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Restschuldversicherung bei der Baufinanzierung – wichtig oder überflüssig?

Autor: Prof. Dr. Steffen Sebastian - Zuletzt aktualisiert am 14.09.2016

In der Finanz-Kolumne äußert sich Prof. Dr. Steffen Sebastian objektiv und kritisch zu Finanzthemen. Lesen Sie diesmal seine Meinung zu Restschuldversicherungen. Diese Policen bieten vor allem bei Baufinanzierungen Schutz vor Zahlungsausfällen - sie sind aber meist auch sehr teuer. Lohnt sich der Abschluss oder nicht?

Expertenmeinung von Prof. Dr. Steffen Sebastian

Prof. Dr. Steffen Sebastian

Prof. Dr. Steffen Sebastian ist Verfasser dieser Kolumne

"Der Kauf einer selbstgenutzten Immobilie ist eine riskante Investition, die über Jahrzehnte das Budget einer Familie belastet. Ist die Entscheidung erst einmal getroffen, gibt es kaum eine Möglichkeit, die laufenden Kosten aus der Finanzierung zu reduzieren. Ungeplante Ereignisse, wie beispielsweise die Arbeitslosigkeit eines Elternteils,  können dann schnell zu existenziellen Schwierigkeiten führen. Beispielsweise ist bei dauerhaftem Ausfall eines Gehalts durch Tod oder Berufsunfähigkeit die Familie oftmals gezwungen, das Eigenheim zu verkaufen.

In derartigen Situationen sollen dann sogenannte Restschuldversicherungen eingreifen. Durch die Zahlungen der Versicherung sollen bei Arbeitslosigkeit, Berufsunfähigkeit oder Tod die Kreditraten weiter geleistet werden. Im Prinzip ist dies sehr sinnvoll.

Aber zum einen reicht dies nicht, um die Familie wirklich finanziell abzusichern. Zum anderen ist die Umsetzung der Restschuldversicherung im Detail mit vielen Fallstricken behaftet.

Existenzielle Risiken absichern

Sehr vorausschauende Eltern haben sich schon zum Zeitpunkt der Familiengründung gegen derartige Risiken abgesichert. Insbesondere ist dies wichtig, wenn einer der beiden Eltern den wesentlichen Teil des gemeinsamen Einkommens verdient.  Denn falls der Hauptverdiener ausfällt, sind nicht nur die Raten für das Eigenheim zu entrichten, sondern auch der Rest des Lebensunterhalts muss abgedeckt sein. Es nutzt wenig, wenn zwar die Finanzierung der Immobilie gesichert ist, aber die Immobilie trotzdem verkauft werden muss, um die laufenden Ausgaben zu decken. Statt dem Abschluss einer Restschuldversicherung sind Familien daher gut beraten, existenzielle Risiken umfassend zu prüfen und abzusichern.

Dennoch wird beim Abschluss einer Baufinanzierung gerne eine Restschuldversicherung mit angeboten. Aus der Sicht der Bank oder des Finanzberaters ist dies immer sinnvoll, da eine zusätzliche Provision verdient werden kann. Zudem mindert sich für die Bank noch das Risiko, ohne dass gleichzeitig die Zinsen gesenkt werden müssen.

Oftmals haben die angebotenen Versicherungen aber entscheidende Lücken. Beispielsweise wird bei Arbeitslosigkeit nur für eine kurze Zeit von circa einem Jahr gezahlt. Die Berufsunfähigkeit ist in der Regel nur dann umfassend abgesichert, wenn die Versicherungsnehmer zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses kerngesund sind. Manchmal sind sogar die Zahlungen im Todesfall eingeschränkt.

Die Versicherungsbedingungen müssen daher sehr genau geprüft werden. Auf die „Beratung“ durch den Vermittler der Versicherung sollte man sich besser nicht verlassen.

Kosten-Leistungsverhältnis prüfen

Ein wesentlicher Grund gegen viele Restschuldversicherungen ist jedoch schlicht der Preis. In vielen Fällen steht die Höhe der Prämie in keinem Verhältnis zur Leistung. Falls man sich tatsächlich zum Abschluss einer Restschuldversicherung entschließt, sollten in jedem Fall die Prämien und Bedingungen verschiedener Anbieter verglichen werden.

Eine Restschuldversicherung kann aber immer nur ein kleiner Teil der Finanzplanung sein. Meist ist es sinnvoller, den Kauf der selbstgenutzten Immobilie zum Anlass zu nehmen, die finanzielle Absicherung im Falle von Arbeitslosigkeit, Tod oder Berufsunfähigkeit umfassend zu prüfen. Hierbei sollte auch die Altersvorsorge mit einbezogen werden. Denn es ist wenig sinnvoll, zwar im Todesfall gut versichert zu sein, nicht aber für den Erlebensfall vorgesorgt zu haben.

Leider wird man aber vielfach feststellen müssen, dass die Absicherung des aktuellen Lebensstandards gegen alle möglichen Risiken sehr teuer wird und dass man sich dies zusätzlich zu den Kosten der Immobilienfinanzierung nicht leisten kann. Dies allein sollte aber niemanden vom Kauf einer selbstgenutzten Immobilie abhalten. Dann sollte vielmehr zum einen der Lebensstandard auf einem niedrigeren Niveau abgesichert werden. Zum andern ist es sinnvoll, sich darüber im Klaren zu sein, welche Konsequenzen damit verbunden sind, wenn – durch welches Ereignis auch immer – ein Großteil des Einkommens wegfällt. Dann ist man zwar auch nicht gegen alle Risikofälle des Lebens umfassend abgesichert. Aber man ist wenigstens gut vorbereitet."

Zur Person

Prof. Dr. Steffen Sebastian ist Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung (Real Estate Finance) an der IRE|BS International Real Estate Business School und Direktor am Center of Finance der Universität Regensburg. Außerdem ist Professor Sebastian Mitherausgeber des European Journal of Real Estate Research und des German Journal of Property Research.

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