Fahrsicherheitstraining für Auto und Motorrad

Zuletzt aktualisiert am 16.03.2017

Im Jahr 2015 zählte das Statistische Bundesamt 2,5 Millionen Verkehrsunfälle in Deutschland. Für mehr als 3.400 Verkehrsteilnehmer endeten diese Unfälle tödlich. Diese Zahlen können einmal mehr verdeutlichen, wie wichtig es ist, verantwortungsvoll am Straßenverkehr teilzunehmen. Wer lernen möchte, wie er Gefahren frühzeitig erkennen kann, findet im Fahrsicherheitstraining eine gute Gelegenheit dazu. So manchem Motorradfahrer hat ein Kurs zur Fahrsicherheit schon das Leben gerettet. Denn auf Zweirädern ist das richtige Handling des Fahrgeräts im Ernstfall überlebenswichtig. Lesen Sie in diesem Ratgeber alles Wichtige zum Fahrsicherheitstraining für Auto sowie Motorrad und erhalten Sie praktische Tipps dazu.

Inhaltsverzeichnis

    So ist ein Fahrsicherheitstraining sinnvoll

    Mit einem Fahrsicherheitstraining sind viele verschiedene Vorteile verbunden. Darum ergibt ein solches Training für jeden Motorrad- und Autofahrer einen Sinn:

    • Beitragsnachlass bei der Kfz-Versicherung: Wer ein Fahrsicherheitstraining absolviert hat, kann mit Beitragsrabatten bei seiner Kfz-Versicherung rechnen. Viele Versicherer belohnen es, wenn die Versicherungsnehmer sich weiterbilden.
    • Sicherheitstraining nach den Richtlinien des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR): Bei einem Fahrsicherheitstraining bauen Sie auf bewährte Abläufe und vielfach erprobte Übungssituationen. Achten Sie bei der Auswahl des Anbieters darauf, dass er die Teilnehmer nach den Richtlinien des DVR schult.
    • Erhöhen der eigenen Fahrsicherheit: Nach dem Abschluss eines entsprechenden Trainings profitieren die Teilnehmer von einer erhöhten Fahrsicherheit. Sie wissen zum Beispiel auch aus der Praxis, wie sie beim Schleudern reagieren müssen.
    • Mehr Sicherheit für Fahranfänger: Gerade Fahranfänger kennen sich mit Gefahrensituationen aus der eigenen Fahrpraxis kaum aus. Ein Fahrsicherheitstraining kann sie präventiv darauf vorbereiten.

    Zuschüsse möglich

    Viele Berufsgenossenschaften unterstützen es, wenn ein Versicherter ein Fahrsicherheitstraining wahrnimmt. Sie leisten deshalb Zuschüssen zu den Schulungsgebühren.

    Was ist ein Fahrsicherheitstraining?

    Um die Verkehrssicherheit in Deutschland zu erhöhen, wurde in den 1970er-Jahren ein Fahrsicherheitstraining ausgearbeitet. Verantwortlich für diese Initiative waren der ADAC, die Verkehrswachten sowie einige Automobilhersteller. Ursprünglich wurden die angebotenen Kurse auch „Schleuderkurse“ genannt, weil die Teilnehmer lernten, wie sie mit einem schleudernden Auto umgehen sollten.

    Mitte der 1970er-Jahre entstand schließlich das „DVR-Sicherheitstraining“, das heute von über 30 verschiedenen Anbietern durchgeführt wird. Einer der größten Veranstalter solcher Trainings ist der ADAC.

    Verschiedene Arten von Fahrsicherheitstrainings

    Fahrsicherheitstrainings, die der Qualitätssicherung des DVR unterliegen, werden für verschiedene Kraftfahrzeuge sowie in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden angeboten. Folgende Möglichkeiten gibt es:

    • Fahrsicherheitstraining für PKW: Diese Kurse sind in der Regel für Privatpersonen gedacht, die ihre Fahrsicherheit mit dem Auto verbessern wollen.
    • Fahrsicherheitstraining für Motorräder: Ein solches Training bietet sich für Motorradfahrer an.
    • Fahrsicherheitstraining für Geländewagen: Dabei lernen die Teilnehmer zum Beispiel, wie sie das Auto in Schräglage manövrieren können.
    • Fahrsicherheitstraining für Tankwagen: Mitarbeiter von Speditionen können dabei besonders im Umgang mit Tankwagen, zum Beispiel in Bezug auf die Kippgrenze, geschult werden.
    • Fahrsicherheitstraining für LKW: Diese Kurse sind für professionelle LKW-Fahrer gedacht. Sie sind oftmals Voraussetzung für eine Anstellung bei einem Transportdienstleister.
    • Fahrsicherheitstraining für Transporter: Diese Trainings zeigen Fahrern von Transportern den Umgang mit dem Fahrzeug in Gefahrensituationen. Vom DVR gibt es hierzu auch ein speziell ausgearbeitetes Fahrerqualifizierungsprogramm für Transporter (FQT).
    • Fahrsicherheitstraining für Einsatzfahrzeuge: Fahrer von Polizeifahrzeugen oder Rettungswagen lernen bei diesen Trainings spezielle Techniken.
    • Fahrsicherheitstraining für Reise- oder Linienbusse: Busfahrer sind im Alltag für viele Menschen auf einmal verantwortlich. Die Trainings helfen ihnen, in Gefahrensituationen richtig zu reagieren.

    Ablauf eines Fahrsicherheitstrainings

    Der Umfang eines Fahrsicherheitstrainings hängt immer vom jeweiligen Fahrzeugtyp sowie von den Vorkenntnissen des Teilnehmers ab. Der Ablauf ist in der Regel ähnlich. Die meisten Kurse finden an einem Tag statt und dauern etwa acht Stunden. Die Teilnehmerzahl beschränkt sich auf zwölf.

    Ablauf und Inhalte Fahrsicherheitstraining PKW

    Das Fahrsicherheitstraining für den PKW beginnt mit der Prüfung der Sitzposition. Sie ist für das spätere Handling des Fahrzeugs wichtig. Ebenso werden die Teilnehmer über das potentielle Verletzungsrisiko durch den Airbag aufgeklärt. Durch das Anpassen der Sitzposition wird diese Gefahr minimiert.

    Weitere Schritte:

    • Vollbremsungen: Die Teilnehmer machen Vollbremsungen, indem sie das Bremspedal voll durchdrücken. Zugleich werden verschiedene Bremsvorgänge bei unterschiedlicher Schnelligkeit sowie auf unterschiedlichen Straßenbelägen durchgeführt, zum Beispiel auf nassen Fahrbahnen oder Straßen mit Schotter.
    • Ausweichmanöver: Während des Trainings müssen die Teilnehmer mit ihrem Fahrzeug von Hindernissen ausweichen. Darüber hinaus werden Fahrten gestartet, bei welchen sie in Kurven gegensteuern müssen.
    • Slalom- und Kurven: Durch Slalom- und Kurvenfahrten werden im Training der passende Blick sowie die dazu geeigneten Lenkmanöver geübt.
    • Ausbrechen des Hecks: Die Teilnehmer fahren über eine spezielle Bodenplatte, welche das Heck zur Seite wegschleudert.
    • Rückwärtsfahren: Die Teilnehmer müssen einen Hindernisparcours im Rückwärtsgang absolvieren.

    Ablauf und Inhalte Fahrsicherheitstraining Motorrad

    Das Training für Motorradfahrer existiert bereits seit den 1970er-Jahren, als es der ADAC ins Leben rief. Heute werden die Kurse vom DVR konzipiert. Folgende Inhalte werden im Fahrsicherheitstraining gelernt:

    • Extreme Langsamfahrt: Dabei sollten die Teilnehmer die Balance halten und das Motorrad sicher weitersteuern.
    • Bewegen auf dem Motorrad: Die Teilnehmer werden angehalten, einbeinig zu fahren oder auf dem Tank zu sitzen, um die Koordination und Balance zu schulen.
    • Bremsen und Ausweichen: In speziellen Fahrübungen wird das sichere Bremsen und Ausweichen zum Beispiel mittels Lenkimpulstechnik gelehrt.
    • Vollbremsungen: Bei verschiedenen Geschwindigkeiten müssen die Teilnehmer mit ihrem Motorrad eine Vollbremsung bis zum Stand machen.
    • Slalomfahrten: Beim Slalomfahren lernen die Teilnehmer die sogenannte „Schwingtechnik“.
    • Fahren im Kreis: Während Kreisfahrten lernen die Teilnehmer, wie sie dabei den Kopf halten müssen.

    Die Sicherheitstrainings werden in Deutschland auf über 60 zugelassenen Plätzen durchgeführt. Es gibt jedoch auch spezielle Kurse vor allem für Motorräder, die im Straßenverkehr stattfinden. Für Motorradfahrer gibt es außerdem spezielle weitere Kurse, die sich an Fortgeschrittene richten oder eben an Anfänger, die das Fahren in Schräglage üben wollen.

    Wer kann an einem Fahrsicherheitstraining teilnehmen?

    An einem Fahrsicherheitstraining können alle Auto- und Motorradfahrer teilnehmen, die einen Führerschein besitzen. Es ist auch möglich, dass Teilnehmer am Begleiteten Fahren schon mit 17 Jahren ein Fahrsicherheitstraining absolvieren, wenn sie die Führerscheinprüfung bereits abgelegt haben. Allerdings bieten nicht alle Trainingsplätze diese Möglichkeit an.

    Grundsätzlich ist das Fahrsicherheitstraining nicht auf eine bestimmte Altersklasse beschränkt. Es empfiehlt sich somit für Fahranfänger ebenso wie für erfahrene Autofahrer. Denn letztlich können derartige Extremsituationen sowie Brems- und Ausweichmanöver legal nur auf den Plätzen der Anbieter für Fahrsicherheitstrainings durchgeführt werden.

    Gibt es auch Fahrsicherheitstrainings ohne eigenes Auto?

    In der Regel müssen Kursteilnehmer das Training mit dem eigenen PKW oder Motorrad absolvieren. Bei manchen Anbietern kann ein Fahrzeug für das Training gemietet werden. Allerdings ist es sinnvoller, das eigene Auto zu verwenden. Schließlich fahren die Teilnehmer hauptsächlich damit und müssen das eigene Auto in Extremsituationen besser kennenlernen.

    Fahrsicherheitstraining: Wann lohnt es sich?

    Ein Fahrsicherheitstraining lohnt sich für Anfänger sehr. Denn sie können dadurch wichtige Erfahrungen sammeln. Doch letztlich ist es für alle Autofahrer geeignet.

    Manche Anbieter wie der ADAC haben spezielle Kurse für junge Fahranfänger zwischen 17 und 25 Jahren im Portfolio.

    Das benötigen Sie für ein Fahrsicherheitstraining

    • einen gültigen Führerschein
    • für Motorradfahrer: eigene Schutzbekleidung, Motorradhelm
    • Fahrzeug mit Heckantrieb
    • je nach Anbieter: Verpflegung, denn der Kurs dauert mindestens fünf Stunden
    • ein eigenes Fahrzeug
    • Reifen mit ausreichendem Profil
    • ausreichend Benzin im Tank

    Probezeit nicht verkürzbar

    Auch wenn das Fahrsicherheitstraining in besonderem Maße für Fahranfänger geeignet ist, lässt sich durch eine erfolgreiche Teilnahme die Probezeit nicht verkürzen. Schließlich ist diese Zeit darauf angelegt, dass sich Fahranfänger während der gesamten Phase vorbildlich am Steuer verhalten und es so verinnerlichen. Es wäre somit unfair gegenüber allen anderen, die kein Training absolviert haben.

    Fahrsicherheitstraining - Kosten und Anmeldung

    Die Preise für ein Fahrsicherheitstraining starten schon bei rund 60 Euro, können je nach Kursumfang aber deutlich höher ausfallen. In der Regel werden die Kurse sehr häufig angeboten, sodass Sie nicht lange im Voraus buchen müssen.

    Anbieter in München, Hamburg, Berlin und Köln

    Anbieter Ort Kosten
    ADAC Berlin Ab 99 Euro für PKW- oder Motorrad-Fahrsicherheitstraining
    Deutsche Verkehrswacht Berlin/Potsdam Für PKW 70 Euro für acht Stunden, für Motorrad 80 Euro für acht Stunden
    Audimax Bildung & Events GmbH Berlin Für PKW 85 Euro für acht Stunden, für Motorrad 80 Euro für acht Stunden
    Forum Fahrsicherheit Berlin Für PKW oder Motorrad 110 Euro für acht Stunden inklusive Mittagessen, Kaffee und Energydrinks
    Deutsche Verkehrswacht Hamburg Für PKW 79 Euro für 7-8 Stunden
    TÜV Rheinland Bornheim bei Köln Für Motorrad oder PKW 107,10 Euro
    Deutsche Verkehrswacht Fürstenfeldbruck bei München Für PKW unter 100 Euro für 7-8 Stunden
    ACE - Auto Club Europa Jesewang bei München Für PKW 110 Euro  für Nicht-Mitglieder, 70 Euro für Mitglieder

    Stand Oktober 2016, Angaben ohne Gewähr

    In Deutschland sind die Übungsplätze nicht immer direkt bei Großstädten angesiedelt. Weitere Anbieter für Fahrsicherheitstrainings sind zum Beispiel auch der TÜV Süd oder die DEKRA.

    Fragen und Antworten

    Wie ist der Versicherungsschutz eines Teilnehmers beim Fahrsicherheitstraining und bin ich als Teilnehmer über meine eigene Versicherung geschützt?

    Teilnehmer an einem Fahrsicherheitstraining sind über ihre Teil- oder Vollkasko sowie über die Kfz-Haftpflichtversicherung abgesichert. Über manche Anbieter sind sie zusätzlich versichert.

    Ist es möglich, durch ein Fahrsicherheitstraining einen Nachlass bei meinem Versicherungstarif zu bekommen?

    Viele Kfz-Versicherungen bieten einen Rabatt für Versicherungsnehmer an, die an einem Fahrsicherheitstraining teilgenommen haben.

    Welche Versicherung erkennt Fahrsicherheitstraining an?

    Ob Ihre Kfz-Versicherung ein Fahrsicherheitstraining anerkennt, können Sie in Ihren Versicherungsbedingungen nachlesen. Bei einem Versicherungsvergleich sollten Sie das ebenfalls berücksichtigen.

    Brauche ich dafür einen Nachweis über die Teilnahme am Fahrsicherheitstraining?

    Wenn Sie einen Rabatt erhalten wollen, benötigen Sie einen Nachweis über eine erfolgreiche Teilnahme an einem Fahrsicherheitstraining. Dieses Zertifikat bekommen Sie nach dem absolvierten Termin.

    Wie hoch liegt die Ersparnis bei Kfz-Versicherungen, wenn ich das Fahrsicherheitstraining angebe?

    In der Regel können Sie mit einem Fahrsicherheitstraining bis zu zehn Prozent an Ihrem Versicherungstarif einsparen. Die Kosten für das Training können sich somit sehr schnell amortisieren.

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