Vorzugsaktien: Wann bekommen Sie ein Stimmrecht?

Zuletzt aktualisiert am 13.04.2017

Vorzugsaktien sind bei Anlegern beliebt, die an einer rein finanziellen Unternehmensbeteiligung interessiert sind. Statt einem Stimmrecht gibt es für Aktionäre eine höhere Dividende. So können Unternehmen einfach das Eigenkapital aufstocken, ohne dafür Mitbestimmungsrechte abgeben zu müssen. Was Vorzugsaktien noch ausmacht und wie Aktieninhaber damit dennoch ein Stimmrecht erhalten können, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Inhaltsverzeichnis

    Eine Vorzugsaktie gilt häufig als Gegenstück zur Stammaktie. Während Aktionäre mit Stammaktien in der Regel nicht nur Anteile an einem Unternehmen erwerben, sondern auch ein Stimmrecht bei der Aktionärsversammlung erhalten, gibt es bei Vorzugsaktien lediglich eine höhere Dividende.

    Was sind Vorzugsaktien?

    Das Besondere an einer Vorzugsaktie ist demnach, dass das Wertpapier zwar Firmenanteile enthält, jedoch ohne Mitbestimmungsrecht ausgestattet ist. Vorzugsaktien werden wie Stammaktien auch bei einer Kapitalerhöhung einer Aktiengesellschaft ausgegeben und an der Börse gehandelt. Die Kurse von Vorzugsaktien sind bei der jeweiligen Börse zu finden. Ebenso informieren Börseninformationsdienste über die Kursentwicklung von Vorzugsaktien.

    Gemäß Paragraph 139 des deutschen Aktiengesetzes dürfen Vorzugsaktien maximal 50 Prozent des Grundkapitals einer Aktiengesellschaft ausmachen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass mindestens die Hälfte der Aktionäre ein Mitspracherecht besitzt.

    Wandelbare und herkömmliche Vorzugsaktie

    Bei einer wandelbaren Vorzugsaktie handelt es sich um eine Aktie, die zu einem vereinbarten Zeitpunkt in eine Stammaktie umgewandelt werden kann. Wandelbare Vorzugsaktien werden zum Beispiel von Unternehmen ausgegeben, um einen besonderen Anreiz für den Aktienkauf zu schaffen, der zugleich frisches Kapital bringt, aber vorläufig keine Mitbestimmungsrechte vergibt.

    Wandelbare Vorzugsaktien können in der Regel durch eine Auszahlung des Liquidationserlöses oder durch eine Umwandlung in Stammaktien getauscht werden. Werden Vorzugsaktien in Stammaktien getauscht, entspricht das meist einer indirekten Erhöhung des Stammkapitals.

    Kumulative Vorzugsaktie

    Eine kumulative Vorzugsaktie hat alle Charakteristika der herkömmlichen Vorzugsaktien. Sie beinhaltet darüber hinaus das Recht auf einen Dividendenanspruch, auch wenn ein Unternehmen Verluste macht oder der Unternehmensgewinn nicht zur vollständigen Befriedigung der garantierten Dividendenzahlung ausreicht.

    Die Aktiengesellschaft ist in diesem Fall verpflichtet, die Dividende in den Folgejahren an den Inhaber der kumulativen Vorzugsaktie auszuzahlen, wenn der Gewinn es erlaubt. Reichen die Gewinne nicht zur vollständigen Tilgung des Dividendenanspruchs im folgenden Jahr, muss die Vorzugsaktie ohne Stimmrecht in eine Stammaktie mit Stimmrecht umgewandelt werden.

    Die Umwandlung gilt so lange, bis die garantierten Dividendenzahlungen ausgeglichen sind. Grundlage hierfür liefert Paragraph 140 des Aktiengesetzes. Gemäß dem deutschen Aktiengesetz sind Vorzugsaktien immer dann kumulativ, wenn die zugesicherten Dividenden von einem Unternehmen nicht gezahlt wurden.

    Vorteile

    Der Vorteil der kumulativen Vorzugsaktie besteht darin, dass der Aktionär auch in Verlustjahren seinen Dividendenanspruch behält und die Aktiengesellschaft zur Nachzahlung verpflichtet ist. Nachteilig an dieser Version ist, dass sich die Vorzugsaktien in Stammaktien umwandeln, bis der Anspruch befriedigt ist. Wenn sich der Aktienkurs des Unternehmens jedoch nicht besser entwickelt, machen Aktionäre trotz kumulativer Vorzugsaktie Verluste.

    Weitere Varianten

    Die Vorzugsaktie in Deutschland unterliegt relativ strengen Reglementierungen. In anderen Ländern gibt es noch weitere Varianten der Vorzugsaktie:

    • Limitierte Vorzugsaktien: Bei dieser Form wird die Vorzugsdividende auf einen bestimmten Betrag festgelegt. Liegt der Gewinn darüber, wird er nur unter den Stammaktionären verteilt. Aktionäre mit Vorzugsaktien haben keinen weiteren Anspruch auf eine Gewinnauszahlung.
    • Aktien mit Vorabdividende: In diesem Fall erhalten die Aktionäre von Vorzugsaktien im Vorfeld einen festen Dividendensatz in Form einer Auszahlung. Anschließend wird die Dividende ausgezahlt. Verbleibt vom Unternehmensgewinn noch ein Rest, wird dieses Kapital gleichmäßig an alle Aktionäre ausgeschüttet.
    • Aktien mit Überdividende: Bei dieser Form der Vorzugsaktie wird festgelegt, dass die Dividende grundsätzlich höher ist als bei Aktionären von Stammaktien.
    • Vorzugsaktien mit Mehrfachstimmrecht: Vorzugsaktien müssen nicht immer ohne Stimmrecht auskommen. In anderen Ländern ist es zum Beispiel möglich, dass der Vorzug bei Vorzugsaktien gerade in einem besonderen Stimmrecht oder sogar Mehrfachstimmrecht besteht. In Deutschland sind derartige Vorzugsaktien jedoch gemäß dem Aktiengesetz nicht gestattet.

    Vorzugsaktien und Stammaktien

    Für Privatanleger sind Stammaktien und Vorzugsaktien gleichermaßen interessant. Beide Aktienformen bieten dabei sowohl Vor- als auch Nachteile. Allgemein unterscheiden sich Vorzugsaktien von Stammaktien dadurch, dass Sie als Aktionär mit Stammaktien ein Stimmrecht bei der Hauptversammlung erhalten. Im Gegenzug haben Aktionäre mit Vorzugsaktien kein Stimmrecht, dafür erhalten sie eine höhere Dividende.

    Theoretisch müssen beide Aktien gleich viel wert sein, da sie das Eigenkapital einer Aktiengesellschaft in gleichen Teilen bilden.

    Kann jedoch keine Dividende gezahlt werden und ist die Bevorzugung der Vorzugsaktionäre nicht möglich, greift Paragraph 140 des Aktiengesetzes und die Vorzugsaktien müssen in Stammaktien umgewandelt werden.

    Für Aktionäre ergibt sich daraus, dass sie dann ein Stimmrecht erhalten und auf der Hauptversammlung mit abstimmen dürfen. Zugleich erhöht sich die Chance, dass die Aktien im Falle einer bevorstehenden Übernahme im Kurs steigen, da sich das übernehmende Unternehmen möglichst viele Stimmrechte sichern möchte.

    Umwandlung von Vorzugsaktien in Stammaktien

    Im Zuge des Abgasskandals musste der VW-Konzern Milliardensummen zurückstellen. Infolgedessen wurde im Jahr 2015 keine Dividende an die Aktionäre gezahlt. Somit haben die Aktionäre mit Vorzugsaktien das Recht erhalten, dass die Dividende im folgenden Jahr ausgeglichen werden muss. Wenn nun kein Ausgleich erfolgt, sieht das Aktiengesetz vor, dass Vorzugsaktien in Stammaktien umgewandelt werden. 2017 könnten dann alle Vorzugsaktien zu Stammaktien werden.

    Das passiert bei einem Aktiensplit

    Wenn sich ein Unternehmen zu einem Aktiensplit entscheidet, werden Vorzugs- und Stammaktien gleichmäßig gesplittet. Alle Aktionäre müssen zu gleichen Teilen an einem Aktiensplit beteiligt werden, damit niemand Nachteile erhält. In welchem Verhältnis die Aktien gesplittet werden, wird dabei durch das Verhältnis von Stamm- zu Vorzugsaktien bestimmt.

    Verschmelzung von Stamm- und Vorzugsaktien

    Aktiengesellschaften können auf der Hauptversammlung beschließen, dass Vorzugsaktien zu Stammaktien werden und so beide Aktiengattungen miteinander verschmelzen. Eine solche Verschmelzung hat zum Beispiel der Fresenius-Konzern im Jahr 2010 durchgeführt.

    Ziel einer Verschmelzung für Unternehmen kann es sein, leichter handelbare Wertpapiere auszugeben und attraktiver für Anleger zu werden. Zugleich sind die Unternehmen mit einem höheren Anteil an Stammaktien nicht so stark an die Auszahlung einer bestimmten Dividendenhöhe gebunden und das Kapital ist flexibler verfügbar.

    Mit einer Aktienverschmelzung können Unternehmen sich darüber hinaus auf die Aufnahme in einen Aktienindex oder für eine Übernahme vorbereiten.

    Für Aktionäre kann eine Verschmelzung ebenfalls von Vorteil sein. So erhalten sie mit Stammaktien nicht nur ein Stimmrecht, sondern können in größerem Maße vom Unternehmenswachstum durch steigende Kurse profitieren.

    Chancen

    Gegenüber anderen Aktiengattungen können Vorzugsaktien Vorteile sowohl für Unternehmen als auch für Aktionäre bringen.

    Für Aktionäre

    • Ausschüttung: Durch den Verzicht auf ein Stimmrecht erhalten Aktionäre eine höhere Gewinnausschüttung in Form einer höheren Dividende. Handelt es sich um eine kumulative Vorzugsaktie, ist die Dividendenzahlung auch bei Verlusten des Unternehmens garantiert.
    • Mehr Sicherheit: Mit Vorzugsaktien sind Anleger weniger an die Kursentwicklung gebunden. Zudem werden sie im Falle einer Liquidation des Unternehmens bevorzugt.

    Für Unternehmen

    • Familienunternehmen: Diese Unternehmen können von der Ausgabe von Vorzugsaktien profitieren, da trotz Kapitalerhöhung keine Verschiebung der Mehrheitsverhältnisse erfolgt.
    • Schutz bei Übernahmeversuchen: Da Vorzugsaktien ohne Stimmrecht ausgegeben werden, sind diese Aktien bei einer Übernahme für andere Unternehmen weniger attraktiv.
    • Finanzierungsmöglichkeit bei niedrigem Aktienkurs: Vorzugsaktien können als Anreiz für Anleger genutzt werden, wenn der Börsenkurs des Unternehmens niedrig ist. Die Aktionäre erhalten zum Ausgleich eine höhere Gewinnbeteiligung über die Dividende.

    Risiken

    Der große Nachteil von Vorzugsaktien besteht darin, dass Anleger nicht profitieren, wenn das Unternehmen unerwartet hohe Gewinne erzielt. Denn die Dividendenzahlung ist im Voraus festgelegt und nicht vom Gewinn abhängig.

    Das Risiko bei der Geldanlage in Vorzugsaktien ist jedoch deutlich geringer als bei Stammaktien. So werden Verluste durch die garantierte Dividendenzahlung ausgeglichen. Selbst bei der Liquidation einer Aktiengesellschaft werden Aktionäre mit Vorzugsaktien vor den Stammaktionären bevorzugt.

    Dennoch gilt auch bei Vorzugsaktien wie bei allen Aktien, dass ein Totalverlust möglich ist. Ein solcher Verlust kann zum Beispiel dann entstehen, wenn Vorzugsaktien in Stammaktien umgewandelt werden müssen und das Unternehmen anschließend insolvent wird.

    Vorzugsaktien kaufen

    Vorzugsaktien können Sie als Anleger direkt an der jeweiligen Börse kaufen. Der Kauf erfolgt in der Regel über Ihr Depot, dass Sie bei einer ausgewählten Bank haben. Im Internet gibt es zahlreiche Portale, die zeigen, welche Firmen Vorzugsaktien anbieten. Ihre depotführende Bank verfügt ebenfalls über Informationen zu Unternehmen, die Vorzugsaktien ausgeben.

    Beim Kauf von Vorzugsaktien liegt der Kurs in der Regel ein wenig unter den Stammaktien. Anleger sollten dabei darauf achten, welche Rechte die Vorzugsaktie einräumt. Dabei kann es sich zum Beispiel um das Nachbezugsrecht handeln, bei dem ein Recht auf Nachzahlung der Dividende bei einem Ausfall besteht. Darüber hinaus sollten Anleger die Höhe der garantierten Dividendenzahlung berücksichtigen.

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