Factoring: Dienstleistung für das Eintreiben offener Rechnungen

Zuletzt aktualisiert am 18.10.2017

Unternehmen werden häufig damit belastet, dass offene Rechnungen nicht fristgerecht, sehr spät oder gar nicht beglichen werden. Dadurch leidet die Liquidität und ein hoher Ausstand kann ein Unternehmen wiederum in finanzielle Bedrängnis bringen, da es selbst Forderungen wie Lohnzahlungen oder Warenlieferungen bezahlen muss. In diesem Fall kann Factoring eine Lösung sein.

Inhaltsverzeichnis

    Beim Factoring verkaufen Unternehmen ihre offenen Rechnungen an spezialisierte Dienstleister. Diese übernehmen die Forderung und kümmern sich um den Einzug der fälligen Beträge.

    Für die Übernahme der Rechnungen erhält der Factoring-Dienstleister einen gewissen Prozentsatz der offenen Rechnungssumme. Nach dem Erhalt der Forderungen wird der Rechnungsbetrag vom Factoring-Unternehmen sofort an den Kunden überwiesen.

    Arten von Factoring

    Beim Factoring werden verschiedene Arten voneinander unterschieden. Diese drei Typen gehören zu den gängigsten Methoden des Forderungsverkaufs.

    1. Reverse Factoring: Diese Form des Factoring wird auch Lieferanten- oder Einkaufsfinanzierung genannt. Dabei wird der Rechnungsempfänger selbst zum Nutznießer des Factorings. Reverse Factoring erfolgt durch drei beteiligte Parteien. Ein Lieferant liefert zum Beispiel Ware an ein Unternehmen und stellt dafür eine Rechnung. Das Unternehmen prüft die Rechnung und übermittelt sie an ein Factoring-Unternehmen. Dieses überweist die Rechnung zügig an den Lieferanten. Später begleicht der Rechnungsempfänger den Rechnungsbetrag verzinst an das Factoring-Unternehmen. Durch Reverse Factoring können Händler oder Unternehmer Zahlungsziele beim Einkauf verlängern und diesen unabhängig von einer Bank finanzieren.
    2. Stilles Factoring: Beim stillen Factoring wird für den Rechnungsempfänger nicht ersichtlich, dass die Forderungen an einen Factorer verkauft wurden. Er überweist die offenen Geldbeträge weiterhin an den Rechnungssteller, der die offenen Forderungen jedoch bereits übertragen hat. Das Gegenteil ist das offene Factoring, bei dem für den Abnehmer deutlich wird, dass der Rechnungsbetrag an ein Factoring-Unternehmen überwiesen wird.
    3. Inhouse-Factoring: Beim Inhouse-Factoring werden umfangreiche Rechte an offenen Forderungen an einen Factorer verkauft. Zugleich übernimmt aber auch ein Teil der eigenen Buchhaltung das Forderungsmanagement. Factorer und Auftraggeber arbeiten beim Inhouse-Factoring somit gemeinsam. In der Regel ist diese Form des Factoring für Unternehmen günstiger, da viele Aufgaben selbst übernommen werden.

    Für welche Unternehmen ist Factoring geeignet?

    Factoring lohnt sich in der Regel nur für Unternehmen, die mindestens sechsstellige Umsätze haben. Da mit dem Factoring ein bestimmter Verwaltungsaufwand verbunden ist, müssten kleine Unternehmen im Verhältnis zu viel Geld für das Forderungsmanagement ausgeben. Allerdings gibt es mittlerweile auch Factoring-Anbieter, die sich gerade auf KMU und Einzelunternehmer spezialisiert haben.

    Grundsätzlich ist Factoring ein seriöses Geschäft, bei dem Forderungen verkauft werden. Auch Banken können eine Form des Factorings durchführen, wenn sie Kreditforderungen an andere Banken verkaufen, um die eigene Liquidität zu fördern und die Bilanz zu verbessern.

    Factoring für Privatpersonen

    Privatpersonen können in begrenztem Umfang ebenfalls Forderungen an Factorer verkaufen. Allerdings gelten dabei meist strengere Vorgaben.

    Vor- und Nachteile

    Vorteile Nachteile
    • Unternehmen erhöhen ihre Liquidität, weil Rechnungen sofort beglichen werden
    • Eine höhere Eigenkapitalquote erhöht die Bonität und verbessert die Bilanz
    • Durch höhere Bonität steigt die Chance auf günstige Kredite für Investitionen
    • Zeitersparnis durch Abgabe des Forderungsmanagements
    • Kein Forderungsausfall
    • Für das Factoring muss dem Factorer ein Teil des Rechnungsbetrags überlassen werden
    • Kosten für Factoring können Bilanz belasten
    • Factoring ist nicht für alle Branchen gleichermaßen geeignet
    • Factoring-Unternehmen übernehmen in der Regel nur Forderungen gegenüber Geschäftskunden

    Kosten

    Eine Rate für das Factoring kann bis zu zehn Prozent der offenen Forderungen betragen. Allerdings variieren die Gebühren von Anbieter zu Anbieter. Darüber hinaus werden die Kosten vom Umsatz des Auftraggebers und der Menge der Forderungen beeinflusst.

    Hat ein Unternehmen zum Beispiel Ausstände in Höhe von 200.000 Euro und die Gebühr liegt bei zehn Prozent, erhält der Factorer 20.000 Euro für die Übernahme der offenen Forderungen.

    Der zu zahlende Betrag beim Factoring wird auch Vorfinanzierungsgebühr genannt, da das Factoring eine Art der Vorfinanzierung von offenen Rechnungen ist.

    Für beide Geschäftspartner ist das in der Regel dennoch ein lohnenswertes Geschäft. Zum einen wird der hohe Verwaltungsaufwand des Factorers mit einer angemessenen Prämie vergütet und der Auftraggeber selbst spart Verwaltungskosten. Durch die höhere Liquidität steigt zudem die Bonität und das Unternehmen kann günstiger Kredite aufnehmen. Gerade bei großen Unternehmen machen sich Änderungen im Zehntelprozentbereich bei Finanzierungen schon deutlich bemerkbar. So haben sich die Ausgaben für das Factoring durch die Einsparung bei der Kreditaufnahme oder der Arbeitskostenersparnis meist schnell amortisiert.

    Factoring-Unternehmen

    Im Alltag werden Factoring-Unternehmen häufig mit Inkasso-Unternehmen verwechselt. Dabei gibt es bedeutende Unterschiede. So wird ein Inkasso erst in Gang gesetzt, wenn bereits Mahnungen auf offene Forderungen erfolgt sind und diese nicht beglichen wurden. Factoring-Unternehmen werden schon vor der Mahnungsphase offene Forderungen übertragen.

    Allerdings kann sich die Arbeit von Factorer und Inkasso-Betrieb überschneiden, da auch Factoring-Unternehmen das Mahnwesen übernehmen können.

    Diese Komponenten gehören zum Factoring

    • Forderungsverkauf oder Forderungszession: Unternehmen können Forderungen aus offenen Rechnungen an Factorer verkaufen oder übertragen (Zession).
    • Delkredere: Factorer übernehmen für den Auftraggeber das Ausfallrisiko, indem sie den offenen Rechnungsbetrag abzüglich einer Provision an ihn überweisen.
    • Vorfinanzierung der Forderung: Die offene Forderung wird durch das Überweisen der Rechnungsbeträge vorfinanziert.
    • Übernahme des Debitorenmanagements: Im Rahmen eines Forderungsverkaufs kann der Factorer weitere Aufgaben übernehmen. Hierzu zählen:
      • Debitorenbuchhaltung: Dabei handelt es sich um das Forderungsmanagement.
      • Bonitätsprüfungen: Das Factoring-Unternehmen kann die Bonität von Kunden im Auftrag des Gläubigers übernehmen.
      • Mahnwesen: Offene Rechnungen werden vom Factorer in der Regel gemahnt.
      • Inkasso: In diesem Fall überschneidet sich die Arbeit des Factorers mit einem Inkassobetrieb. Diese Stufe wird eingeleitet, wenn Mahnungen auf offene Beträge erfolglos geblieben sind.

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