Aktien: Gefragte Form der Geldanlage

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 05.12.2016

Aktien sind Anteile einer Aktiengesellschaft, mit deren Hilfe sich die Gesellschaft mehr Eigenkapital beschaffen kann. Aktien werden danach unterschieden, welche Rechte die Aktionäre haben und wie die Aktien übertragen werden können. Aktien sind Anteilsscheine. Als solche verbriefen sie Rechte und Ansprüche der Anteilseigener, also der Aktionäre.

Rechtliche Grundlage:Aktiengesetz (AktG)

Die rechtliche Grundlage für den Aktienhandel in Deutschland bildet das Aktiengesetz (AktG). Darin werden sowohl die Gründung von Aktiengesellschaften als auch deren Verfassung, Rechnungslegung oder die regelmäßigen Hauptversammlungen geregelt. Im Aktiengesetz werden alle Rechte sowie die Pflichten der Aktien ausgebenden Unternehmen definiert.

Wer kann Aktien ausgeben?

Aktien können von Unternehmen gekauft werden, die als Aktiengesellschaft gegründet werden. Diese Unternehmen geben die Aktien aus. Dabei spricht man von Aktienemission. Handelt es sich um eine Eigenemission, platziert das Unternehmen die Wertpapiere direkt bei seinen Anlegern.

Bei einer Fremdemission werden die Aktien über ein sogenanntes Emissionskonsortium ausgegeben. Das Konsortium besteht aus erfahrenen Spezialisten aus Banken oder Unternehmen, welche die Aktienemission begleiten. Für diese Arbeit erhebt das Konsortium Gebühren, wodurch Fremdemissionen in der Regel teurer sind als Eigenemissionen.

Die Ausgabe der Aktien kann heute noch in Papierform erfolgen. In diesem Fall erhalten Aktionäre eine gedruckte Aktie. Daher stammt auch der Begriff „Wertpapier“.

Möglich ist ebenfalls, dass Zwischenscheine vergeben werden. Dabei handelt es sich um ein Dokument, das das Bezugsrecht auf eine Aktie festhält. Nachdem die Aktien ausgestellt wurden, wird der Bezugsschein durch das Wertpapier ersetzt.

Aktienhandel an der Börse

Aktien werden an Börsen gehandelt. Dabei handelt es sich um Marktplätze für Wertpapiere, die weltweit existieren. Die bekannteste Börse in Deutschland ist die Frankfurter Börse.

Handelt es sich jedoch um Aktiengesellschaften mit feststehenden Eignern, werden deren Wertpapiere nicht öffentlich an Börsen gehandelt.

So entsteht der Wert einer Aktie

Vor der Erstemission einer Aktie wird deren Nennwert von der Aktiengesellschaft festgelegt. Der Nennwert muss sich auf das gezeichnete Kapital der Gesellschaft beziehen. Nach der Ausgabe der Aktie richtet sich der Aktienkurs nach Angebot und Nachfrage.

Je stärker eine Aktie nachgefragt wird und desto weniger Aktien eines Unternehmens vorhanden sind, desto stärker wird die Aktie steigen.

Der Aktienkurs kann durch Unternehmensmeldungen stark beeinflusst werden. So führen Gewinnwarnungen oder drohende Insolvenzen häufig zu einem Sturz des Aktienkurses. Dieser Kursrückgang wird dann dadurch verursacht, dass viele Aktionäre ihre Unternehmensanteile verkaufen.

Kann ein Unternehmen im Gegenzug sehr positive Prognosen liefern oder ist ein hoher Gewinn absehbar, wird die Aktie attraktiver für Aktienhändler und ihr Preis steigt.

Gut zu wissen:Orderbuch als Grundlage

An der Börse sammeln Börsenmakler alle Anträge auf Kauf oder Verkauf von Aktien in einem sogenannten „Orderbuch“.  Dieses Buch ist in der Regel für alle Handelsteilnehmer einsehbar. Sie können daran ablesen, wie sich Nachfrage und Angebot entwickeln werden. Das Orderbuch spielt auch bei der Aktienemission eine Rolle. Dort wird jeder Zeichner mit dem von ihm gezeichneten Betrag aufgeführt.

Rechte und Pflichten eines Aktionärs

Jeder, der Aktien an einem Unternehmen erwirbt, ist ein Aktionär. Mit dem Kauf einer Aktie hat der Aktionär bestimmte Rechte erworben.

  • Stimmrecht bei Hauptversammlungen (abhängig vom Ausgabetyp der Aktie)
    Aktionäre können über die Weiterentwicklung oder Investitionen der Aktiengesellschaft mitentscheiden.
  • Recht auf Dividendenzahlung der Aktiengesellschaft
    Die Aktiengesellschaft ist zur Zahlung einer Dividende verpflichtet. Der Aktionär kann auch auf dieses Recht verzichten.
  • Recht auf Auskunft zur Unternehmenssituation und -entwicklung
    Die Aktiengesellschaft muss ihren Aktionären immer ausführlich darlegen, wie sich das Unternehmen entwickelt und wie die finanzielle Situation ist.

Die Pflichten von Aktionären sind schnell aufgeführt. So müssen Aktionäre die von ihnen georderten Firmenanteile auch bezahlen. Darüber hinaus dürfen sie als Anteilseigner nichts unternehmen, was der Aktiengesellschaft Schaden zufügen könnte.

Gut zu wissen:Wie wird mit Aktien Geld verdient?

Aktionäre können mit Aktien Geld verdienen, indem sie die Wertpapiere zum Nennwert kaufen und sie verkaufen, wenn der Aktienkurs deutlich gestiegen ist.

Vor- und Nachteile

Vorteile Nachteile
Vielfältige Anlagemöglichkeiten Nur an der Börse handelbar
Hohe Verzinsung möglich Hohes Verlustrisiko
Für Privatpersonen möglich Nur mit Fachkenntnis empfehlenswert

Anfänger im Aktienhandel sollten sich zunächst auf wenige Werte fokussieren oder in Fonds investieren. Weniger sinnvoll ist es, nur auf eine Aktie zu setzen. Empfehlenswert ist der Aktienhandel für Verbraucher, die über einen längeren Zeitraum auf Kapital verzichten können.

Wie kauft man Aktien?

Der Kauf von Aktien erfolgt über ein Aktiendepot. Ein solches Depot können Verbraucher bei ihrer Hausbank oder einer anderen Bank anlegen. Aktiendepots können in der Regel online geführt werden.

Um Aktien zu kaufen, werden nach der Depoteröffnung Wertpapierkennnummer (WKN), Handelsort, Aktienmenge und Limit benötigt. Unterstützung beim Aktienkauf können z.B. Online-Broker liefern. Sie übernehmen den Aktienhandel im Auftrag eines Kunden.

Sowohl für das Depot als auch für den Broker müssen Sie Gebühren einplanen.

Arten von Aktien

Stammaktien Stammaktien sind Wertpapiere, deren Inhaber bei Hauptversammlungen volles Stimmrecht besitzen.
Vorzugsaktien Bei dieser Aktienform genießen die Inhaber Vorzüge einer höheren Dividende. Dafür verzichten sie in der Regel auf ihr Stimmrecht bei Aktionärsversammlungen.
Inhaberaktien Bei einer Inhaberaktie werden die Rechte des Inhabers wie der Anspruch auf eine Dividende oder ein Stimmrecht ausschließlich an den Aktienkauf gekoppelt und nicht an einen Namen. Der Vorteil der Inhaberaktien besteht somit darin, dass sie einfach übertragen werden können.
Namensaktien Bei Namensaktien muss der Inhaber der Aktie im Aktienregister eingetragen sein, um als Aktionär zu gelten.
Vinkulierte Namensaktie Bei vinkulierten Namensaktien muss der Inhaber der Aktie im Register aufgenommen sein. Bei einer Übertragung von vinkulierten Namensaktien müssen die übrigen Aktionäre zustimmen.
Nennwertaktien (Nennbetragsaktien) Nennwertaktien oder auch Nennbetragsaktien verfügen über einen festen Wert, Nennwert genannt. Aus der Anzahl der ausgegebenen Nennwertaktien setzt sich das Grundkapital einer Aktiengesellschaft zusammen. Gemäß § 8, Absatz 2 des Aktiengesetzes muss der Nennwert einer Aktie mindestens einen Euro betragen.
Stückaktien (Quotenaktie) Eine Stückaktie hat im Gegensatz zur Nennbetragsaktie keinen festen Wert, sondern das Grundkapital wird anteilig auf die Stückaktien verteilt. Nach § 8, Absatz 3 des Aktiengesetzes dürfen Stückaktien nicht weniger als einen Euro wert sein. Liegt der Wert darunter, sind sie nichtig.
Verbundaktien Bei einer Verbundaktie erhalten die Inhaber ein Stimm- und Dividendenrecht von Gesellschaften, deren Firmensitz und Steuersitz voneinander getrennt sind.
Junge Aktien Als junge Aktien werden Aktien bezeichnet, die im Rahmen einer Kapitalerhöhung neu ausgegeben werden. Inhaber älterer Aktien der Gesellschaft haben ein Vorzugsrecht. Nehmen sie dies nicht wahr, werden die jungen Aktien an der Börse gehandelt. Sobald die jungen Aktien die gleichen Dividenden wie alte Aktien erzielen, werden sie im Börsenverkehr nicht mehr gesondert behandelt.
Alte Aktien Sobald eine Aktiengesellschaft neue Aktien herausgibt, werden die vorhandenen Aktien zu „alten Aktien“, weil ihre Dividendenberechtigungen höher ausfallen.

Unternehmen können unterschiedliche Arten von Aktien an die Aktionäre ausgeben und die Aktienausgabe hinsichtlich Stimmrecht oder Unternehmensanteil kontrollieren. Mischformen der Aktien sind ebenfalls möglich.

Aktiendepots

Aktiendepots sind die Voraussetzungen zum Handel mit Aktien. Sie werden bei einem Kreditinstitut eröffnet und können direkt online geführt werden. Aktiendepots finden sich am besten über einen Vergleich unterschiedlicher Anbieter. Es ist sehr einfach, ein Depot zu eröffnen.

Handel in Deutschland

Der bekannteste Börsenplatz in Deutschland ist die Frankfurter Börse. Doch auch über den Standort Frankfurt hinaus werden in Deutschland Aktien gehandelt. So ist die Börse Stuttgart Deutschlands zweitwichtigster Börsenplatz. Weitere Börsen gibt es in Hamburg und Hannover sowie in Berlin. Regionalbörsen finden sich auch in München und Düsseldorf.

Im Jahr 2012 gab es rund 12.000 Aktiengesellschaften in Deutschland mit einem Grundkapital von mehr als 175 Milliarden Euro. Weltweit wurden 2014 Aktien im Wert von 45 Billionen US-Dollar gehalten. 

Exkurs: Wie Aktien damals entstanden

Die Geschichte der Aktie beginnt in den Niederlanden, als 1602 das erste Wertpapier der „Verenigden Oost-Indischen Compagnie“ ausgegeben wurde. Die ersten Aktien waren Namensaktien. Die jeweiligen Aktionäre wurden in einem Register geführt. Das Besondere an den ersten Aktien: Die Auszahlung der Dividende erfolgte in der Regel in Naturalien, also in Gewürzen oder Edelmetallen.

Im Zuge der Industrialisierung gewann der Aktienhandel neue Bedeutung. So konnten sich Unternehmen dadurch mit frischem Kapital versorgen und in neue Maschinen investieren. In Deutschland hatte der Aktienhandel mit der Reichsgründung 1870/1871 seinen ersten Boom. Allerdings ebbte die Nachfrage nach hohen Verlusten erst einmal wieder ab. Mit einem ersten Börsengesetz wurden Anleger zum Ende des 19. Jahrhunderts schließlich besser geschützt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm der Aktienhandel wieder Fahrt auf, wurde jedoch zwei Mal durch Weltkriege jäh unterbrochen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war schließlich Siemens das erste Unternehmen, das seinen Anteilseignern wieder eine Dividende zahlen konnte.

Einen deutlichen Schub bekam der Aktienhandel in den 2000er-Jahren, als Unternehmen wie die Deutsche Post an die Börse gingen. Damals sprach man von der sogenannten „Volksaktie“, mit der „Otto-Normalverbraucher“ hierzulande in den Börsenhandel einstiegen. Einen ersten Dämpfer erhielt die Euphorie jedoch mit der geplatzten Dotcom-Blase. Heute ist der Aktienhandel immer noch von der Bankenkrise und Eurokrise betroffen.

Im Gegensatz zu früher sorgen Digitalisierung und Globalisierung für noch stärkere Kursschwankungen und somit auch -verluste. Der Handel an den Börsen erfolgt teilweise in Millisekunden nur noch automatisiert und beruht auf der Berechnung von Algorithmen.

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