Oldtimer kaufen: So finden Sie günstig das perfekte Modell

Zuletzt aktualisiert am 11.04.2018

Porsche 911er, VW Käfer oder doch lieber ein Mercedes SL? Der Markt für Oldtimer in Deutschland ist groß, rund 350.000 Modelle mit dem begehrten „H-Kennzeichen“ sind hierzulande gemeldet. Kein Wunder, steigen viele der alten Fahrzeuge doch kontinuierlich im Wert und sind zudem ein ganz besonderes Hobby. Doch bei aller Nostalgie und Liebe zu den Autos sollten Sie beim Oldtimer kaufen möglichst strukturiert und zielgerichtet vorgehen.

Inhaltsverzeichnis

    Bevor Sie Oldtimer-Autos kaufen, sollten Sie sich einen guten Überblick über den Markt verschaffen – denn der ist groß. Zwar gelten per Definition alle Autos als Oldtimer, die älter als 30 Jahre sind, doch die praktischen Unterschiede zwischen den Fahrzeugen sind enorm.

    So finden Sie den richtigen Oldtimer

    Um die Fülle an Fahrzeugen unterscheiden zu können, sind für Oldtimer international weitere Klassifikationen auf Basis des genauen Produktionsdatums gebräuchlich. Hiermit eng verbunden sind sowohl optische Merkmale der Fahrzeuge als auch deren Preis, die Häufigkeit und nicht zuletzt die Wartungsintensität. Ein Blick auf die Klassen des Automobilverbands FIA:

    Baujahr bis 1904

    In die Kategorie „Accestor Vehicles“ fallen antike Fahrzeuge, die zu den ersten gehören, die überhaupt auf den Straßen fuhren. Sie haben wenig mit heutigen Autos gemeinsam und sind extrem selten. Sofern diese Oldtimer überhaupt noch fahrtüchtig sind, finden sie sich meist als Ausstellungsstück im Museum.

    Diese Fahrzeuge sind nicht zum Kauf geeignet.

    Baujahr zwischen 1905 und 1918

    Schon etwas häufiger sind die „Veteran Vehicles“, die um den ersten Weltkrieg herum gebaut wurden. Sie besitzen teilweise schon ein recht rudimentäres Dach und komfortable Ledersitze. Aufgrund der niedrigen Geschwindigkeiten, die diese Oldtimer erreichen können, werden sie meist nur zu speziellen Anlässen wie etwa Oldtimer-Shows gefahren.

    Nur in seltenen Ausnahmefällen haben Sie die Möglichkeit, solch ein Fahrzeug zu kaufen.

    Baujahr zwischen 1919 und 1930

    Einen wirklichen Markt gibt es erst für Fahrzeuge, die nach dem ersten Weltkrieg gebaut worden sind. Und auch hier ist das Angebot enorm gering, der Preis der Vehikel entsprechend hoch. Wer ein solches „Vintage Vehicle“ kaufen möchte, zahlt – in gutem Zustande – meist einen sechsstelligen Preis. Denn die Fahrzeuge sind enorm selten, zudem ist die Wartung extrem zeitaufwendig.

    Geeignet sind diese Oldtimer, wenn Sie ein echter Autoliebhaber sind, viel technisches Verständnis mitbringen und Ihr Budget für den Autokauf sechsstellig ist.

    Baujahr zwischen 1931 und 1945

    Sogenannte „Post Vintage Vehicles“ sind ebenfalls eine echte Rarität, dürfen aber auch heute noch auf deutschen Straßen gefahren werden. Sie erreichen Geschwindigkeiten von 50 bis 80 Kilometern pro Stunde, doch das ist zweitrangig. Denn die Oldtimer versprühen ein ganz besonderes Flair, weil sie in den damaligen Zeiten wohlhabenden Personen vorbehalten waren.

    Auch die Post Vintage Vehicles sind für wahre Liebhaber geeignet, die bereit sind, entsprechende Preise zu zahlen.

    Baujahr zwischen 1946 und 1960

    Die „Post War Vehicles“ erinnern dann mehr und mehr an die Formen heutiger Fahrzeuge. Weg von der kantigen Limousine der 1940er Jahre gibt es hier schon erste, sportlichere Modelle mit deutlich verbesserter Aerodynamik.

    Weil die Fahrzeuge wartungsintensiv sind, eignen sie sich für Hobby-Schrauber, die auf der Suche nach einem stilvollen „Sonntags-Auto“ sind.

    Baujahr zwischen 1961 und 1970

    In diese Zeitspanne fällt unter anderem das Urmodell des weltberühmten „Porsche 911ers“. Doch nicht nur Porsche, auch Mercedes brachte mit seinem SL ein deutlich sportlicheres Auto auf den Markt. Entsprechend größer wird die Auswahl für Oldtimer-Liebhaber. Zudem finden sich aus dieser Zeit schon viele Modelle, die preislich im unteren, fünfstelligen Bereich angesiedelt sind.

    Wer es sportlicher mag, ist in den 1960er Jahren gut aufgehoben.

    Baujahr 1971 bis Fahrzeugalter von 30 Jahren

    Die FIA listet alle Autos noch als Oldtimer, die höchstens 30 Jahre alt sind. In dieser Kategorie finden sich echte Klassiker wie der Alpha Romeo Spider oder der Opel Rekord. Auch preislich bietet sich Autonarren nochmal deutlich mehr Spielraum, unter Umständen werden sie schon für unter 10.000 Euro fündig.

    Jüngere Oldtimer sind deutlich weniger wartungsintensiv als ältere Modelle und bedingen zudem einen etwas geringeren Kapitaleinsatz.

    Youngtimer

    Die letzte Kategorie der FIA sind sogenannte „Youngtimer“. Sie stehen kurz davor, auch als „Oldtimer“ gelistet zu werden, weil sie bereits 25 Jahre alt sind. Oft steigt der Wert dieser Fahrzeuge stark an, weil die Fahrzeuge aktuell noch kein H-Kennzeichen erhalten und relativ stark verbreitet sind. Mit zunehmendem Alter der Modelle wird das Angebot dann aber knapper, der Preis zieht dementsprechend an.

    Youngtimer können eine gute Wertanlage sein und dienen meist als wenig wartungsintensives Einstiegsmodell.

    Wert eines Oldtimers

    Zeitwert, Verkaufswert, Liebhaberpreis – auf dem Oldtimer-Markt jonglieren viele Käufer und Verkäufer mit verschiedensten Preisdefinitionen. Doch davon können Sie sich getrost verabschieden, denn auch Oldtimer-Preise regulieren sich ganz einfach über Angebot und Nachfrage. So bestimmen Sie den Wert Ihres Wunschmodells:

    1. In Online-Tools können Sie Ihr Traumauto und den gewünschten Zustand eintragen. Binnen Sekunden erhalten Sie den groben Marktpreis.
    2. Mit diesem Wissen im Hinterkopf suchen Sie anschließend bekannte Automobilportale auf.
    3. Schauen Sie sich hier genau an, wie viel Geld die Händler für Autos in den bereits vorgestellten Zustands-Kategorien verlangen.

    Schon nach kurzer Recherche wissen Sie, wie teuer das Auto in welcher Zustandskategorie ist. Denken Sie zudem noch einmal daran, dass Sie bei der Bewertung des Fahrzeugs unbedingt einen Blick auf die Preise der Ersatzteile werfen sollten. Sonst warten bei der ersten Reparatur böse Überraschungen auf Sie.

    Die beliebtesten Modelle

    Jedes Jahr veröffentlicht der Verband der Automobilindustrie (VDA) eine Liste mit den Oldtimern, die in Deutschland am stärksten verbreitet sind. Die Rangfolge:

    1. VW Käfer
    2. Mercedes W 123
    3. Mercedes SL R 107
    4. Porsche 911/912
    5. VW Bus

    Mit Ausnahme des Porsche 911er bewegen sich alle Modelle noch in einem moderaten Preisrahmen. So kostet ein gut erhaltener SL, der rund 30 Jahre alt ist, zwischen 20.000 und 30.000 Euro. Für diese Investition erhalten Sie ein Fahrzeug, das für einen Oldtimer wenig wartungsanfällig ist und sich ideal für entspannte Sonntags-Touren eignet. Zumal der SL oftmals über ein abnehmbares Faltdach verfügt und als Cabrio verwendet werden kann.

    Doch obwohl die genannten Oldtimer am stärksten verbreitet sind, gelten andere Hersteller und Fahrzeuge als deutlich beliebter, gerade bei echten Autoliebhabern. Neben dem Porsche 911er ist der rustikale, laute Ford Mustang eines der auffälligsten Modelle. Auch alte Corvettes versprühen ein außergewöhnliches Flair und erregen ohne Zweifel eine gewisse Aufmerksamkeit.

    Kapitalbedarf für Oldtimer

    Die Oldtimer-Preise schwanken zwar von Modell zu Modell, gerade Sportwagen und Cabrios finden Sie aber nur selten für unter 20.000 Euro. Soll es der berühmte Porsche 911er sein, müssen Sie tiefer in die Tasche greifen, dann werden mindestens 35.000 bis 40.000 Euro fällig.

    Welche Kosten kommen beim Kauf auf mich zu?

    Sie können beim Kauf eines alten Fahrzeugs natürlich Geld sparen, indem Sie Abstriche beim Zustand oder dem Wunschmodell machen. Weitestgehend einheitlich sind jedoch die Zusatzkosten, die beispielsweise den Stellplatz betreffen. Haben Sie in Ihrer Garage ausreichend Platz für das Zweit- oder Drittfahrzeug? Falls nicht, müssen Sie einen externen Stellplatz anmieten, denn draußen sollte keines der alten Autos stehen, zu groß ist die Gefahr von Rost.

    Auch die Steuern betragen immer rund 190 Euro pro Jahr, egal ob Sie einen Porsche 911er, eine Corvette oder einen VW Bus fahren. Das gilt jedoch nur, wenn Sie das H-Kennzeichen erhalten, andernfalls ist Ihr Fahrzeug steuerlich kein Oldtimer und wird wie jedes andere Auto auch besteuert.

    Zusätzlich dazu müssen Sie das Fahrzeug natürlich versichern, wobei die Preise je nach Versicherungsunternehmen und Auto stark schwanken. Allerdings sind Oldtimer nur selten in Unfälle verwickelt, zudem werden sie nicht täglich gefahren. Dadurch halten sich die Versicherungskosten im Rahmen. Ganz im Gegensatz zum Spritverbrauch, der deutlich höher ist als bei heutigen, effizienten Autos. Ein alter SL verbraucht schnell zwischen 14 und 15 Liter pro hundert Kilometer – und das bei vergleichsweise ruhiger Fahrweise.

    Oldtimer-Ersatzteile gehen ins Geld

    Jeder Oldtimer braucht früher oder später Ersatzteile, die bei einigen Modellen richtig teuer werden können. Schließlich werden die alten Bauteile heute nicht mehr fabriziert. Und wenn Sie den Wert des Fahrzeugs erhalten möchten, brauchen Sie die originalen Ersatzteile. Informieren Sie sich vor dem Kauf über die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und deren Kosten.

    Oldtimer kaufen

    Sie haben jetzt einen guten Überblick über den aktuellen, deutschen Markt für Oldtimer. Wenn Sie sich wirklich für den Kauf entscheiden, müssen Sie allerdings folgende Aspekte beachten:

    • Fachwissen: Kennen Sie sich gar nicht mit Autos aus, ist der Oldtimer nicht die richtige Wahl für Sie. Denn alle alten Fahrzeuge sind anfällig für Beschädigungen, die Sie unbedingt – zumindest im Kleinen – selbst reparieren sollten. Zudem müssen Sie auch bei der Besichtigung des Autos mögliche Mängel zuverlässig erkennen können, um keinen Fehlkauf zu tätigen.
    • Privat oder Händler: Oftmals finden sich Angebote für Oldtimer von Privatpersonen, die die Autos schon Jahre besitzen. Doch auch Händler haben sich auf die alten Fahrzeuge spezialisiert. Der Vorteil: Die Oldtimer sind meist deutlich besser gepflegt beziehungsweise vor dem Kauf noch einmal überholt worden.
    • Oldtimer-Börsen: Regelmäßig finden sowohl im ländlichen Raum als auch in Städten sogenannte Oldtimer-Börsen Zahlreiche Händler und Autoliebhaber aus ganz Deutschland finden sich hier zusammen, um besondere Exponate zu bestaunen oder selbst einen Oldtimer zu kaufen.
    • Recherche: Vor dem Kauf ist Recherche unerlässlich. Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Preise für Ihr Traumauto und finden Sie heraus, wo sich „beliebte“ Schwachstellen des Fahrzeugs finden lassen.

    So sparen Sie beim Oldtimer-Kauf

    Der Kauf eines Oldtimers kann richtig ins Geld gehen – muss er aber nicht. Legen Sie im ersten Schritt ein Budget fest, das Sie auf gar keinen Fall überschreiten möchten oder können. Erst danach sollten Sie sich auf die Suche nach solchen Fahrzeugen machen, die in den Preisrahmen passen. Sparen können Sie oft, indem Sie sich intensiver mit den Baureihen der Autos befassen. So hat Porsche den 911er beispielsweise auch als 912er mit einfacherer Ausstattung gebaut – das bringt Vorteile beim Preis mit sich.

    „Oldtimer gebraucht kaufen“

    Zugegeben, der Oldtimer ist immer in gebrauchtem Zustand, schließlich ist er mindestens 25 bis 30 Jahre alt. Autokenner unterteilen die Wagen jedoch in insgesamt fünf Klassen:

    • Note 1: Das Auto ist in perfektem Zustand, es sind nur Originalteile verbaut.
    • Note 2: Der Zustand des Fahrzeugs ist gut, alle Teile sind im Original vorhanden.
    • Note 3: Entweder finden sich kleinere Mängel (Kratzer, leicht defekte Innenausstattung) oder es wurden bereits Teile ausgetaucht.
    • Note 4: Das Fahrzeug bedarf definitiv einiger Reparaturen.
    • Note 5: Bevor Liebhaber mit diesem Fahrzeug fahren können, muss es generalüberholt werden.

    Vollkommen klar ist, dass Sie für Fahrzeuge der Stufe Zwei deutlich mehr Geld bezahlen als für das gleiche Modell, das in die fünfte Kategorie eingeteilt wird. Aber: Wenn Sie kein passionierter Schrauber sind, der auch beispielsweise einen Motor reparieren kann, sollte Ihr Oldtimer mindestens in Stufe Drei eingeordnet werden können.

    H-Kennzeichen in Stufe zwei

    Seit der Neuregelung des H-Kennzeichens im Jahr 1997 findet keine direkte Einstufung des Autos mehr durch den TÜV statt. Es gilt aber, dass nur solche Oldtimer ein H-Kennzeichen erhalten, die grundsätzlich der zweiten Kategorie zuzuordnen sind.

    Günstig den Kauf finanzieren

    Finanzierungen sind auch beim Kauf eines Oldtimers möglich. Allerdings bieten nur die wenigsten Händler eine solche Ratenzahlung an, sie möchten das Geld in einer Rate direkt beim Kauf erhalten. Sie können allerdings bei der Bank einen entsprechenden Kredit beantragen, den Sie dann für den Erwerb des Fahrzeugs nutzen.

    Unterschiede zur Finanzierung von Neuwagen ergeben sich insofern, als dass Sie den zweckgebundenen Autokredit meist nur unter Auflagen erhalten. So muss der Bank etwa ein Wertgutachten vorgelegt werden, das dem Oldtimer durch einen unabhängigen Gutachter seinen aktuellen Preis bescheinigt. Erst dann willigt die Bank ein, den meist etwas zinsgünstigeren Autokredit zu vergeben.

    Vor- und Nachteile der Finanzierung

    Bleibt die Frage, ob eine Finanzierung des Oldtimers wirklich sinnvoll ist. Bedenken Sie immer:

    • Luxus: Anders als das normale Auto werden Sie den Oldtimer nicht im Alltag benötigen, sondern als eine Art Hobby verwenden. Solche Luxusgüter per Kredit zu finanzieren ist nur dann ratsam, wenn Sie die Kreditraten wirklich dauerhaft gesichert abbezahlen können.
    • Wertentwicklung: Verkaufen Sie den Oldtimer vor Ablauf des Kredits wieder, sind Sie in gewisser Weise von der Wertentwicklung abhängig. Liegt der Verkaufserlös unterhalb der aktuellen Restschuld, zahlen Sie den Kredit künftig weiter ab, obwohl Sie keinen Oldtimer mehr besitzen.
    • Unterhaltskosten: Bedenken Sie in jedem Fall, dass die Unterhaltskosten nicht mit dem Kredit finanziert werden. Vor allem Reparaturen können hohe Zusatzaufwendungen verursachen, die Sie aus eigener Tasche bezahlen müssen.

    Macht Leasing Sinn?

    Auch das Leasing ist eine Variante, um den Oldtimer zu finanzieren. Allerdings zeigt sich in der Praxis, dass Finanzierungen oft deutlich günstiger sind. Nur, wenn die Leasing-Rate viel geringer ausfällt als eine mögliche Kreditrate und Sie unter allen Umständen eine möglichst geringe Belastung für Ihr Haushaltsbudget erwirken möchte, ist Leasing zu empfehlen.

    Angebote vergleichen

    Elementar wichtig bei der Finanzierung ist, dass Sie die Angebote verschiedener Banken miteinander vergleichen. Denn die Kreditinstitute werden mit unterschiedlichen Zinsvorschlägen auf Ihren Finanzierungswunsch reagieren. Vor dem Hintergrund der hohen, meist fünfstelligen Darlehenssummen kann der Kreditvergleich mehrere hundert Euro im Jahr sparen.

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