherigen Zinssatz nur maßvoll übersteigen.
Grundsätzlich gilt: Betriebe, die ein Arbeitgeber-Darlehen kündigen wollen, müssen nach § 488 Abs. 3 BGB eine Kündigungsfrist von drei Monaten einhalten. Anders bei einem Kleinkredit mit einer Summe von bis zu 200 Euro: In diesem Fall beträgt die Kündigungsfrist nur einen Monat. Nach Ablauf der Kündigungsfrist kann der Arbeitgeber, den noch ausstehenden Darlehensbetrag zurückfordern.

Achtung: Gegebenenfalls enthält der Darlehensvertrag eine explizite Rückzahlungsklausel, die eine vorzeitige Rückforderung des Darlehens seitens des Arbeitgebers möglich macht.
Arbeitnehmer kündigt selbst Wenn Sie Ihr Arbeitsverhältnis kündigen, ist eine Anpassung des effektiven Jahreszinses des Arbeitgeberdarlehens auf den dann gültigen Marktwert zulässig, urteilte das Bundesarbeitsgericht (AZ 737/97).

Nehmen Sie ein Arbeitgeberdarlehen auf, sollten Sie darauf achten, dass im Darlehensvertrag stets entsprechende Vereinbarungen für den Fall einer Kündigung getroffen werden. Fehlt eine solche Vereinbarung, kann das verbleibende Darlehen unter Umständen sofort restfällig werden.

Organkredit: Besondere Form des Mitarbeiterdarlehens

Bei einem Organkredit handelt es sich um eine besondere Form des Arbeitgeberdarlehens. § 15 Kreditwesengesetz (KWG) regelt, welche Konstellationen unter einen Organkredit fallen:

  1. Bei einem Organkredit von einer Aktiengesellschaft (AG) handelt es sich um ein Mitarbeiterdarlehen, das an leitende Angestellte, Prokuristen und Vorstandsmitglieder sowie deren Ehefrauen und minderjährige Kinder vergeben wird – sofern der Aufsichtsrat gemäß § 89 Aktiengesetz (AktG) seine Einwilligung zu dem besonderen Mitarbeiterdarlehen gegeben hat.
  2. Bei einem Organkredit von Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituten handelt es sich um ein Darlehen, das an Geschäftsleiter des Instituts, Mitglieder des Aufsichtsorgans, an Prokuristen sowie deren Ehepartner und minderjährige Kinder oder an Unternehmen, mit denen eine gewisse personelle oder finanzielle Verflechtung besteht, vergeben wird. Ein solcher Kredit bedarf in der Regel eines einstimmigen Beschlusses sämtlicher Geschäftsleiter und der mehrheitlichen Zustimmung des Aufsichtsorgans.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen kann unter Umständen für die Gewährung von Organkrediten im Einzelfall Obergrenzen festlegen.

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