Obligation: Finanzierungsmöglichkeit für Unternehmen, Staaten und Kommunen

Zuletzt aktualisiert am 12.04.2017

Obligationen sind im Allgemeinen Schuldverschreibungen, die in Form von Inhaberschuldverschreibungen oder Anleihen gehandelt werden. Sie galten lange Zeit als sehr sichere und renditestarke Anlageform. Doch im Zuge der Niedrigzinspolitik der EZB sowie durch eine konstante Inflation sind Anleihen heutzutage nicht sehr rentabel. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles Wichtige zur Obligation sowie zum Handel damit.

Inhaltsverzeichnis

    Der Begriff „Obligation“ leitet sich vom lateinischen Wert „obligare“ ab, was auf Deutsch mit „anbinden, verpflichten“ übersetzt werden kann. Somit ist eine Obligation eine Verpflichtung, die ein Darlehensnehmer gegenüber seinem Schuldner eingeht. Damit ist auch schon das Grundprinzip der Obligation erklärt: Ein Staat oder ein Unternehmen leiht sich bei Kapitalgebern Geld und verpflichtet sich im Gegenzug, das Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt verzinst zurückzuzahlen.

    Allgemein wird die Bezeichnung Obligation als Oberbegriff für Anleihen oder Schuldverschreibungen verwendet. Dabei handelt es sich in der Regel um Wertpapiere mit fester Verzinsung über die gesamte Laufzeit. Anleihen werden dabei in der Regel von Staaten oder Unternehmen und Schuldverschreibungen von Banken ausgegeben.

    Anleihe oder Schuldverhältnis?

    Die Bezeichnung Obligation wird in Deutschland meist für eine fünfjährige Bundesanleihe verwendet, um sie von der zehnjährigen Anleihe zu unterscheiden. Ansonsten wird es sinngleich mit der Anleihe genutzt. In der Schweiz hingegen bezeichnet die Obligation im rechtlichen Sinne ein Schuldverhältnis.

    Unterschiedliche Arten

    • Anleihen: Anleihen können sowohl als Staatsanleihen von Staaten als auch in Form von Unternehmensanleihen von Firmen ausgegeben werden.
    • Pfandbriefe: Nur private Hypothekenbanken, öffentliche-rechtliche Banken sowie Schiffspfandbriefbanken dürfen diese Spezialform der Obligation ausgeben.
    • Kommunalobligation: Diese Form der Schuldverschreibung wird von öffentlichen Kreditinstituten sowie Hypothekenbanken genutzt, um Darlehen an Bund, Länder oder Gemeinden zu refinanzieren.
    • Bundesobligation: Dabei handelt es sich um eine besondere Form der Bundesanleihe. Sie unterscheidet sich von anderen Staatsanleihen durch ihre kürzere Laufzeit von fünf Jahren.

    Was sind Bundesobligationen?

    Bundesobligationen sind fest verzinste Wertpapiere, die von der Bundesrepublik Deutschland über die Bundesbank ausgegeben werden. Dabei handelt es sich um Staatsanleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Sie dienen Anlegern als mittelfristige Geldanlage und werden vom Staat zur mittelfristigen Projektfinanzierung genutzt.

    Die Rendite bei Bundesobligationen ist bezüglich des Zinskupons eher gering. Gewinne sind jedoch über den Kurs möglich. Zugleich haben Bundesobligationen dafür ein nahezu nicht existentes Ausfallrisiko, da die Bonität der Bundesrepublik von Rating-Agenturen nach wie vor die Höchstbewertung AAA erhält.

    Der Handel mit Obligationen

    Obligationen werden von Unternehmen, Banken, Kommunen oder Staaten ausgegeben. Sie erhalten Fremdkapital von Anlegern, für das sie über eine fest vereinbarte Laufzeit Zinsen bezahlen. Die Emittenten von Obligationen werden somit zu Schuldnern und die Investoren zu Gläubigern, ähnlich wie bei einem Kredit. Diese Kreditgeber können private Anleger, institutionelle Anleger oder andere Unternehmen, Staaten sowie Kommunen sein.

    Die Laufzeit von Obligationen liegt in der Regel zwischen zwei und zehn Jahren, abhängig davon, zu welchem Zweck das Fremdkapital benötigt wird. Am Ende der Laufzeit wird das geliehene Kapital an die Anleger zurückgezahlt. Die Verzinsung kann entweder endfällig oder jährlich ausgezahlt werden.

    Da es sich bei Obligationen um Wertpapiere handelt, können diese auch an der Börse ge- und verkauft werden.

    Der Wert einer Obligation wird durch deren Nennwert sowie ihren Zinskupon bestimmt. Das Zinsniveau bei Obligationen bewegt sich je nach Art der Schuldverschreibung zwischen null und drei Prozent.

    Unterschiede zu Aktien

    Obligationen ähneln Aktien, da sich Unternehmen darüber frisches Kapital besorgen können. Im Gegensatz zu Aktien handelt es sich bei dem über Schuldverschreibungen eingesammelten Kapital jedoch um Fremdkapital.

    Für Anleger bedeuten Obligationen, dass sie mit weniger stark schwankenden Kursen rechnen können. Zugleich ist das Verlustpotential deutlich geringer. Dafür fällt jedoch die Aussicht auf eine hohe Rendite geringer aus. Damit haben Anleger in der Regel bei langfristigen Geldanlagen mit Aktien mehr verdient als mit Anleihen. Allerdings sind sie dafür auch ein höheres Risiko eingegangen.

    Aktionäre haben mit ihrem Aktienkauf häufig ein Mitspracherecht über die Aktionärsversammlung. Wer Anleihen kauft, verzichtet dadurch auf Mitsprache, wird allerdings im Falle einer Insolvenz vorrangig bedient, da es sich bei Obligationen um Fremdkapital handelt.

    Vor- und Nachteile

    Vorteile Nachteile und Risiken
    • Die Geldanlage ist relativ sicher. Die Sicherheit hängt dabei von der Bonität des Schuldners ab.
    • Die Wertpapiere sind flexibel, da sie an der Börse gehandelt werden.
    • Obligationen können in der Regel beliehen werden.
    • Zinserträge müssen versteuert werden.
    • Es besteht ein Emittentenrisiko. Wird das ausgebende Unternehmen insolvent, besteht die Möglichkeit eines Verlustes.
    • Bei der Geldanlage in Obligationen im Ausland besteht ein Währungsrisiko.

     

    Kauf und Verkauf von Obligationen

    Obligationen können jederzeit an der Börse gehandelt werden. Inhaber von Schuldverschreibungen können diese über ihr Depot kaufen und verkaufen.

    Wer seine Obligationen vor Ablauf der Laufzeit verkauft, muss jedoch den jeweiligen Kurs der Anleihe an der Börse berücksichtigen. Ist der Kurs niedriger als beim Kauf, kann der Verkauf zum Beispiel zum Verlust führen.

    Wann sind Obligationen sinnvoll?

    Obligationen sind in der Regel für institutionelle Anleger geeignet, die von einer hohen Ausfallsicherheit profitieren wollen. Auf Sicherheit bedachte Privatanleger finden mit Obligationen ebenfalls eine geeignete Anlageform.

    Da die Rendite bei Obligationen im Vergleich zu anderen Geldanlagemöglichkeiten eher gering ist, werden Obligationen häufig zur Risikostreuung ins Portfolio mit aufgenommen. Wenn Anleger ein Wertpapierdepot aufbauen, sollte ein Teil davon am besten aus Anleihen bestehen.

    Obligationsrendite berechnen

    Die Rendite einer Obligation wird in der Regel über die sogenannte Umlaufrendite bestimmt. Dabei wird der Zinsertrag durch den Kaufpreis (Kurs) der Anleihe geteilt.

    Beispiel: Der Zinskupon der Anleihe beträgt drei Prozent, der Kaufpreis liegt bei 1.000 Euro pro Anleihe.
    In einem Jahr erhält der Anleger demnach 33,33 Euro pro Obligation.
    Die Rechnung: 33,33 / 1.000 * 1/100 = 3,33 Prozent
    Die Umlaufrendite dieser Obligation würde dann 3,33 Prozent betragen.

    Nicht berücksichtigt wurde dabei jedoch, dass der Kurs der Anleihe durch eine Senkung des Leitzinses ebenfalls sinken kann. In diesem Fall würde auch die Rendite der Anleihe sinken. Diese Berechnung geht demnach von einem konstanten Kurs bei gleicher Verzinsung aus.

    Darüber hinaus kann sich das Rating des Emittenten ebenfalls negativ auf die Rendite der Anleihe auswirken. Gleiches gilt auch für das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Da die Wertpapiere an der Börse gehandelt werden, kann zum Beispiel eine geringe Nachfrage zu Kurssenkungen und somit zu einem Rückgang der Rendite führen, wenn die Obligation vor Ablauf der Laufzeit an der Börse verkauft wird.

    Steuerliche Berücksichtigung

    Wie alle Einnahmen aus Kapitalvermögen sind in Deutschland auch Einkünfte aus gehaltenen Obligationen zu versteuern. In diesem Fall greift die Kapitalertragssteuer, die pauschal bei 25 Prozent zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag liegt. Sind Sie Kirchenmitglied, müssen Sie zusätzlich Kirchensteuer auf Ihre Kapitalerträge abführen.

    Sofern Ihre Gewinne durch Obligationen den Pauschbetrag von 801 Euro bei Einzelveranlagung und 1.602 Euro bei gemeinsamer Veranlagung mit Ihrem Ehepartner nicht überschreiten, müssen keine Steuern gezahlt werden.

    Freistellungsauftrag

    Die Kapitalertragssteuern werden von dem Kreditinstitut automatisch an den Fiskus abgeführt, bei dem Sie Ihr Depot haben. Prüfen Sie, ob ein Freistellungsauftrag möglich ist.

    Entstehung und Geschichte

    Die Ursprünge der heutigen Obligationen führen bis ins Mittelalter zurück. Zum einen finanzierten zum Beispiel Städte in Frankreich ihre Verschuldung über sogenannte „brevets de rente“. Dabei handelt es sich um „Rentenbriefe“, für die Kapitalgeber Zinsen erhielten. Zum anderen begannen Herrscher in Italien, ihre Kriege mit sogenannten „Kriegsanleihen“ zu finanzieren. Ebenfalls im 12. Jahrhundert wurden in England Vorläufer von Inhaber-Schuldverschreibungen für den Binnenhandel genutzt.

    Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die Schuldverschreibung schließlich zu einem probaten Mittel für Staaten und Unternehmen, um Fremdkapital zu erhalten. Doch es dauerte bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, bis Anleihen auch an der Börse gehandelt wurden. Für Unternehmen sind Obligationen seither eine Alternative zu Aktien, wenn es um die Beschaffung von frischem Kapital geht.

    Durch den Handel an der Börse sind Obligationen auch für Anleger, institutionelle wie private, eine Anlageoption geworden.

    Rechtliche Grundlage

    Die rechtliche Grundlage für die Ausgabe von Schuldverschreibungen ist seit 2009 im sogenannten Schuldverschreibungsgesetz gegeben.

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