Die Gründungsfinanzierung

Zuletzt aktualisiert am 23.10.2018

Nach der Ideenfindung für das neue Geschäftsmodell ist die Finanzierung oftmals die erste gedankliche Hürde für neue Gründer. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken. Verschiedenste Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten können Sie in dieser wichtigen Phase unterstützen.

Inhaltsverzeichnis

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    Ganz gleich, ob Sie sich mit einem Grafikbüro selbstständig machen oder eine technologische Innovation auf den Weltmarkt bringen wollen, am Anfang benötigen alle Gründer dasselbe: Startkapital. Das Kapital jedes Unternehmens setzt sich aus Eigenkapital und Fremdkapital zusammen. Mit dem Eigenkapital bringen Sie Ihr privates Geld in das Unternehmen ein. Fremdkapital wird aus Darlehen, Krediten oder Fördermitteln bezogen.

    Stellen Sie zunächst zusammen mit Ihrem Businessplan einen Kostenplan auf. Sie sollten genau wissen, welche Ausgaben auf Sie und mögliche Investoren zukommen. Je detaillierter die Planung ist, desto leichter wird es Ihnen fallen, Finanzierungsmöglichkeiten auszuschöpfen und Investoren für Ihr Vorhaben zu begeistern.

    Eigenkapital durch Beteiligungen aufstocken

    Die Einbringung von Eigenkapital in Ihre Zukunft ist aus vielen Gründen essentiell. Zunächst rechtfertigt es Ihren Anteil am Unternehmen in Zahlen. Die Höhe des Eigenkapitals sollte bei einer Gründung möglichst nicht unter 20 Prozent liegen. Mit der eigenen Investition zeigen Sie Ihr Vertrauen in das Vorhaben gegenüber Kreditgebern und Investoren. Sie sind bereit, selbst Verantwortung und Risiko für Ihr Unternehmen zu tragen. Eigenkapital gibt Ihnen Liquiditätssicherheit.

    Besonders in der Gründungsphase läuft nicht immer alles nach Plan. Um Forderungen und Aufträgen trotzdem rechtzeitig nachzukommen, hilft ein hohes Eigenkapital.

    Ein zu geringes Eigenkapital ist einer der Hauptgründe, warum ein Kredit seitens der Bank abgelehnt wird. Doch besonders junge Gründer können meist wenig eigenes Geld einbringen.  Hier können Sie verschiedene Eigenkapitalquellen unterstützen:

    • Freunde und Verwandte helfen oft mit kleineren Summen
    • Partner und Gesellschafter können Eigenkapital einbringen, dafür wird jedoch häufig ein Mitspracherecht gefordert
    • Nachrangdarlehen aus Förderprogrammen, wie das „ERP-Kapital für Gründung“
    • Beteiligungsgesellschaften bringen Geld und Know-how in das Unternehmen

    In Deutschland gibt es rund 250 Beteiligungsgesellschaften. Diese privaten oder staatlich finanzierten Gesellschaften stocken Ihre Eigenkapitalsumme auf. Sie kommen besonders für größere Investitionen in Frage und sind daher stark in technologieorientierten Branchen vertreten. Mittelständische Beteiligungsgesellschaften der Länder bieten stille Beteiligungen und verlangen keine Renditen. Sie fordern am Ende der Beteiligungsphase lediglich ihren investierten Betrag zurück. Hier sind bereits Beteiligungssummen ab 20.000 Euro möglich. Einen passenden Kredit, um zusätzlich Kapital aufzubringen, finden Sie am besten über einen Kreditvergleich.

    Private Beteiligungsgesellschaften und Venture-Capital-Gesellschaften bringen viel höhere Summen in ein Unternehmen ein. Sie erwarten angemessene Renditen über mehrere Jahre, bringen jedoch ein hohes Maß an Finanzierungs-Know-how an den Tisch. Besonders beliebt sind auch sogenannte „Business Angels“. Hierbei handelt es sich um Privatinvestoren, also Manager oder Unternehmer, die in Ihre Gründung investieren. Sie investieren nicht nur Geld, sondern beraten junge Unternehmer in betrieblichen Fragen und stellen ihr eigenes Geschäftspartner- und Vertriebsnetz zur Verfügung. Dadurch sind diese Investoren besonders beliebt bei jungen Start-Ups.

    Finanzierung durch Banken- und Gründerkredite

    Um den Gang zur Hausbank kommen Sie als Gründer fast nie umhin. Auch wenn es immer schwieriger wird große Kredite zur Existenzgründung von Hausbanken zu bekommen, benötigen Sie für Ihr Unternehmen ein Geschäftskonto. Jede Bank bietet heute unterschiedliche Konditionen und Finanzierungsangebote an. Investieren Sie Zeit für verschiedene Bankgespräche und vergleichen Sie Online-Angebote. Informieren Sie sich nicht nur über Kontokonditionen, sondern auch gleich über spätere Kreditmöglichkeiten der Bank.

    Kontokorrentkredit für kurzfristige Laufzeiten

    Für das Geschäftskonto können Sie bei fast allen Banken einen Kontokorrentkredit einrichten. Dieser Kredit ist dem bekannten Dispo aus Privatkonten sehr ähnlich. Es handelt sich also um einen Kreditrahmen, den Sie flexibel für Liquiditätsengpässe oder zur Vorfinanzierung von Betriebsmitteln beanspruchen können. Die Laufzeit beträgt meist 1 Jahr und die Faustregel für die Höhe des Kredits ist 1 Monatsumsatz.

    Investitionskredit für mittel- und langfristige Laufzeiten

    Ein Investitionskredit dient der Finanzierung von Anlagen, also Immobilien, Maschinen, Fahrzeugen, etc. Die Laufzeit des Kredits beträgt dabei meist mehrere Jahre und ist abhängig davon, wie hoch Sie Ihre Raten setzen. Die Laufzeit sollte nie länger als die Betriebszeit der Anlage sein. Auch wenn es für die Gründungsphase von Vorteil ist, nur kleinen Ratenforderungen nachkommen zu müssen, verteuert die lange Laufzeit durch die Zinsen den Kredit.

    Geld und Beratung für Vertrauen bei der Hausbank

    Banken wollen Sicherheiten. Die erste Sicherheit, die Sie dabei vorweisen können, ist Ihr Businessplan. Wenn Sie Ihre Pläne detailliert durchdenken und strukturieren, setzen die Banken ihr Vertrauen und somit auch ihr Geld auf Sie.

    Sprechen Sie bei Ihrer Bank mit den wichtigen Ansprechpartnern. Filialleiter und Leiter der Sonderkreditabteilungen sind nicht nur für bestehende Unternehmen, sondern auch für neue Gründer da. Stellen Sie Ihr zukünftiges Unternehmen professionell vor. Gehen Sie erst danach auf Ihr Kreditanliegen ein. Sind die Berater von Ihrer Idee angetan, erstellt die Bank ein sogenanntes Rating. Dabei wird eingeschätzt, ob Sie als zukünftiger Unternehmer Ihren Forderungen nachkommen können. Werden Sie als sicherer Kreditpartner eingestuft, bekommen Sie ein Angebot mit entsprechenden Kreditkonditionen vorgelegt.

    Natürlich verdient die Bank an Ihren Zinszahlungen. Diese fallen jedoch aufgrund der vielen Förderungen relativ gering aus. Die Bank möchte Sie vor allem als langfristigen Partner und erfolgreichen Geschäftsführer sehen. Banken und besonders Ihr persönlicher Berater können also Ihre Verbündeten sein. Gehen Sie mit dieser Einstellung in die Beratungsgespräche. Sparkassen und andere regionale Banken unterstützen Neugründungen gern, denn sie sehen darin die Möglichkeit die lokale Wirtschaftsstruktur zu stärken.

    Ihre Hausbank ist der direkte Ansprechpartner für Förderungen. Sie trägt gemeinsam mit den Förderträgern, wie der KfW, das Risiko. Bereiten Sie sich gut auf Ihre Bankgespräche vor, treten Sie professionell und bedacht auf. Gewinnen Sie Ihren Berater für Ihre Idee, damit Sie einen guten Partner langfristig an Ihrer Seite haben.

    Finanzierung mit Existenzgründungszuschuss

    Haben Sie Ihre Hausbank von Ihrem Unternehmenskonzept überzeugt, ist es nun an der Zeit, Ihre Möglichkeiten für eine Förderung auszuloten. Den Antrag können Sie nicht selbst stellen, das übernimmt Ihre beratende Bank. Es gibt verschiedene Förderprogramme aus Mitteln des Bundes, der Länder, der europäischen Union, der KfW-Bank und dem ERP-Sondervermögen für Gründer und kleine bis mittlere Unternehmen. Die Zusammenarbeit dieser großen Institutionen kann Ihnen geringe Zinsen und lange Laufzeiten, meist sogar mit tilgungsfreier Anlaufzeit bieten. Neben kleinen und großen Darlehen werden auch rückzahlungsfreie Zuschüsse angeboten.

    Für welche Darlehen und Zuschüsse Ihr Gründungsprojekt in Frage kommt, können Sie in der Förderdatenbank des BMWi prüfen. Die KfW bietet auf ihrer Seite genaue Informationen zu ihren Angeboten. Informieren Sie sich vor Ihrem nächsten Banktermin über Ihre möglichen Zuschüsse und besprechen Sie diese ausführlich mit Ihrem Bankberater. Gemeinsam können Sie so die besten Förderungen für Ihr Unternehmen ausarbeiten.

    Kleine Investitionen finanziert durch Mikrokredite

    Im digitalen Wandel finden sich zunehmend Selbstständige oder Freiberufler in Nebentätigkeiten. Die wenigsten können dabei der Bank die notwendigen Sicherheiten für einen Kredit bieten. Eine Lösung für kleine Kredite sind die Mikrokredite des Bundes und der Länder. „Mein Mikrokredit“ ist der Mikrokreditfond mit Geldern des Bundes. Kredite sind bis zu einer Höhe von 20.000 Euro möglich und haben eine Laufzeit von ca. 4 Jahren.

    Der Zinssatz beträgt hier aktuell 7,9 Prozent (Stand Mai 2018). Die Beantragung eines Mikrokredits erfolgt über die Partnerorganisationen des Fonds. Dabei handelt es sich um Gründungszentren oder Unternehmensberatungen. Zusätzlich bietet jedes Bundesland eigene Mikrokreditprogramme für Kleinstgründungen, besonders für Gründungen aus der Arbeitslosigkeit.

    Für kleine Kredite in zeitlich begrenzten Engpässen kommen außerdem Online-Kredite zur freien Verwendung in Frage. Durch das breite Angebot von Anbietern können Sie hier niedrige Zinsen und flexible Laufzeiten vereinbaren. 

    Finanzierung mit Privatkrediten durch Crowdinvesting & Crowdlending

    Im Privaten, wie auch im Gründungs- und Unternehmensbereich, sind Privatkredite über Online-Plattformen seit einigen Jahren ein Trend. Hier stehen keine Bankenfonds dahinter, sondern Privatpersonen, die ihr Geld einfach und unkompliziert anlegen möchten. Anbieter, wie Auxmoney oder Lendico, vermitteln Ihre Kreditanfrage an registrierte Privatinvestoren.

    Finden sich genug Anleger zusammen, kommt der Kredit zustande und wird ausgezahlt. Für diese Kredite benötigen Sie meist keinen Businessplan oder Sicherheiten, dadurch bekommen Sie jedoch oft auch höhere Zinssätze als bei Banken. Mehr Service bieten speziell auf Unternehmensfinanzierung ausgerichtete Plattformen wie fundingcircle an. Inzwischen bieten Crowdlending-Portale für jede Branche und jedes Projekt die richtige Finanzierung. Auf crowdfunding.de finden Sie die richtige Plattform für Crowdlending, Crowdinvesting oder auch Crowdfunding.

    Crowdfunding: Private Spenden für ein großartiges Projekt

    Das Prinzip des Crowdfundings begann bereits 1885 in New York: Der Aufbau der Freiheitsstatue wurde nach dem Börsenkrach von den Bürgern der Stadt finanziert. Für jede noch so kleine Spende bekam der Spender eine Namensnennung in der Zeitung. 70 – 80 Prozent des Geldes waren kleinste Beträge von unter einem Dollar. Auf dem gleichen Prinzip beruht das heutige digitale Crowdfunding.

    Bietet Ihr Projekt einen Mehrwert für die Gesellschaft, stehen die Chancen sehr gut, genügend Geldgeber zu finden. Besonders beliebt sind technologische Innovationen, Umweltprojekte, Bücher und Filme. Anders als bei Crowdlending sind nicht Renditen für die Geldgeber der Anreiz, sondern Prototypen und Erstausgaben des zu finanzierenden Projekts. Es ist also vergleichbar mit einem Vorverkauf. Die international bekannteste Crowdfunding-Plattform ist Kickstarter.

    Für diese Art von Finanzierung sollten Sie bereits einen ausgefeilten Plan, eine Marketingstrategie mit kleinem Werbevideo und einen Prototyp Ihres Produkts in der Tasche haben. Nur so investiert die Crowd in Ihr Projekt.

    Die Gründungsfinanzierung im Überblick

    Noch bevor Sie sich für eine Finanzierungsart entscheiden: Machen Sie einen Plan. Erstellen Sie für Ihr Projekt einen kleinen Businessplan und eine Kostenaufstellung. Schaffen Sie sich zusätzlich einen Überblick über Ihre eigene finanzielle Lage. Wenn Sie wissen, wieviel Fremdkapital für den Start Ihrer Gründung nötig ist, wägen Sie die passende Finanzierungsform ab und gehen mit Ihrer Präsentation in die Tiefe. Lassen Sie sich von mehreren Banken beraten und finden Sie so Ihren geeigneten Kredit und die passenden Förderungen für Ihr neues Unternehmen.

    Im folgenden PDF finden Sie noch einmal alle Finanzierungsmöglichkeiten im Überblick: Finanzierungsmöglichkeiten und Beratungsangebote (PDF)

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