Konsolidierung: Was ist das?

Zuletzt aktualisiert am 20.07.2017

Bei einer Konsolidierung im allgemeinen Sinn handelt es sich um eine Umwandlung von kurzfristigen Schulden in langfristige Schulden. Dabei können mehrere Darlehen zu einem Darlehen zusammengelegt werden. Im Zusammenhang mit der Börse wird ebenfalls von Konsolidierung gesprochen. Dort hat der Begriff jedoch eine andere Bedeutung.

Inhaltsverzeichnis

    Konsolidierungen können in ganz unterschiedlichen Bereichen auftreten. Mit dem Begriff werden dabei jeweils unterschiedliche Ziele oder Phänomene verknüpft.

    • In der Wirtschaft
      In diesem Fall existieren meist mehr Unternehmen in einem Segment, als vom Markt erforderlich. Deshalb werden einige Unternehmen von anderen übernommen, sodass sich die Zahl der Mitbewerber reduziert. In diesem Fall erfolgte eine Marktkonsolidierung.
    • Bei Krediten
      Privatpersonen können verschiedene Kredite in einen „großen“ und langfristigen Kredit umwandeln, um eine geringere Rate zu zahlen oder bessere Kreditkonditionen zu nutzen. Die Konsolidierung entspricht dabei einer Umschuldung.
      Konsolidierung von Krediten
    • An der Börse
      Bei dieser Form der Konsolidierung handelt es sich um ein Phänomen der Kursnormalisierung nach starken Kursanstiegen oder Kursabstürzen.
      Konsolidierung an der Börse
    • In Unternehmen
      Unternehmen können ihre Schulden zu einem langfristigen Kredit bündeln oder in Anleihen umwandeln, um ihre Bilanz zu verbessern.
    • Des Haushalts
      Bei Gemeinden oder Staaten führt eine Konsolidierung des Haushalts dazu, das strukturelle Defizit zu verringern. Mittelfristig kann dadurch der Haushalt ausgeglichen werden. Als Folge verringert sich die Nettoneuverschuldung des Landes oder der Kommune. Eine Haushaltskonsolidierung kann jedoch auch durch weitere Maßnahmen eingeleitet werden. Hierzu zählen die Erhöhung von Steuern oder anderen Abgaben sowie die Kürzung von Ausgaben. Somit sind von einer solchen Haushaltskonsolidierung immer auch Bürger betroffen.

    Was sind Ziele einer Konsolidierung?

    Es gibt verschiedene Ziele, die mit einer Konsolidierung verfolgt werden können:

    1. Entzerrung der Rückzahlungsbelastungen zwecks Liquiditätsentlastung
      In einfachen Worten ausgedrückt, hat ein Kreditnehmer wieder monatlich mehr Geld zur Verfügung, wenn er mehrere Kredite zusammenfasst und die Laufzeit verlängert.
    2. Sicherung eines niedrigen langfristigen Festzinssatzes
      Kurzfristige Kredite können häufig mit hohen Zinssätzen verbunden sein. Durch eine Konsolidierung zu einem Kredit lassen sich die Gesamtkreditkosten durch niedrigere Zinsen senken.
    3. Verbesserung des Bilanzbildes
      Unternehmen können durch eine Konsolidierung der Verbindlichkeiten ihre Bilanz aufbessern. Dadurch werden sie für Anleger und Investoren wieder attraktiver, was wiederum zu einer Erhöhung des Eigenkapitals und zu mehr Investitionen sowie Wachstum führen kann.
    4. Haushaltsausgleich
      Mit Hilfe einer Konsolidierung können Staaten, Kommunen oder Städte ihren Haushalt ausgleichen. Auf diese Weise sinkt die Neuverschuldung und die Körperschaften arbeiten wirtschaftlicher.
    5. Konsolidierung als Bestandteil einer Sanierungsphase
      Werden finanziell angeschlagene Unternehmen saniert, führt eine Konsolidierung zur Bündelung der finanziellen Möglichkeiten. Damit sind jedoch häufig auch Personalkürzungen verbunden.

    Konsolidierung von Krediten

    Wenn Verbindlichkeiten gegenüber Dritten in Form von Darlehen konsolidiert werden, haben Schuldner meist die Möglichkeit, die Konsolidierung im Vorfeld oder nachträglich zu beschließen.

    So können Konsolidierungsmöglichkeiten schon beim Abschluss eines Darlehensvertrags mit einer kurzen Laufzeit von maximal 24 Monaten definiert werden. Grundsätzlich ist es jederzeit möglich, dass ein Schuldner seine Kredite auch nachträglich konsolidiert. Voraussetzung dafür ist, dass er einen Finanzierungspartner findet.

    Eine nachträgliche Konsolidierung wird meist angestrebt, wenn viele verschiedene Kreditverbindlichkeiten bestehen und dadurch die Liquidität stark eingeschränkt wird. Für Kreditnehmer ist eine Konsolidierung dann von Vorteil, wenn dadurch zum einen die Kreditzinsen sinken und zum anderen die monatliche Belastung durch die Raten sinkt. Zugleich trägt die Konsolidierung zu einer solideren Finanzplanung bei.

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    Ein praktisches Beispiel

    Sie haben insgesamt vier Kredite mit einer Laufzeit von jeweils 48 Monaten im Gesamtvolumen von 30.000 Euro aufgenommen. Die Restschuld liegt bei 20.000 Euro. Die monatliche Gesamtbelastung beträgt für die kommenden Monate mehr als 500 Euro. Ihr monatlich verfügbares Kapital wird dadurch deutlich reduziert. Sie beschließen deshalb, die Kredite zu konsolidieren, also umzuschulden. Zu diesem Zweck nehmen Sie einen Kredit in der Höhe Ihrer Restschuld von 20.000 Euro auf, teilen die Raten jedoch auf eine Laufzeit von 84 Monaten auf. Ihre monatliche Ratenbelastung sinkt dadurch auf knapp 250 Euro. Auf diese Weise stehen Ihnen monatlich wieder knapp 250 Euro mehr zur Verfügung.

    Bonität entscheidend

    Voraussetzung für eine erfolgreiche Umschuldung ist immer eine ausreichende Bonität. Diese kann jedoch häufig dadurch erhöht werden, wenn der Kredit ausschließlich zur Umschuldung genutzt wird.

    Rechtliches

    In Deutschland gibt es für die Konsolidierung keine spezifische, rechtsverbindliche Regelung. Üblicherweise erfolgt die Konsolidierung meist in Form der sogenannten „Novation“. Dabei handelt es sich um die Ablösung alter Schulden durch ein neues Schuldverhältnis. Das alte Schuldverhältnis wird somit „erneuert“.

    Durch die Aufnahme eines neuen Kredits werden damit automatisch die alten Schulden getilgt. Eine mögliche Grundlage für die Novation liefert Paragraph 311 des Bürgerlichen Gesetzbuchs.

    Daraus folgt, dass bisherige Kreditsicherheiten nicht mehr gültig sind, sondern die Sicherheiten neu berechnet werden müssen.

    So läuft eine Konsolidierung von Krediten ab

    In der Praxis von Privatpersonen oder auch Unternehmen ist eine Konsolidierung meist das Gleiche wie eine Umschuldung. Ein neuer Kreditvertrag mit langfristiger Laufzeit ersetzt mehrere kurzfristige Darlehen. Unternehmen haben oft zusätzlich die Möglichkeit, die Konsolidierung in Form von Anleihen durchzuführen.

    Bei Privathaushalten kann eine Umschuldung so ablaufen:

    1. Sie stellen eine Übersicht mit Ihren laufenden Krediten zusammen und berechnen die Gesamtkreditsumme sowie die gesamte monatliche Belastung.
    2. Prüfen Sie, welche monatliche Belastung Sie durch die Umschuldung erreichen wollen.
    3. Anschließend verwenden Sie einen Kreditrechner, um einen günstigen Kredit zu finden. Tragen Sie dort die gewünschte Kreditsumme, die Laufzeit oder die Wunschrate ein.
    4. Vergleichen Sie die Angebote der einzelnen Banken.
    5. Stellen Sie dann den Kreditantrag bei der Bank mit dem besten Angebot. Im Antrag können Sie alle Kredite und die jeweiligen Banken sowie Kontonummern angeben, damit der neue Kreditgeber sofort alle Verbindlichkeiten für Sie ablösen kann.

    Bonität vorab prüfen

    Berücksichtigen Sie bei einer Kreditanfrage, dass Sie über eine ausreichende Bonität verfügen müssen, um eine Umschuldung in einen einzigen größeren Kredit durchführen zu können.

    Konsolidierung an der Börse

    Wenn im Zusammenhang mit der Börse von Konsolidierung gesprochen wird, bezieht sich dieser Begriff auf ein bestimmtes Phänomen, das besonders nach hohen Anfragen und dadurch rapide steigenden Kursen eintritt.

    Der Wert von Aktien beruht zu einem großen Teil auf dem Zusammenspiel aus Angebot und Nachfrage. Steigt die Nachfrage nach bestimmten Wertpapieren an, steigt auch deren Kurs. Allerdings kommt es aufgrund der Volatilität der Börse manchmal zu Aktienkursen, die in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Wirtschaftskraft eines Unternehmens stehen. Häufig sind derartige Kursanstiege bei Startups zu beobachten, die nur wenige Mitarbeiter haben, keine Gewinne vorweisen können, aber mit mehreren Millionen Dollar an der Börse gehandelt werden. Viele Aktionäre setzen dann auf diese Wertpapiere, in der Hoffnung, schnell durch steigende Kurse hohe Gewinne zu erzielen.

    Meist setzt nach diesem ersten Boom jedoch eine Phase ein, in welcher die Nachfrage wieder deutlich sinkt. In der Folge stabilisieren sich die Kurse auf einem niedrigeren Niveau. In gleichem Maße sinkt auch das Börsenvolumen des jeweiligen Unternehmens. Dann ist eine sogenannte „Konsolidierung“ erfolgt. In anderen Worten wird auch von einer „Abkühlung des Kurses“ oder einer Kursnormalisierung gesprochen.

    Eine Konsolidierung von Aktienwerten kann auch nach rapide gesunkenen Kursen erfolgen, zum Beispiel dann, wenn sich ein Unternehmen nach starken Verlusten wieder erholt hat.

    Konsolidierung an der Börse kann Aktienblasen verhindern

    Die Vergangenheit hat gezeigt, dass unverhältnismäßig stark steigende Aktienkurse zu einer großen Blase führen können. Die sogenannte „Dotcom-Blase“ hat dazu geführt, dass Aktionäre zu Beginn der 2000er-Jahre viel Geld verloren haben, wenn sie in Internet-Unternehmen investiert haben.

    Eine Konsolidierung des Kurses kann derartige Auswüchse an der Börse verhindern. In gewissem Sinne handelt es sich dabei um eine Art Selbstregulierung des Kurses, die sich dem tatsächlichen Wert eines börsennotierten Unternehmens annähert. Für Anleger können Konsolidierungen in diesem Sinne ein wichtiges Signal sein, dass mittelfristig keine starken Kursschwankungen zu erwarten sind.

    Führt ein Unternehmen eine Konsolidierung seiner Schulden durch, kann das ebenfalls ein positives Signal für Anleger bedeuten. In diesem Fall verbessert sich die Bilanz und die Aktie des Unternehmens wird dadurch für viele Anleger attraktiver, was wiederum zu einer Kurssteigerung führen kann.

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