Kontokorrentkredit: Liquiditätsengpässe überbrücken

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 05.12.2016

Unter einem Kontokorrentkredit versteht man eine vertraglich vereinbarte Kreditlinie für ein geschäftliches Girokonto. Eine Inanspruchnahme eignet sich für kurzfristige Zwischenfinanzierungen, wenn sich beispielsweise Zahlungsein- und -ausgänge zeitlich verschieben. Diese Form des Kredits ist sehr flexibel, weil keine festen Rückzahlungsvereinbarungen zu treffen sind und die Rückführung über laufende Eingänge auf dem Konto erfolgt.

Im Begriff Kontokorrent stecken die italienischen Wörter „conto“ für Rechnung und „corrente“ für laufend. Ein Kontokorrent ist also eine Beziehung zwischen Geschäftspartnern, die als Gläubiger und Schuldner ihre wechselseitigen Forderungen und Verbindlichkeiten laufend verrechnen.

Die Bank oder Sparkasse, die dem geschäftlichen Kunden eine Kreditlinie für das Geschäftskonto einräumt, verrechnet bei einem Kontokorrentkredit demnach laufende Zahlungseingänge mit Minussalden des Unternehmens. Die Kontoüberziehung muss daher nicht jedes Mal vereinbart beziehungsweise vertraglich neu geregelt werden.

So steht es im Gesetz:

Der Kontokorrentkredit wird vom Gesetzgeber wie ein reguläres Darlehen im Sinne des § 488 BGB (Vertragstypische Pflichten beim Darlehensvertrag) behandelt. Das heißt, der Darlehensgeber muss den Geldbetrag dem Darlehensnehmer in der vereinbarten Höhe zur Verfügung stellen. Das Darlehen ist in der vertraglich festgelegten Höhe zu verzinsen und kann mit einer Frist von drei Monaten durch den Darlehensgeber gekündigt werden. Ansonsten gelten die vertraglich fixierten Regelungen einschließlich der allgemeinen Geschäftsbedingungen des Kreditinstituts.

Für den Kontokorrentkredit existieren viele Bezeichnungen wie beispielsweise:

Diese begriffliche Gleichsetzung ist allerdings nicht in allen Fällen ganz korrekt, denn diese Kreditarten unterscheiden sich durch ihren Verwendungs- oder Bestimmungszweck.

Im geschäftlichen Umfeld erfolgt die Inanspruchnahme häufig als Betriebsmittelkredit, um die Zeit zwischen Zahlungsausgängen für Löhne und Gehälter und Umsatzeingängen zu überbrücken. Ist ein Kunde mit einer größeren Zahlung über einen längeren Zeitraum – etwa ein oder zwei Monate – im Rückstand, kann ein regulärer Ratenkredit allerdings die sinnvollere Option sein.

Vereinbaren Sie nämlich eine mögliche Sondertilgung von 100 Prozent, können Sie den Kredit mit Zahlungseingang vollständig tilgen. Zwar wird die Bank für das Sondertilgungsrecht einen höheren Zinssatz verlangen, der allerdings in der Regel noch immer unter dem Zinssatz für den Betriebsmittelkredit liegt.

Liquiditätsengpässe entstehen auch bei Unternehmen mit saisonalem Schwerpunkt, bei denen die Produktions- und Verkaufsphase zeitlich auseinanderliegen. Deshalb nennt man den Kredit hier Saisonkredit. Da die Dauer der Inanspruchnahme in der Regel sehr gut abschätzbar ist, bewegen sich die Zinsen häufig deutlich unter dem Niveau anderer Kontokorrentkredite. Für Landwirte ist beispielsweise derzeit ein Zinssatz von vier bis fünf Prozent möglich.

Zwischenkredite dienen der Vor- oder Zwischenfinanzierung von langfristigen Krediten, die noch nicht ausgezahlt wurden. Er wird häufig bei Bauvorhaben genutzt, um beispielsweise das Kapital aus einem Bausparvertrag nutzen zu können, der noch nicht fällig ist. Da die Rückzahlung hier sehr gut abgesichert ist, liegt das Zinsniveau selbst bei längeren Laufzeiten von mehreren Jahren oft nur bei ein bis zwei Prozent.

Der Überziehungskredit für Gewerbetreibende ähnelt dem Dispositionskredit für Privatpersonen. Hier wird dem Kontoinhaber die Überziehung des Kontos ermöglicht, ohne dass das Geld einem bestimmten Verwendungszweck dienen muss.

Da die Rückzahlung gänzlich dem Kreditnehmer überlassen bleibt, verlangt die Bank aufgrund der fehlenden Planungssicherheit meist hohe Zinsen. Zudem werden solche Kredite nur eingeräumt, wenn auf dem Konto regelmäßig Lohn, Gehalt oder entsprechende andere Zahlungen eingehen.

Das sollten Sie vor dem Antrag wissen

Wenn Sie selbstständig sind, können Sie bei Ihrer Bank für Ihr Geschäftskonto einen Kontokorrentkredit beantragen. Wie bei jedem anderen Kredit bedarf aber auch diese Kreditart einer vertraglichen Regelung. Der Vertrag bestimmt die Höhe des Kreditrahmens, die Laufzeit und den Zinssatz, der bei Inanspruchnahme anfällt.

Die gewährte Kreditlinie bemisst sich jedoch nach anderen Kriterien als beim Überziehungskredit für Privatpersonen, bei dem das monatlich eingehende Nettogehalt als Maßstab herangezogen wird.

Um welchen Betrag Sie das Geschäftskonto überziehen können, hängt von mehreren Faktoren ab, wie beispielsweise:

  • Bonität Ihres Unternehmens
  • Durchschnittlicher Zahlungseingang pro Monat
  • Branche des Unternehmens
  • Vorhandene Sicherheiten

Letzten Endes ist das Kreditlimit – wie alle anderen vertraglichen Regelungen – Verhandlungssache zwischen Ihnen und Ihrer Bank. Bedenken Sie aber, dass gerade bei jungen Unternehmen die Banken besonders kritisch sind und in der Regel höhere Sicherheiten verlangen.

Tipp:Limit nicht ohne Absprache überschreiten

Zwischen Ihnen und Ihrer Bank besteht ein Vertrauensverhältnis. Das bedeutet, dass Sie die Bank unbedingt vorher informieren sollten, wenn es absehbar ist, dass Sie das Kreditlimit überschreiten – selbst wenn die Überschreitung nur einen Tag andauern sollte. Für die Überschreitung der eingeräumten Kreditlinie berechnet Ihre Bank gesonderte Überziehungszinsen, die in der Regel erheblich über dem Zinssatz für die reguläre Überziehung des Kontos liegen – meist sind sie rund 3 bis 5 Prozent höher.

Was kostet ein Kontokorrentkredit?

Zinskosten entstehen Ihnen nur in Höhe der tatsächlichen Inanspruchnahme, da die Zinsen taggenau für den verfügten Geldbetrag abgerechnet werden. Beim Kontokorrentkredit ist der Zinssatz allerdings höher als bei einem regulären Kredit mit fest definierter Laufzeit und Rückzahlungsplan, bei dem Zinsen auf die komplette Darlehenssumme über die gesamte Laufzeit hinweg berechnet werden.

Gut zu wissen:Kontokorrentkredit-Formel

Nach folgender Kontokorrentkredit-Formel können Sie die Zinskosten für die Inanspruchnahme Ihres Kontokorrentkredits berechnen:

Zinskosten = (in Anspruch genommener Betrag × Zinssatz × Tage) ÷ (365 × 100)

Beispielrechnung: So errechnen Sie die Zinskosten

Angenommen, Sie überziehen das Konto für 20 Tage um einen Betrag von 5000 Euro. Der Kontokorrentkredit-Zinssatz liegt bei 10 Prozent. Um die Zinskosten zu ermitteln, multiplizieren Sie den überzogenen Betrag (5.000) mit dem Zinssatz (10) und dem Überziehungszeitraum in Tagen (20). Das Ergebnis dividieren Sie durch 36.500 (365 × 100).

Die Zinskosten für die Inanspruchnahme Ihres Kontokorrentkredits betragen bei diesem Beispiel also 27,40 Euro. Beim Zinssatz für Kontokorrentkredite gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen den Kreditinstituten. Die meisten Angebote bewegen sich aktuell zwischen 7 und 12 Prozent. Der individuelle Zinssatz für den Kontokorrentkredit ist aber grundsätzlich Gegenstand der vertraglichen Vereinbarung mit dem Kreditinstitut und hängt vom Rating des jeweiligen Kunden ab.

Die Zinsen beim Kontokorrentkredit liegen deshalb höher als bei einem normalen Darlehen, weil das Kreditinstitut nicht weiß, wann und in welcher Höhe der Kunde den Kredit in Anspruch nimmt. Das Institut muss für die Bereitstellung immer ausreichend Geld vorhalten. Für kurzfristig am Kapitalmarkt aufgenommenes Geld müssen Kreditinstitute jedoch höhere Zinsen zahlen, was sich in höheren Zinsen für den Kunden niederschlägt.

Der Kontokorrentkredit kann nach Absprache mit dem Kreditinstitut in einen Ratenkredit umgewandelt werden. Das ist dann sinnvoll, wenn der Kreditrahmen weitgehend ausgeschöpft ist und die Rückführung nur über einen längeren Zeitraum möglich ist. Sie können Ihren Kontokorrentkredit jederzeit kündigen und profitieren dann von den niedrigeren Zinsen eines normalen Darlehens.

Eine Vorfälligkeitsentschädigung fällt bei der Kündigung übrigens nicht an. Auch das Kreditinstitut kann den Kontokorrentkredit kündigen und fällig stellen. Meistens endet er aber mit dem vorbestimmten Fristablauf. Sofern Sie mit dem Kreditinstitut eine entsprechende Vereinbarung treffen, können Sie den Kredit weiter nutzen, ohne ihn sofort zurückzahlen zu müssen.

Verwendung des Kontokorrentkredits

Der Kontokorrentkredit dient in erster Linie Unternehmen, die kurzfristige Finanzierungsengpässe überbrücken müssen und sich dabei nicht langfristig verschulden wollen. Bietet Ihnen ein Lieferant beispielsweise eine attraktive Skontierung an, so macht es häufig Sinn, auf diese Art der Finanzierung zurückzugreifen, um vom Preisnachlass durch Skontoabzug zu profitieren.

In den meisten Fällen nutzen Firmen den Kontokorrentkredit jedoch als Betriebsmittelkredit zum Monatsende, wenn die Gehaltszahlungen anstehen. Sie überbrücken damit den Zeitraum bis zu den nächsten Umsatzeingängen. Privatpersonen mit Gehaltskonto erhalten allerdings keinen Kontokorrentkredit, sondern einen Dispositionskredit, der jedoch recht ähnlich funktioniert.

Für alle übrigen Selbstständigen und Freiberufler lohnt der Kontokorrentkredit ebenfalls als kurzfristige Liquiditätsreserve, um einen finanziellen Engpass zu überbrücken. Auch ein Existenzgründer kann einen Kontokorrentkredit beantragen.

Die Hürden sind allerdings hoch, falls noch kein Jahresabschluss vorliegt. Der Gründer sollte, falls seinem Antrag entsprochen wird, den Kredit wegen der hohen Zinskosten allerdings nicht dazu nutzen, um damit die Existenzgründung zu finanzieren.

Übersicht: Vor- und Nachteile des Kontokorrentkredits

Vorteile Nachteile
Große Flexibilität Hohe Zinskosten
Tilgung jederzeit möglich Für längerfristige Finanzierung ungeeignet
Keine Vorfälligkeitsentschädigung bei Umschuldung Bank kann Kreditlinie auch kurzfristig kündigen
Zinsen nur in Höhe und für den Zeitraum der Inanspruchnahme

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