CFD Trading: Hebelgeschäfte mit Derivaten

Zuletzt aktualisiert am 29.05.2017

Die sinkenden Zinsen bei traditionellen Anlageprodukten wie Festgeld oder Anleihen führen dazu, dass Anleger sich vermehrt auf Aktion fokussieren. Sie versprechen eine deutlich höhere Rendite, sind aber auch mit einem höheren Risiko verbunden. Noch größere Gewinne können Derivate bieten.

Inhaltsverzeichnis

    Hierzu zählen zum Beispiel auch CFDs. Sie bieten Anlegern die Möglichkeit mit Hebeln aus geringen Einsätzen hohe Erlöse zu erzielen. Allerdings ist diese hochspekulative Geldanlage auch mit einem unbegrenzten Verlustrisiko verbunden.

    Basics des CFD Handels

    Die Abkürzung CFD steht für „Contracts of Difference“, auf Deutsch „Differenzkontrakte“. Ein anderer Begriff lautet auch „Equity Swaps“. Dabei handelt es sich um Finanzderivate: Anleger erwerben keine Anteile an einem Unternehmen wie bei Aktien, sondern Forderungen gegenüber einem CFD-Vertragspartner.

    Bei einem CFD wird mit der Differenz zwischen einem Einstiegspunkt und einem Ausstiegspunkt gehandelt. Dabei profitieren Anleger von Kursbewegungen von Aktienindizes, Währungen, Rohstoffen oder Aktien.

    Die jeweiligen CFDs können dann von steigenden oder fallenden Kursen des Basiswerts profitieren.

    • Setzen Anleger auf steigende Kurse, wird von „Long-CFD“ oder „Long-Position“ gesprochen oder sie „gehen long“.
    • Setzen die Anleger auf fallende Kurse, wird von „Short-CFD“ oder „Short Position“ gesprochen oder sie „gehen short“.

    Die Anleger spekulieren somit auf eine Kurssteigerung oder eine Kurssenkung von Wertpapieren. Sie verdienen letztlich an der Differenz zwischen Einstiegskurs und Verkaufswert zum Zeitpunkt des Ausstiegs. Die Laufzeit von CFDs ist unbegrenzt.

    Außerbörslich gehandelt

    CFDs werden zu großen Teilen außerhalb der Börsen gehandelt. Sie können nicht über die Börse erworben werden. Dabei wird vom sogenannten „Over-the-counter-Handel“ (OTC) gesprochen.

    Diese Handelsplätze sind nicht vergleichbar mit Börsenplätzen, da sie deutlich weniger organisiert oder reglementiert werden. Es besteht beim CFD Trading auch keine Handelsaufsicht wie zum Beispiel die Handelsüberwachungsstelle (HÜSt) in Deutschland.

    Der CFD-Handel erfolgt über sogenannte Broker der Market Maker. Sie geben Verkaufs- oder Ankaufskurse für CFDs vor und bestimmen die Handelskonditionen. Darüber hinaus nehmen die Broker Kauf- oder Verkaufsaufträge für CFDs an.

    CFDs auf alle möglichen Anlageklassen möglich

    CFDs können für Aktien ebenso wie für Aktienindizes, Rohstoffe, Edelmetalle oder Währungen sowie auf Zinsen oder Futures geschlossen werden. Dabei haben Anleger die Möglichkeit, auf die Veränderung von Basiswerten in allen Anlageklassen weltweit zu setzen.

    Je nach Broker sind weit über 1.000 verschiedene Basiswerte handelbar.

    Mögliche Basiswerte:

    Aktien Diese CFDs beziehen sich auf die Kursentwicklung spezifischer Aktien. Dabei können Anleger in der Regel auf die Kurse von allen an der Börse gehandelten Aktien wetten.
    Währungen Mit diesen CFDs zielen Anleger auf steigende oder fallende Währungen ab.
    Futures Dabei handelt es sich um CFDs, die auf die Preisentwicklung von Termingeschäften wetten.
    Rohstoffe In diesem Fall hängt die Entwicklung des Zertifikats von steigenden oder fallenden Preisen für Rohstoffe ab.
    Indizes Damit können Anleger auf die Kursentwicklung von Aktienindizes wie dem DAX, dem Dow Jones oder dem Nikkei spekulieren.

    Seit den 1990er-Jahren im Derivatehandel vertreten

    Mit CFDs wird schon seit den 1990er-Jahren gehandelt. Damals waren vor allem institutionelle Anleger im Geschäft aktiv. Die Einführung der CFDs erfolgte in London schon in den 1980er-Jahren.

    Investmentbanker hatten damit vorrangig zum Ziel, eine Steuer zu umgehen. CFD-Trading fand danach außerdem im Interbankenhandel bei Handelsgeschäften zwischen einzelnen Kreditinstituten statt. Hier dienen die CFDs bis heute als Absicherung von anderen Anlageprodukten.

    Heute können CFDs auch von Privatanlegern über Broker gehandelt werden. CFD Trading ist in Deutschland seit dem Einstieg der Postbank in den Derivatehandel für Privatkunden attraktiver geworden.

    Seither hat sich der Markt für CFDs deutlich entwickelt und bietet für risikoreiche Anleger vielfältige Möglichkeiten zur Finanzspekulation.

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    CFD Trading: So handeln Sie

    Beim CFD Trading sind Anleger immer an den jeweiligen Broker gebunden. Broker sind die Schnittstelle zwischen den handelbaren Basiswerten und dem Kunden. Sie nehmen An- und Verkaufswünsche entgegen, legen die Konditionen sowie die Kurse fest.

    Die CFDs beziehen sich dabei immer auf den sogenannten „Basiswert“. Dabei handelt es sich um ein bestimmtes Anlageprodukt, das zu Beginn des Geschäfts einen bestimmten Kurs hat.

    Anleger kaufen dabei eine Short Position und setzen auf einen fallenden Kurs im Verhältnis zum Einstiegskurs oder sie erwerben Zertifikate mit der Long Position und setzen damit auf steigende Kurse. Für den Kauf von CFDs hinterlegen sie dabei eine Sicherheitsleistung, die „Margin“ genannt wird.

    Die Broker

    Broker für CFDs können Banken oder andere Finanzdienstleister sein. Die CFDs können in der Regel über eigene Software oder bei einem Online-Broker erworben werden.

    Gebühren

    Auf den Handel mit CFDs werden Gebühren erhoben. Sie umfassen folgende Positionen:

    • Transaktionskosten
      Wenn Sie CFDs kaufen oder verkaufen, fallen in der Regel Transaktionsgebühren beim jeweiligen Broker an.
    • Finanzierungskosten
      Wenn Sie ein CFD über Nacht halten, kann Ihnen der Broker hierfür Finanzierungskosten berechnen. Im Gegenzug erhalten Sie Finanzierungserlöse, wenn sie einen CFD verkaufen.
    • Währungsrisiken
      Werden CFDs in Fremdwährung erworben, können durch den Währungstausch zusätzliche Kosten entstehen. Außerdem besteht dann ein Währungsrisiko.
    • Depotverwaltung
      Je nach Anbieter können Kosten für die Verwaltung eines CFD-Depots entstehen.

    Der Wert eines CFDs

    Der Gewinn aus einem CFD ergibt sich aus der Differenz von Einstiegskurs und Ausstiegskurs. Sie wird auch Spread genannt. Der Broker zahlt dem Anleger dann diese Differenz aus. Dabei muss der Anleger die Richtung der Kursentwicklung voraussagen.

    Das Besondere am CFD Trading sind Hebeleffekte, die es ermöglichen, mit wenig Kapitaleinsatz hohe Gewinne zu erzielen. Die Hebel können jedoch auch in die andere Richtung ausschlagen, wodurch ein Totalverlust der Anlage bis hin zu Zahlungen darüber hinaus möglich ist.

    Die Hebelwirkung

    Wenn Sie CFDs kaufen, profitieren Sie von der Hebelwirkung der Kontrakte, auch „Leverage-Effekt“ genannt. Letztlich erwerben Sie keine Firmenanteile, sondern hinterlegen mit der Margin eine Sicherheitsleistung für den Kontrakt.

    Je geringer diese Sicherheit ausfällt, desto höher kann der Hebel ausfallen, mit dem Kapital an der Börse bewegt werden kann. Der Hebel bezieht sich dabei auf die Kursänderung des Basiswerts.

    Der Hebel berechnet sich aus der Division von Kapitaleinsatz beim Aktienkauf und dem Kapitaleinsatz für den CFD. Wenn Sie also Aktien im Wert von 10.000 Euro über einen CFD im Wert von 100 Euro kaufen, liegt der Hebel bei 100.

    Rechenbeispiel

    Sie kaufen 100 CFDs einer Aktie zum Preis von 40 Euro. Für diesen Kauf müssen Sie eine Margin von zehn Prozent hinterlegen.

    Der Kapitaleinsatz beträgt somit 400 Euro. Der Gegenwert der Aktien liegt dabei bei 4.000 Euro.

    Der Hebel berechnet sich nun durch 4.000 geteilt durch 400. Er beträgt also 10.

    Unterschiede: CFDs, Aktien und Zertifikate

    1. Aktien und Zertifikate sowie Optionsscheine verfügen in Deutschland über eine Wertpapierkennnummer (WKN) oder bei international gehaltenen Wertpapieren über die „International Securities Identification Number (ISIN)“. CFDs hingegen haben keine derartige Nummer, da sie in erster Linie außerbörslich gehandelt werden.
    2. Während der Wert von Zertifikaten über die Restlaufzeit verändert werden kann, gibt es einen solchen Einfluss bei CFDs nicht.
    3. Der Wert des CFDs wird allein durch die Kursveränderung des Basiswerts beeinflusst.
    4. Im Gegensatz zu Aktien oder Optionen entfällt bei CFDs das Emittentenrisiko.
    5. Aktien werden direkt gekauft, bei CFDs leisten die Anleger eine Sicherheitsleistung. Sie kaufen die Wertpapiere nicht. Bei Zertifikaten bezahlt der Anleger den Preis des Wertpapiers zunächst.
    6. Ein bedeutender Unterschied zu klassischen Wertpapieren besteht bei CFDs darin, dass für deren Handel nur ein vergleichsweise geringer Kapitaleinsatz nötig ist.
    7. Im Gegensatz zu Aktien erwirbt ein CFD Trader keine Anteile an einem Unternehmen, sondern vielmehr Forderungen gegenüber einem Broker. Im Gegensatz zum Aktionär wird der Trader dafür nur an den Kursentwicklungen beteiligt.

    Bei Brokerwechsel keine Mitnahme von CFDs

    Wenn Anleger ihren Broker wechseln, müssen sie ihre gehaltenen Positionen erst einlösen oder auflösen. Ein Wechsel mit Ihren Positionen ist nicht möglich.

    Long oder short gehen?

    Anleger können mit CFDs entweder long oder short gehen: Sie setzen also entweder auf steigende oder auf fallende Kurse. Der Wechsel der Position ist beim CFD Trading jederzeit möglich.

    • Wenn Sie long gehen und die Kurse fallen, verlieren Sie Geld. Wenn die Kurse Ihren Voraussagen entsprechen, können Sie Gewinne erzielen.
    • Wenn Sie short gehen und die Kurse steigen, verlieren Sie Geld. Sinken die Kurse, streichen Sie Gewinne ein.

    Für das Halten der Positionen gibt es keine zeitliche Begrenzung. Allerdings sind die CFD-Geschäfte eher für kurzfristiges Trading geeignet. Dies bedeutet, dass Positionen innerhalb kurzer Zeit gekauft oder verkauft werden.

    Folgendes Beispiel verdeutlicht dies: 

    Ein Trader geht davon aus, dass die Kurse der ABC AG innerhalb kurzer Zeit fallen werden. Demnach geht er short und verkauft 200 Aktien-CFDs der ABC AG. Er leistet eine Margin von 200 Euro.

    Für den Verkauf hat das sogenannte „Stop-Loss“ von zehn Cent über dem Einstiegskurs von zehn Euro gesetzt. Sein Kursziel sind 9,80 Euro.

    Folgende Rechnung ergibt sich dadurch:

    Basiswert Aktien der ABC AG
    Stückzahl 200 CFDs Short
    Einstiegskurs in Euro 10 Euro
    Positionsgröße in Euro 200 × 10 Euro = 2.000 Euro
    Margin in Euro 200 × 10 Euro = 2.000 Euro
    Gewinn, wenn Kursziel erreicht Ausstiegskurs: 9,80 Euro
    (10 Euro - 9,80 Euro) × 200 Euro = 40 Euro
    Verlust, wenn Kursziel überschritten wurde Ausstiegskurs: 10,10 Euro
    (10 Euro - 10,10 Euro) × 200 Euro = -20 Euro

    Kapitaleinsatz und Risiko

    Der Kapitaleinsatz beim CFD Trading ist im Vergleich zum herkömmlichen Aktienkauf in der Regel geringer. So müssen Trader über die Margin lediglich einen Bruchteil des Aktienwerts investieren.

    Üblicherweise wird standardmäßig mit einer Margin von fünf Prozent gehandelt. Wie hoch diese jedoch ausfällt, hängt vom jeweiligen Basiswert ab. Liegt der Marginsatz eines Kontos bei nahezu 100 Prozent, wird die Position in der Regel automatisch geschlossen.

    In diesem Fall kann das Kapital des Anlegers nicht mehr ausreichen, um die Verpflichtungen im Rahmen des CFD zu erfüllen.

    Nachschusspflicht

    Es kann vorkommen, dass sich Kurse sehr negativ entwickeln. In diesem Fall kann der Broker den Trader auffordern, die Sicherheitsleistung zu erhöhen. Dieser Vorgang wird Nachschusspflicht genannt.

    Kommt der Trader seiner Pflicht nicht nach, kann der Broker die entsprechenden Positionen zwangsweise schließen. Dabei wird von „Zwangsglattstellung“ gesprochen.

    Verlustrisiko nicht auf Kapitaleinsatz beschränkt

    Das große Risiko des CFD Trade besteht darin, dass das Verlustrisiko nicht auf den Kapitaleinsatz beschränkt ist. Dies bedeutet, dass sich die Hebelwirkung der Zertifikate auch ins Negative verkehren kann.

    Während bei einem Aktienpaket im schlimmsten Fall ein Totalverlust besteht, kann der Verlust bei einem CFD Trade noch darüber hinausgehen. So haftet der Trader mit seinem gesamten Vermögen für sein Depot.

    Die risikoreiche Spekulation mit CFDs kann im schlimmsten Fall zu einer Verschuldung des Traders führen.

    Gesamtkapital, Margin und freies Kapital

    Als Gesamtkapital wird beim CFD Trading die Summe aus dem freien Kapital sowie dem durch die Margin geblockten Kapital bezeichnet.

    Bei der Margin handelt es sich um die Summe aller Sicherheitsleistungen, die Trader hinterlegt haben. Das freie Kapital hingegen steht für die weitere Auftragsbuchung zur Verfügung.

    Es umfasst auch Gewinne oder Verluste, die noch nicht realisiert wurden ebenso wie Gewinne und Verluste des aktuellen Handelstags.

    Kreditfinanzierung eines CFD-Kontos nicht empfehlenswert

    Durch die immensen Renditechancen durch die Hebelwirkung bei CFDs kommen Anleger in die Versuchung, das CFD-Depot mit Krediten zu finanzieren.

    Liegen Trader mit ihren Kursvoraussagen richtig, können die Kredite schnell getilgt werden. Da jedoch selbst für erfahrene Trader Kursänderungen nicht exakt vorausgesehen werden können, ist das Marktpreisrisiko mit einem kreditfinanzierten CFD Trade in den finanziellen Ruin zu gelangen.

    Dieses Marktpreisrisiko ist durch die hohen Geschwindigkeiten beim computergestützten Finanzhandel jederzeit gegeben und kann sich rapide verschlechtern. So können zum Beispiel Nachrichten aus der Politik oder der Wirtschaft sowie Aussagen von Notenbankern zu völlig unerwarteten Kursausschlägen führen, die sich nicht vorhersagen lassen.

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