Cash-Pooling: Liquiditätsbündelung mit zahlreichen Vorteilen für Unternehmen

Zuletzt aktualisiert am 25.10.2018

Wenn Unternehmen eines Konzerns sich an einem Cash-Pool beteiligen, legen sie ihre Bankkonten zusammen und lassen diese über ein Masterkonto verwalten. Dadurch wird Liquidität gebündelt, wodurch die beteiligten Firmen bei der Kapitalbeschaffung sowie der Kapitalanlage deutliche Vorteile nutzen können. Cash-Pooling ist sowohl auf nationaler Ebene mit Tochtergesellschaften innerhalb eines Landes als auch grenzüberschreitend möglich.

Inhaltsverzeichnis

    Stellen Sie sich vor, in Ihrer Familie würden Sie alle Konten zusammenlegen und in einem einzigen Konto bündeln. Dabei werden alle Einkünfte und Ausgaben der einzelnen Familienmitglieder berücksichtigt und tag genau mit dem Masterkonto verrechnet.

    Sie selbst haben ein Girokonto, das mit 1.000 Euro im Minus ist. Beteiligt sind noch drei andere Familienmitglieder mit jeweils 500 Euro im Plus. Nun werden alle Konten mit positiven und negativen Salden gebündelt und auf dem Master-Konto sind nun 500 Euro als Guthaben. Auf diese Weise müssen Sie keine Überziehungszinsen mehr bezahlen und als Familie sparen Sie so wertvolles Geld.

    Ähnlich ist Cash-Pooling auch bei Konzernen. Ein Konzern besteht zum Beispiel aus vier einzelnen Gesellschaften. Täglich wechseln die Banksalden der Gesellschaften. Eine Gesellschaft hat zum Beispiel einen negativen Saldo von zwei Millionen Euro, während die anderen Gesellschaften am Ende des Tages mit je 800.000 Euro im Plus sind. Nun können die Konzerngesellschaften vereinbaren, dass alle Banksalden im Rahmen eines Cash-Poolings zusammengelegt werden. Der Gesamtsaldo an diesem Tag wäre auf einem Master-Konto nun 400.000 Euro. Der Vorteil dieser Methode besteht darin, dass sich das Unternehmen mit negativem Saldo die teuren Zinsen spart. Insgesamt hat der Konzern so weniger Kosten.

    Ein Cash-Pooling-Vertrag regelt dann, wie hoch die Zinsen ausfallen, die innerhalb des Cash-Pools von den Unternehmen mit negativen Salden an die Unternehmen mit Guthaben gezahlt werden.

    Auch bei positiven Salden hat das Cash-Pooling einen Vorteil. So legen alle Tochtergesellschaften eines Konzerns zusammen und verfügen im Cash-Pool somit über mehr Kapital. Diese kann gewinnbringender an der Börse eingesetzt oder für einen Kredit mit noch niedrigeren Zinsen verwendet werden. Wenn Sie stattdessen für private Zwecke einen Kredit aufnehmen möchten, führen Sie am besten einen Kreditvergleich durch.

    Cash-Pooling im Konzern

    Cash-Pooling wird in der Regel immer dann angewendet, wenn ein Konzern seine Liquidität bündeln möchte, um Kosten zu sparen. Diese Kostenersparnis wird entweder durch geringere Kreditkosten erzielt oder durch höhere Zinseinnahmen.

    Voraussetzung für Cash-Pooling ist immer ein entsprechender Vertrag, der zwischen den beteiligten Konzerngesellschaften geschlossen wird. Darin werden die Konditionen aufgeführt, zu welchen die Salden der Gesellschaften mit einem Master-Konto verrechnet werden. Dieses Master-Konto wird üblicherweise von einer Holding geführt.

    Cash-Pooling im Konzern

    Unterschiedliche Formen des Cash-Poolings

    Cash-Pooling kann auf unterschiedliche Weise realisiert werden.

    • Effektives oder physisches Cash-Pooling:
      Beim effektiven Cash-Pooling wird der Saldo jedes beteiligten Unternehmens auf ein sogenanntes „Master-Konto“ übertragen. Dieses Konto wird in der Regel von einer eigenen Holding geführt. Benötigt ein Unternehmen aus dem Cash-Pool dann liquide Mittel, kann es diese aus dem Master-Konto erhalten. Das Guthaben auf dem Master-Konto wird in der Regel am Kapitalmarkt gelistet oder es wird mit Krediten gedeckt. Bestehen dann Forderungen gegenüber dem Cash-Pool, ist die Holding verantwortlich. Effektives Cash-Pooling wird auch „CashConcentration“ genannt.

    Zero Balancing

    Gerade bei der Kreditaufnahme im Rahmen von Cash-Pooling-Systemen kommt das sogenannte „Zero Balancing“ zum Einsatz. Dabei werden die Ursprungskonten zu einem festgelegten Zeitpunkt wieder komplett ausgeglichen. Zugleich profitieren alle Beteiligten bei dieser Methode von den Zinsvorteilen durch die Kapitalkonzentration sowohl bei der Kreditaufnahme als auch bei der Geldanlage. Möglich ist auch eine Abwandlung in Form des „Target Balancing“. Dann müssen die Konten bis zu einem bestimmen Sockelbetrag aufgefüllt werden. Der Kontenausgleich erfolgt in der Regel pro Werktag.

    • Virtuelles Cash-Pooling
      Beim virtuellen oder unechten Cash-Pooling werden die Salden zwischen der Holding mit einem Masterkonto und den Cash-Pool-Teilnehmern nur fiktiv gegengerechnet. Es werden dabei lediglich die Salden kompensiert und nur die Zinsen werden mit dem Hauptkonto verrechnet. Auf diese Weise werden die Soll und Habenzinsen der Bank berechnet, die den Cash-Pool betreibt. Mit Hilfe des unechten Cash-Poolings können in der Regel höhere Habenzinsen oder bei Krediten geringere Sollzinsen miteinander vereinbart werden. 
    • Hybrides Cash-Pooling
      Wird hybrides Cash-Pooling vereinbart, kombinieren die teilnehmenden Akteure echtes und unechtes Cash-Pooling miteinander. Diese Methode findet überwiegend dann Anwendung, wenn unterschiedliche Währungen innerhalb des Cash-Pools verwendet werden. So erfolgt zum Beispiel der Ausgleich der jeweiligen Banksalden nur in Euro und physisch, während Ursprungskonten in anderen Währungen nur im Rahmen von virtuellem Cash-Pooling verwaltet werden.

    Grundregeln

    Damit Cash-Pooling rechtskonform und gerecht vollzogen werden kann, müssen verschiedene Regeln beachtet werden.

    • Ausgewogenheit: Zum einen sollte der für die Liquiditätsbündelung erforderliche Vertrag für die Vertragspartner ausgewogen sein. Das gilt sowohl für das Verhältnis der Vertragspartner zur Bank als auch zwischen den einzelnen Gesellschaften des Cash-Pools.
    • Transparenz: Der Cash-Pool muss für alle Beteiligten transparent geführt werden. Hierzu gehören regelmäßige Berichte sowie Einsicht in die Zahlen durch alle Gesellschaften des Cash-Pools.
    • Limits: Alle am Cash-Pool beteiligten Unternehmen benötigen feste Kreditlimits sowie feste Kreditkonditionen, die kontinuierlich an den Bedarf angepasst werden.
    • Rechtlicher Rahmen: Jeder Cash-Pool benötigt einen festen rechtlichen Rahmen. Diese Konditionen müssen im Voraus genau fixiert werden.
    • Fremdvergleichsgrundsatz: Wird ein Cash-Pool angelegt und darin finden grenzüberschreitende Transaktionen statt, müssen diese zwischen den Gesellschaftern so ablaufen, als wären es zwei voneinander unabhängige Dritte. Dieses Prinzip wird auch „Arm’s length principle“, kurz ALP, genannt.

    Vorteile und Risiken von Cash-Pooling

    Die Vorteile des Cash-Poolings betreffen insbesondere das große Einsparpotential, das mit dieser Methode verbunden ist:

    • Die Aufnahme von Fremdkapital kann deutlich verringert werden, indem interne liquide Mittel des Cash-Pools verwendet werden.
    • Durch die Bündelung der Liquidität mehrerer Unternehmen müssen diese bei Kapitalbedarf nicht mehr so häufig auf Bankkredite zurückgreifen.
    • Bei der Verzinsung von Geldanlagen profitieren Cash-Pools von höheren Einnahmen, da das angelegte Kapital dadurch steigt.
    • An einem Cash-Pool beteiligte Unternehmen profitieren bei der Kreditaufnahme von günstigeren Zinsen, da mehr Eigenkapital vorhanden ist.
    • Aufgenommene Kredite werden meist günstiger, da es nur eines zentralen Kreditmanagements bedarf.
    • Konzerne erhalten schneller einen Überblick über die vorhandene Liquidität, da das Kapital gebündelt ist.
    • Die Liquidität kann nach der Zusammenführung bedarfsgerecht unter den teilnehmenden Unternehmen verteilt werden.

    Zu den Risiken eines Cash-Pools gehören folgende Aspekte:

    • Der gesamte Cash-Pool muss mit höherer Expertise und Know-how überwacht und kontrolliert werden.
    • Es besteht eine erhöhte Gefahr sogenannter „abstrakter Gefährdungsdelikte“, wenn eine Insolvenz zum Beispiel durch Verheimlichung von Buchhaltungsunterlagen nicht angemeldet wird.
    • Die Tochtergesellschaften eines Konzerns können durch Cash-Pooling ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit verlieren.
    • Mit dem Cash-Pool steigt das sogenannte „Klumpenrisiko“. Damit ist gemeint, dass sich durch das Zusammenführen mehrerer Unternehmen mit den jeweiligen Ausfallrisiken das Gesamtausfallrisiko signifikant erhöhen kann.
    • Im Rahmen der Insolvenzanfechtung können Gläubiger gegenüber dem Cash-Pool Forderungen geltend machen, die nur ein Unternehmen des Pools betreffen. Ein solcher Fall kann zum Beispiel dann entstehen, wenn ein Unternehmen aus dem Cash-Pool den Konzern verlässt und insolvent wird. Innerhalb einer gewissen Zeitspanne können dann alle am Cash-Pooling teilnehmenden Unternehmen mit herangezogen werden.

    Steuerliche Sicht

    Beim Cash-Pooling müssen steuerliche Aspekte beachtet werden, denn abhängig von der jeweiligen Liquidität und der zu zahlenden Zinsen sind letztlich die Steuern, die ein Unternehmen an den Staat abführen muss. Gerade bei grenzüberschreitendem Cash-Pooling können höhere Quellensteuern dazu führen, dass das Cash-Pooling-System keinen finanziellen Vorteil mehr einbringt.

    Beim Cash-Pooling muss vor allem bei der Wahl der einzelnen Cash-Pooling-Formen die Bilanzierung beachtet werden. So werden die Bankguthaben und -verbindlichkeiten in der Bilanz beim effektiven Pooling zum Konzernguthaben beziehungsweise zu Konzernverbindlichkeiten gegenüber der Holding, die auch „Master-Company“ genannt wird.

    Beim fiktiven Cash-Pooling entstehen keine tatsächlichen Konzernforderungen oder -verbindlichkeiten. Dementsprechend werden weiterhin Bankguthaben oder -forderungen bilanziert.

    Einmal monatlich Spartipps und News:

    Newsletter abonnieren und gratis PDF erhalten!