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Automaten-Auszahlungs­verbünde: Cash Group & Co.

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 28.07.2016

Die Girocard beziehungsweise die EC-Karte hat für Verbraucher vieles leichter gemacht, da mit ihr die bargeldlose Zahlung in tausenden von Geschäften möglich ist. Und wenn doch einmal Bargeld benötigt wird, kann man mit der Karte am nächsten Bankautomaten Geld abheben. Hier fangen für viele Bankkunden allerdings die Probleme an: Viele Banken und Geldautomaten-Betreiber verlangen hohe Gebühren, wenn mit einer institutsfremden Karte Geld abgehoben wird. Deshalb schlossen sich verschiedene Geldinstitute zu sogenannten Auszahlungsverbünden zusammen, um ihren Kunden ein deutschlandweites Netz an Geldautomaten zu bieten, über das sie kostenlos Bargeld abheben können. Zu den größten Auszahlungsverbünden gehören unter anderem die Cash Group und die Cashpool-Gruppe.

Die Vorgeschichte: Das Geldautomaten-Entgelt

Lange vor den ersten Auszahlungsverbünden galt in Deutschland in Sachen Automaten-Entgelt eine einheitliche Regelung, die von praktisch allen Banken akzeptiert und auch angewandt wurde: Für Verfügungen an institutsfremden Geldautomaten wurde bei Beträgen bis 400 D-Mark eine Gebühr von 4 D-Mark fällig, bei höheren Beträgen lag die Gebühr bei einem Prozent des Auszahlungsbetrags.

Hierbei handelt es sich um Maximalbeträge, die einzelnen Banken konnten also auch niedrigere Beträge verlangen. Hiervon machten vor allem genossenschaftliche Banken und Sparkassen Gebrauch – so berechneten die einzelnen Sparkassen beispielsweise untereinander nur 1,50 D-Mark.

Erstes kostenloses Gehaltskonto kippte einheitliche Gebühren

Dieses System funktionierte relativ reibungslos, bis die Bank für Gemeinwirtschaft in den 1990er Jahren mit einem kostenlosen Gehaltskonto um Kunden warb – zu dieser Zeit noch eine absolute Ausnahme. Entsprechend erfolgreich war die Bank mit diesem Angebot, allerdings verfügte sie nur über ein kleines Netz an Geldautomaten, sodass ihre Kunden häufig an Fremdautomaten Geld abhoben.

Dadurch sahen sich insbesondere die Sparkassen mit ihren zahlreichen Geldautomaten benachteiligt und kündigten 1997 über ihren Dachverband, den Deutschen Sparkassen- und Giroverband, die bisherige Entgelt-Regelung auf. Die Sparkassen erhofften sich, im Rahmen einer neuen Vereinbarung höhere Entgelte verlangen zu können. Nachdem allerdings das Bundeskartellamt Bedenken bezüglich der Neuregelung angemeldet hatte, wurde diese zurückgezogen und es bestand ab da keinerlei Regelung mehr bezüglich der Geldautomaten-Entgelte.

In der Folge zog die Höhe der Entgelte drastisch an – einige Institute verlangten bis zu 10 Euro Gebühren für Fremdverfügungen. Erst 2011 konnten sich die im Bundesverband deutscher Banken organisierten Privatbanken auf eine neue Regelung einigen, laut der maximal ein Geldautomaten-Entgelt von 1,95 Euro anfällt. Die genossenschaftlichen Banken und Sparkassen haben sich dieser Regelung allerdings nicht angeschlossen und verlangen weiterhin höhere Gebühren.

Tipp:Prüfen Sie die Gebühren

Da die Gebühren früher von dem Institut erhoben wurden, das die Karte ausgegeben hatte, waren die Kosten bei einer Bargeldverfügung am Automaten oft nicht ersichtlich. Zwar mussten die Gebühren am Automaten ersichtlich sein, die Listen waren allerdings oft sehr unübersichtlich oder schwer verständlich formuliert. Mit der Neuregelung aus dem Jahr 2011 wurde auch das Abrechnungssystem geändert – die Gebühren werden jetzt direkt vom Betreiber des Automaten erhoben und werden dementsprechend vor der Auszahlung angezeigt. So können Sie sich als Kunde bewusst entscheiden und wissen, wie hoch die Kosten sind, die Ihnen entstehen.

Die Cash Group

Die Cash Group – oft auch falsch „Cashgroup“ geschrieben – entstand als direkte Folge der Kündigung der Höchstentgeltvereinbarung durch den Dachverband der Sparkassen. Die Banken sahen sich in der Folge mit der Tatsache konfrontiert, dass die Sparkassen – die rund die Hälfte der 55.000 Geldautomaten in Deutschland betreiben – für Fremdverfügungen Gebühren in beliebiger Höhe in Rechnung stellen konnten, die Banken diese Gebühren aber aufgrund einer EU-Preisverordnung nicht in voller Höhe an ihre Kunden weitergeben durften.

Entsprechend schlossen sich fünf große Privatbanken 1998 zur Cash Group zusammen: Die Commerzbank, die Deutsche Bank, die Dresdner Bank, die Hypovereinsbank und die Postbank.

Gut zu wissen:Logo der Cash Group zeigt die Gründerbanken

Das Logo der Cash Group zeigt die Ursprünge: Die fünf farbigen Balken stehen jeweils für eine der Gründerbanken.

Die Vereinbarung zwischen den Banken sieht vor, dass Verfügungen an Automaten der Banken für Kunden der anderen Mitgliedsbanken kostenlos sind. Insgesamt betreiben die Banken des Verbunds rund 9.000 Geldautomaten in Deutschland, zudem können Kunden auch an rund 1.300 Shell-Tankstellen kostenlos Geld abheben. Durch Fusionen, Übernahmen und neue Beitritte hat sich die Zusammensetzung der Cash Group seit 1998 deutlich verändert.

Banken in der Cash Group

Zu den Cash-Group-Banken gehören inzwischen (Stand: Juli 2016):

Der Cashpool

Beim Cashpool – der aufgrund der Namensähnlichkeit zur Cash Group auch oft fälschlicherweise Cash Pool geschrieben wird – handelt es sich ebenfalls um einen Auszahlungsverbund. Der Verbund wurde 2000 auf Betreiben der SEB, der Citibank und den Sparda-Banken gegründet und gilt als Zusammenschluss der „kleinen Banken“, da hier vor allem kleinere Privatbanken und einzelne Genossenschaftsbanken zu den Mitgliedern zählen.

Auch dieser Verbund entstand als Folge der Kündigung der Höchstentgeltvereinbarung durch die Sparkassen, zudem waren die kleineren Privatbanken durch die bereits bestehenden Verbünde – Sparkassen-Finanzgruppe, BankCard ServiceNetz der Volks- und Raiffeisenbanken, Cash Group – in Zugzwang geraten, da die Kunden der größeren Banken kostenlos auf ein weitreichendes Netz an Geldautomaten zugreifen konnten. Im Vergleich zu den anderen Verbünden ist das Automaten-Netz von Cashpool mit knapp 3.000 Automaten an rund 2.000 Standorten deutlich kleiner.

Banken im Cashpool

Zu den Cashpool-Banken zählen unter anderem (Stand: Juli 2016):

Die Leistungen von Cash Group und Cashpool

Die Leistungen der jeweiligen Auszahlungsverbünde sind recht schnell erklärt, denn hier steht der Name bereits für die Leistung – Kunden der Mitgliedsbanken können mit ihrer Girocard an Geldautomaten dieser Banken kostenlos Bargeld abheben, ganz unabhängig davon, bei welcher der Banken sie Kunde sind.

Bei der Cash Group ist es darüber hinaus möglich, mit Karten von Sparkonten bei institutsfremden Geldautomaten Geld abzuheben, hier wird allerdings in der Regel eine Gebühr in Höhe von 5,50 Euro fällig. Dieser Service spielt in der Praxis aber nur eine sehr untergeordnete Rolle. Zusätzlich können Kunden der Cash-Group-Banken bei rund 1.300 Shell-Tankstellen kostenlos Geld abheben – das sind immerhin gut zwei Drittel der insgesamt circa 2.000 Shell-Tankstationen in Deutschland.

Zudem bieten beide Verbünde auf ihrer Webseite eine Suchfunktion, mit der sich der nächstgelegene Geldautomat des Verbunds finden lässt. Des Weiteren steht für den Cashpool eine Smartphone-App zur Verfügung, über die sich ebenfalls Automaten ausfindig machen lassen. Die App ist sowohl für Android als auch für iOS erhältlich. Für die Cash Group existieren zwar ähnliche Apps für beide Smartphone-Betriebssysteme, diese werden allerdings nicht offiziell von den Banken der Cash Group vertrieben und funktionieren daher nicht hundertprozentig verlässlich.

Im Vergleich mit anderen Verbünden

Neben der Cash Group und dem Cashpool existieren noch zwei weitere, große Verbünde in Deutschland: Die Sparkassen-Finanzgruppe und das BankCard ServiceNetz.

Verbund Anzahl Geldautomaten in Deutschland (circa)
Sparkassen-Finanzgruppe 25.000
BankCard ServiceNetz 19.000
Cash Group 9.000
Cashpool 3.000

Stand: Juli 2016; Quelle: Angaben der Verbände

Der mit Abstand größte Verbund in Sachen Geldautomaten-Entgelte ist die Sparkassen-Finanzgruppe, zu der sich die deutschen Sparkassen zusammengeschlossen haben. Die Sparkassen betreiben mit über 25.000 Geldautomaten nahezu die Hälfte aller Geldautomaten in Deutschland. Dementsprechend ist der Verbund, was die „Netzabdeckung“ angeht, sehr gut aufgestellt – in praktisch jeder Stadt und jedem Dorf findet sich eine Sparkasse mit einem Geldautomaten.

Auch das BankCard ServiceNetz der Volks- und Raiffeisenbanken ist mit circa 19.000 Automaten sehr groß, allerdings können Kunden hier nicht überall kostenlos Geld abheben – gelegentlich wird lediglich eine geringere Gebühr verlangt. Einige der Mitgliedsbanken übernehmen diese Kosten jedoch für ihre Kunden, sodass diese tatsächlich kostenfrei das gesamte Servicenetz nutzen können.

Mit etwa 9.000 Automaten landet die Cash Group auf Platz drei der größten Verbünde. Trotz der deutlich geringeren Zahl an Automaten ist bei der Cash Group dennoch eine sehr gute Abdeckung gewährleistet. In ländlichen Gebieten müssen Kunden allerdings auch einmal etwas längere Wege in Kauf nehmen, wenn sie einen Geldautomaten des Verbunds nutzen wollen.

Der Cashpool verfügt über ein Netz aus lediglich 2.900 Geldautomaten, die zudem auch regional stark konzentriert sind, während andere Gegenden kaum abgedeckt werden. Zwei Extrembeispiele sind hier die Stadt Nürnberg, in der sich 20 Geldautomaten des Verbunds befinden, und die Insel Sylt, von der aus sich der nächstgelegene Automat im 70 Kilometer entfernten Flensburg befindet. Zusätzlich eingeschränkt wird das Netz durch etwa 160 Automaten, die auf Firmen- oder anderen Privatgeländen liegen und daher nicht öffentlich zugänglich sind.

Lohnen sich Cash Group und Cashpool?

Inwieweit es sich für Sie als Kunden lohnt, eine Bank auszuwählen, die zu einem der beiden Verbünde gehört, hängt maßgeblich davon ab, wie häufig Sie die Geldautomaten anderer Banken nutzen. Natürlich klingt es erst einmal verlockend, mit dem Sparkassen-Verbund die Möglichkeit zu haben, an über 25.000 Geldautomaten kostenlos Geld abheben zu können. Wenn Sie aber nur sehr selten in Deutschland unterwegs sind, werden Sie auch nur sehr selten Gebrauch von dieser Möglichkeit machen.

Dementsprechend sollten bei der Auswahl des Girokontos andere Faktoren ausschlaggebend sein. Insbesondere Kontoführungsgebühren und die Zinsen für eine Überziehung des Kontos innerhalb des Disporahmens sind hier wichtig – und gerade in diesen Bereichen schneiden die Sparkassen häufig schlecht ab. Diese Kriterien sollten Sie ebenso bei den Angeboten der Cashpool- und Cash-Group-Banken anlegen. Schauen Sie sich die Konditionen genau an und überlegen Sie, welche davon für Sie besonders wichtig sind und welche Sie eher vernachlässigen können.

Grundsätzlich wichtig sind natürlich die Kontoführungsgebühren, denn diese fallen immer an, ganz unabhängig davon, wo und wie Sie Ihr Konto nutzen. Die Zinsen für den Dispokredit sind vor allem dann wichtig, wenn Sie den Kredit öfter in Anspruch nehmen, beispielsweise, weil das Geld zum Monatsende etwas knapp wird. Je nach Zinssatz können hier schnell höhere Kosten entstehen als bei einer einmaligen Bargeldverfügung an einem fremden Geldautomaten. Sind Sie dagegen häufig und auch über längere Zeit unterwegs, bietet ein großes Netz an Geldautomaten, das Sie kostenlos nutzen können, unbestreitbar Vorteile.

Wie so oft ist also auch die Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Auszahlungsverbund eine Frage der individuellen Situation und der persönlichen Ansprüche.

Cash Group und Cashpool im Ausland

Sowohl Cash-Group- als auch Cashpool-Banken kooperieren mit bestimmten Banken im Ausland, sodass Kunden dieser Banken auch im Ausland kostenlos Geld abheben können. Diese Kooperationen gelten allerdings nicht immer für Kunden aller Banken des Verbunds, zudem sind sie auf wenige ausländische Banken beziehungsweise Länder beschränkt.

Insgesamt bieten beide Verbünde den Kunden im Ausland also kaum Vorteile. Bei der Cash Group können Kunden der HypoVereinsbank beispielsweise Geldautomaten der Bank Austria, der UniCredit Italien und der UniCredit Rumänien nutzen, zudem stehen die Geldautomaten der Deutschen Bank in Italien und Spanien den Kunden anderer Cash-Group-Mitglieder offen. Ein flächendeckendes Netz an Automaten, die kostenlos genutzt werden können, existiert aber weder innerhalb der EU noch weltweit.

Gut zu wissen:Welche Folgen hat es, wenn meine Bank aus dem Verbund austritt?

Tritt die Bank, bei der Sie Kunde sind, aus einem Auszahlungsverbund aus, hat das zunächst einmal ganz naheliegende Folgen: Sie können die Automaten des Verbunds nicht mehr kostenlos nutzen.

Sofern die Nutzung der Geldautomaten des Verbunds Bestandteil Ihres Vertrags ist, muss die Bank Sie in jedem Fall über diese Umstellung informieren – in der Regel wird sie dies aber auch dann tun, wenn die Nutzung der Automaten nicht explizit im Vertrag geregelt ist. Grundsätzlich würde Ihnen wahrscheinlich in ersterem Fall auch ein Sonderkündigungsrecht zustehen, da Sie Girokonten aber grundsätzlich jederzeit und ohne Einhaltung einer Frist kündigen können, ist ein Sonderkündigungsrecht hier gar nicht erforderlich.

Achten Sie bei einer Kündigung des Kontos aber darauf, Ihrem Arbeitgeber die neue Bankverbindung mitzuteilen und eventuell bestehende Daueraufträge umzustellen. Zudem sollten Sie Versicherungen, Mobilfunkanbieter und andere Personen und Firmen mit einer Einzugsermächtigung über den Wechsel informieren.

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