Inhaberschuldverschreibung als Geldanlage

Zuletzt aktualisiert am 05.05.2017

Auf der Suche nach renditestarken Finanzprodukten weichen Anleger verstärkt auf Alternativen zu Festgeld oder Tagesgeld aus. Neben Aktien oder Anleihen werden immer häufiger auch Inhaberschuldverschreibungen in Anlageportfolios übernommen. Dieser Ratgeber klärt Sie über Vor- und Nachteile dieser Anlageform auf. Zusätzlich informiert er Sie über Besonderheiten der Inhaberschuldverschreibung im Vergleich zu anderen Möglichkeiten der Kapitalanlage.

Inhaltsverzeichnis

    Zentrale Merkmale des Wertpapiers

    • Hohe Verkehrsfähigkeit: Da Inhaberschuldverschreibungen formlos übertragen werden können, besitzen sie eine hohe Börsengängigkeit. Die Wertpapiere können vom Inhaber einfach an der Börse gehandelt werden.
    • Fungibilität: Als „fungibel“ werden Wertpapiere bezeichnet, die leicht ausgetauscht oder ausgewechselt werden können, weil sie ein festes Maß oder eine feste Zahl haben. Eine hohe Fungibilität bieten zum Beispiel Anleihen, weshalb diese Anlageform immer noch sehr beliebt bei Anlegern ist.

    Bei einer Inhaberschuldverschreibung handelt es sich um ein Wertpapier, mit welchem die Forderung eines Gläubigers an den Schuldner verbrieft wird. Da der Besitzer des Wertpapiers nicht namentlich aufgeführt wird, handelt es sich dabei um eine besondere Form von Schuldverschreibungen.

    Inhaber der Urkunde ist derjenige, der sie besitzt. Die Inhaberschuldverschreibung wird zum Zweck der Kapitalbeschaffung von Unternehmen eingesetzt. Anders formuliert leiht ein Anleger dem Unternehmen Geld für Investitionen oder Wachstum und erhält im Gegenzug eine garantierte Verzinsung über eine fest vereinbarte Laufzeit.

    Am Ende der Laufzeit kauft der Herausgeber der Schuldverschreibung das Wertpapier verzinst zurück und der Anleger erzielt damit einen Gewinn.

    Emittenten von Inhaberschuldverschreibungen

    Emittenten, also Herausgeber von Inhaberschuldverschreibungen, sind Banken, Industrieunternehmen, Handels- oder Verkehrsunternehmen. Auch Staaten können Inhaberschuldverschreibungen ausgeben.

    Eine Voraussetzung für die Ausgabe von Inhaberschuldverschreibungen bei Unternehmen ist, dass die Papiere zum Handel an der regulären Börse zugelassen sind. Demnach müssen sie den Anforderungen der Paragraphen 32 ff des Börsengesetzes genügen. Inhaberschuldverschreibungen von öffentlichen Einrichtungen oder Ländern bedürfen keiner gesonderten Zulassung.

    Eine gesonderte Genehmigungspflicht für die Ausgabe von Inhaberschuldverschreibungen gibt es nicht mehr. Bis zum Jahr 1990 bestand jedoch ein sogenannter Genehmigungsvorbehalt durch das Bundeswirtschaftsministerium. Seither gibt es für die Emission von Inhaberschuldverschreibungen keine öffentlich-rechtliche Beschränkung mehr.

    Inhaberschuldverschreibungen können an der Börse gehandelt und über Banken erworben werden. In der Regel erfolgt die Verbriefung von Schuldverschreibungen als Sammelurkunden, somit erhalten Anleger dann keine Einzelurkunde in physischer Form. Vielmehr erhalten sie über ihr Anlagedepot eine Depotgutschrift, mit welcher die verbrieften Rechte über die Inhaberschuldverschreibung übertragen werden.

    Arten von Schuldverschreibungen

    Inhaberschuldverschreibungen sind in vielen verschiedenen Varianten vorhanden. Sie alle haben den Zweck, den Emittenten mit frischem Kapital zu versorgen.

    1. Bundesanleihen: Diese Form der Anleihe wird von Staaten ausgegeben, die sich damit langfristig Kapital verschaffen. Bundesanleihen zeichnen sich durch lange Laufzeiten und eine stabile Verzinsung aus. Allerdings ist diese Form der Inhaberschuldverschreibung aufgrund niedriger Zinsen in der Regel nicht sehr renditestark.
    2. Wandelanleihen: Bei Wandelanleihen haben die Anleger die Möglichkeit, die Anleihe innerhalb einer festgelegten Frist sowie einem vorher bestimmten Verhältnis in Aktien zu tauschen. Damit steigt die Chance bei einer guten Wertentwicklung des Unternehmens, die Rendite zu erhöhen.
    3. Pfandbriefe: Diese Form der Inhaberschuldverschreibung wird für die Refinanzierung von Hypothekendarlehen genutzt. Pfandbriefe können als Hypothekenpfandbriefe, Schiffshypotheken oder Flugzeugpfandbriefe ausgegeben werden. Kommunen können ebenfalls sogenannte Kommunalpfandbriefe ausgeben.
    4. Zertifikate: Dabei handelt es sich um Schuldverschreibungen von Banken, die sich darüber refinanzieren. Im Gegensatz zu anderen Inhaberschuldverschreibungen sind die Inhaber zwar auch Gläubiger, erhalten jedoch keine feste Verzinsung, sondern werden an der Kursentwicklung von Aktien beteiligt. Auf diese Weise erfolgt die Beteiligung sowohl bei Gewinnen als auch Verlusten.

    Grundsätzlich werden Inhaberschuldverschreibungen anhand folgender Merkmale klassifiziert:

    • Art des Emittenten
    • Art und Umfang der Verzinsung
    • Länge der Laufzeit
    • Art der Tilgung
    • Höhe der Stückelung oder Mindesteinlage
    • Art der Handelbarkeit
    • Art der Besicherung, bei Sparkassen und Volksbanken können Inhaberschuldverschreibungen über das Institut besichert sein
    • Höhe des Rangs, zum Beispiel erst- oder nachrangig

    Die Stückelung von Inhaberschuldverschreibungen liegt in der Regel bei 1.000, 50.000 oder 100.000 Euro. Je höher die Stückelung gewählt wird, desto eher richtet sich das Investment an institutionelle Anleger. Es sind aber auch Nominalbeträge von 100 oder 500 Euro pro Inhaberschuldverschreibung möglich.

    Gesetzliche Grundlage

    Die Schuldverschreibung ist in den Paragraphen 793 ff des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) geregelt. Diese Regelungen können auch auf Inhaberpapiere angewandt werden:

    793 ff BGB

    „(1) Hat jemand eine Urkunde ausgestellt, in der er dem Inhaber der Urkunde eine Leistung verspricht (Schuldverschreibung auf den Inhaber), so kann der Inhaber von ihm die Leistung nach Maßgabe des Versprechens verlangen, es sei denn, dass er zur Verfügung über die Urkunde nicht berechtigt ist. Der Aussteller wird jedoch auch durch die Leistung an einen nicht zur Verfügung berechtigten Inhaber befreit.

    (2) Die Gültigkeit der Unterzeichnung kann durch eine in die Urkunde aufgenommene Bestimmung von der Beobachtung einer besonderen Form abhängig gemacht werden. Zur Unterzeichnung genügt eine im Wege der mechanischen Vervielfältigung hergestellte Namensunterschrift.“

    Aus dem Gesetzestext geht hervor, dass der Inhaber des Wertpapiers Ansprüche gegenüber dem Schuldner stellen und die versprochene Leistung einfordern darf. Derjenige, der Inhaber des Wertpapiers ist, ist demnach der Gläubiger des Schuldners.

    In der Praxis bedeutet das, dass derjenige die Zinszahlung sowie die Tilgung der Einlage erhält, der das Wertpapier besitzt. Heute werden die meisten Inhaberschuldverschreibungen nicht mehr physisch, sondern über das Depot des Inhabers ausgegeben.

    Für welche Anleger sind Inhaberschuldverschreibungen geeignet?

    Grundsätzlich sind Inhaberschuldverschreibungen eine solide Form der Geldanlage. Anleger müssen sich dabei jedoch wie bei jedem Anlageprodukt bewusst sein, dass das Risiko mit der Höhe der möglichen Verzinsung steigt. Dennoch gelten Inhaberschuldverschreibungen als einfach zu verstehendes Anlageprodukt, von dem sie regelmäßige Zinsausschüttungen sowie eine komplette Tilgung erwarten können.

    Um das Risiko eines Ausfalls der Geldanlage zu minimieren, sollten Anleger im Vorfeld die Bonität des Emittenten prüfen. Hierfür bieten sich die Bewertungen einschlägiger Ratingagenturen sowie Geschäftszahlen von Unternehmen an. Darüber hinaus können Anleger die Entwicklung der jeweiligen Inhaberschuldverschreibungen anschauen, um Rückschlüsse auf das Anlagerisiko zu ziehen.

    Da die Schuldverschreibungen bei Banken erhältlich sind, ist es empfehlenswert, die Beratung der Bank zu den einzelnen Anlageformen in Anspruch zu nehmen.

    Namensschuldverschreibung

    Neben Inhaberschuldverschreibungen gibt es auch sogenannte „Namensschuldverschreibungen“ als Wertpapiere. Sie werden auch Recta-Schuldverschreibungen genannt. Im Gegensatz zur Inhaberschuldverschreibung wird bei der Namensschuldverschreibung ein konkreter Gläubiger in der Werturkunde aufgeführt.

    Nur dieser eingetragene Name ist Besitzer der Schuldverschreibung und erhält Auszahlungen darüber. Durch die konkrete Benennung des Inhabers ist der Verkauf oder die Übertragung einer Namensschuldverschreibung nicht so einfach wie bei der Inhaberschuldverschreibung.

    Namenspapiere mit Inhaberklausel

    Sogenannte Namenspapiere mit Inhaberklausel weisen sowohl Bestandteile der Inhaberschuldverschreibung als auch der Namensschuldverschreibung auf. Ein solches Namenspapier erfordert, dass der Emittent oder Ausgeber direkt an den Bezeichneten leistet. Damit gleicht das Namenspapier mit Inhaberklausel der Namensschuldverschreibung.

    Allerdings kann eine Leistung auch dann erfolgen, wenn die Urkunde nicht vom Namensträger, sondern lediglich vom Inhaber vorgelegt wird. Damit ähnelt das Namenspapier mit Inhaberklausel der Inhaberschuldverschreibung.

    Die Leistung bei einem solchen Legitimationspapier ist in Paragraph 808 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) definiert.

    Die klassische Form des Namenspapiers mit Inhaberklausel ist das Sparbuch. Leistet die Bank an den nichtberechtigten Inhaber, ist sie von ihrer Pflicht zur Zahlung befreit.

    Festverzinsliche Inhaberschuldverschreibungen

    Festverzinsliche Inhaberschuldverschreibungen sind in der Regel Wertpapiere, die juristische Personen für die Refinanzierung nutzen.

    Bei dieser Form der Schuldverschreibung erhält der Anleger eine feste Verzinsung für seine Einlage. Der Kurs beim Kauf beträgt 100 Prozent. Mit dem Kauf der Inhaberschuldverschreibung erhält er einen sogenannten Zinskupon, der die Zinshöhe für die Bereitstellung des Kapitals definiert.

    Erhält der Anleger keine Zinsen während der Laufzeit, wird von Nullkuponanleihen gesprochen. Werden diese Inhaberschuldverschreibungen vor Ablauf der Laufzeit verkauft, erhält der Anleger in der Regel einen geringeren Kurs als beim Kauf des Wertpapiers.

    Laufzeiten

    Neben der festen Verzinsung zeichnen sich festverzinste Inhaberschuldverschreibungen auch durch eine feste Laufzeit aus, auf die sich die vereinbarte Zinszahlung bezieht. Möglich sind sowohl kürzere Laufzeiten von zwei Jahren als auch lange Laufzeiten von über zehn Jahren.

    Variabel verzinste Inhaberschuldverschreibungen

    Bei dieser Form der Inhaberschuldverschreibung wird die Verzinsung über die Laufzeit angepasst. Dabei orientieren sich die Emittenten an den Richtwerten EURIBOR (European Interbank Offered Rate) sowie am LIBOR (London Interbank Offered Rate).

    Die Zinsanpassung erfolgt jeweils pro Quartal. Durch die Orientierung am Marktzins haben Anleger die Möglichkeit, dass die Zinsen für ihre Geldanlage steigen können und ihre Kapitalerträge dadurch über die gesamte Laufzeit höher werden. Durch die Möglichkeit, das Wertpapier bei Zinsrückgängen zu verkaufen, bleiben Anleger flexibel.

    Möglich ist auch, dass die flexible Verzinsung von den Gewinnen des Emittenten abhängig gemacht wird.

    Für welche Variante der Verzinsung sich Anleger letztlich entscheiden, hängt von den individuellen Anlagestrategien ab. Wenn Anleger eine konstante, wenn meist auch niedrigere Verzinsungen über die gesamte Laufzeit vorziehen, sollten sie in die festverzinsliche Variante investieren.

    Schätzen Anleger jedoch die Flexibilität und die Möglichkeit zu höheren Zinsen, ist die Inhaberschuldverschreibung mit variabler Verzinsung eine interessante Alternative.

    Zinserträge

    Die Höhe der Verzinsung bei Inhaberschuldverschreibungen hängt in der Regel von Anlagerisiko ab. Sichere Inhaberschuldverschreibungen wie Anleihen bieten meist geringere Zinserträge als Anleihen von Staaten mit geringer Bonität.

    Möglich sind Zinsen zwischen zwei und fünf Prozent für solide Anlageprodukte. Allerdings können bei bestimmten Schuldverschreibungen wie Spareinlagen bei manchen Banken inzwischen auch Strafzinsen für Guthaben anfallen. In diesem Fall verlangt die Bank Geld dafür, dass Anleger ihr Geld bei ihr hinterlegen.

    Chancen und Risiken

    Die größten Vorteile der Inhaberschuldverschreibung bestehen in einer zugesicherten Verzinsung sowie in der Regel in der 100-prozentigen Tilgung der Einlage zum Ende der Laufzeit. Wird eine feste Verzinsung vereinbart, hat der Anleger ein Recht auf diesen Ertrag.

    Als sehr sichere Form der Inhaberschuldverschreibung gelten Anleihen.

    Risiken der Inhaberschuldverschreibung

    Das größte Risiko bei diesen Wertpapieren ist das Emittentenrisiko. Da die Schuldverschreibungen in der Regel nicht durch die Einlagensicherung gedeckt sind, können Anleger im Falle einer Insolvenz des Emittenten einen Totalverlust ihrer Geldanlage erleiden.

    Nachteilig kann auch das Zinsrisiko der Inhaberschuldverschreibung sein, wenn sich die Geldanlage an den Leitzinsen orientiert. In diesem Fall kann es zu einem Zinsausfall kommen und der Anleger erhält lediglich seine Einlage am Ende der Laufzeit wieder zurück.

    Auf Bonität des Emittenten achten

    Wie bei jeder Kapitalanlage steigt das Risiko mit steigender Rendite. Anleger sollten deshalb vor dem Kauf von Inhaberschuldverschreibungen genau auf die Bonität des Emittenten achten.

    Einlagensicherung greift nicht

    Die Einlagensicherung soll Anleger im Falle einer Insolvenz vor dem Verlust ihrer Einlagen absichern. Aus diesem Grund sind Sparbücher, Festgeldkonten oder Sparbriefe durch die Einlagensicherung der Banken geschützt.

    Inhaberschuldverschreibungen von Kreditinstituten werden jedoch nicht von der gesetzlichen Einlagensicherung abgedeckt. Dies liegt daran, dass diese Form der Schuldverschreibung nicht namentlich auf einen Anleger ausgestellt ist.

    Aus diesem Grund müssen Anleger beim Kauf von Inhaberschuldverschreibungen berücksichtigen, dass diese Wertpapiere im Falle einer Insolvenz des Emittenten zu einem Totalverlust der Einlage führen können.

    Damit sind Inhaberschuldverschreibungen vergleichbar mit stillen Einlagen. Dieses bei Privatanlagern häufiger gefragte Investment sieht eine stille Beteiligung an einem Unternehmen in Form von Unternehmensanteilen vor. Hierfür erhält der Anleger eine fest vereinbarte Beteiligung am Gewinn. Sein Verlust reicht hingegen maximal bis zur Höhe seiner Einlage.

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