Sparbrief: Zinsen auf lange Zeit sichern

Der Sparbrief ist ein festverzinsliches Anlageprodukt und ähnelt einem Festgeldkonto oder dem (mittlerweile eingestellten) Bundesschatzbrief. Denn auch beim Sparbrief wird vom Kunden Geld für einen fest vereinbarten Zeitraum bei einer Bank oder Sparkasse mit einem gewissen Festzins angelegt. Die Laufzeiten bewegen sich in der Regel zwischen einem und zehn Jahren. Im Übrigen sind die Konditionen sehr unterschiedlich. Der Sparbrief ist sehr beliebt bei Menschen, die in erster Linie auf Sicherheit und eine überschaubare, aber garantierte Rendite setzen.

Inhaltsverzeichnis
     

    Bei einem Sparbrief handelt es sich rechtlich um eine Namensschuldverschreibung. Ein Sparbrief lautet also immer auf einen bestimmten Namen und ist grundsätzlich nicht für einen Verkauf vorgesehen. Der Brief ist nur sehr eingeschränkt verkehrsfähig – im Gegensatz zu Inhaberschuldverschreibungen, bei denen schon der Besitz des Papiers für die Berechtigung des Verfügenden spricht.

    Weil ein Sparbrief als Forderung zum Vermögen des Inhabers gehört, fällt er beim Tod des Berechtigten automatisch den Erben zu. Ein automatisches Kündigungsrecht für die Erben besteht jedoch nicht. Als Interessent sollte man wissen, dass bei einem Sparbrief Geld für eine bestimmte Zeit fest angelegt wird.

    Das bedeutet insbesondere, dass:

    • Während der Laufzeit über das Geld nicht verfügt werden kann.
    • Eine Aufstockung des Sparbetrags nicht möglich ist.
    • Erst am Ende der Laufzeit wird das Geld ausgezahlt. Eine besondere Kündigung muss nicht ausgesprochen werden.
    Vorteile Nachteile
    Sichere Geldanlage Hohe Sicherheit geht mit relativ niedriger Rendite einher
    Wahlmöglichkeit in Bezug auf Auszahlung der Zinsen (thesaurierend, jährlich, abgezinst) Fehlende Flexibilität – das Geld ist auf längere Zeit nicht verfügbar
    Zinssatz wird auf lange Zeit garantiert Im Vergleich zu anderen Sparanlagen relativ niedrige Verzinsung
    Sparbrief kann beliehen werden

    Keine nachträgliche Aufstockung des Kapitals möglich, sobald der Anlagebetrag festgelegt wurde

    Einlagensicherung greift auch hier

    Die ohnehin große Sicherheit eines Sparbriefs wird durch die gesetzliche Einlagensicherung für die Geldanlage zusätzlich gestärkt. Seit 2011 besteht ein umfassender gesetzlicher Schutz für eine Geldeinlage von bis zu 100.000 Euro pro Person. Dieser Schutz umfasst Sparbriefe sowie Festgeld.

    Staatsanleihen benötigen diesen Schutz nicht, da hier der Staat direkt (als Vertragspartner) für die Rückzahlung bürgt. Unternehmensanleihen dagegen genießen nur eine Einlagensicherung bis zu 20.000 Euro, und dies auch nur zu 90 Prozent.

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    Unterschiedliche Konditionen

    Der Sparbrief ist ein mittel- bis längerfristige Anleihen. Die gesamte Laufzeit liegt meist zwischen einem und zehn Jahren. Selten werden – wegen der geringen Nachfrage – auch längere Laufzeiten angeboten. Diese können bis zu 25 Jahre bis zum Laufzeitende betragen.

    Die Höhe der Geldanlage ist nach oben hin unbegrenzt. Allen Sparbriefen ist außerdem gemein, dass bei ihnen weder Abschlussgebühren noch Kontoführungsgebühren entstehen. Bei der Ausgabe von Sparbriefen seitens der Sparkassen, werden diese oft als Sparkassenbriefe – der Unterschied besteht allerdings nur in der Bezeichnung.

     

    Im Wesentlichen lassen sich drei Sparbrief-Typen unterscheiden:

    1. Konventioneller Sparbrief
      Fest vereinbarter Zinssatz (Zinsgarantie), jährliche Zinszahlung .

    2. Abgezinster Sparbrief
      Schon beim Kaufpreis werden die Zinsen angerechnet; am Ende der Laufzeit wird der Nennwert ausgezahlt.

    3. Aufgezinster Sparbrief
      Die Zinsen werden nicht jährlich, sondern erst am Ende der Laufzeit ausgezahlt (thesaurierend).

    Zu beachten ist bei der Wahl zwischen Auf- und Abzinsung, dass nur bei einem abgezinsten Sparbrief der Zinseszinseffekt wirksam wird.

    Auf jeden Fall lohnt sich auch bei Sparbriefen der Blick ins Kleingedruckte. Wenn hier zum Beispiel der Nachrang des Sparbriefs festgelegt wird („Nachrangabrede”) ist Vorsicht geboten: Dies bedeutet nämlich für den Insolvenzfall, dass zunächst alle anderen Forderungen des Finanzinstituts aus der Insolvenzmasse beglichen werden.

    Praktisch bedeutet dies für den Inhaber eines Sparbriefs mit Nachrangabrede in den allermeisten Fällen einen kompletten Ausfall seines Auszahlungsanspruchs bei einer Pleite des Geldinstituts – da Sparbriefe allerdings seit 2011 durch den staatlichen Anlegerschutz bis zu einer Höhe von 100.000 Euro abgesichert sind, ist auch im Fall der Fälle kein Totalausfall der Anlage zu erwarten.

    Ein Sparbrief kann außerdem bequem und flexibel im Online-Banking geführt werden, also im Internetbanking oder in der App.

    Wie sieht ein Sparbrief aus?

    Nach Abschluss der Vereinbarung erhält der Kunde von der Bank eine Urkunde – dies ist der eigentliche Sparbrief. Unterschiedliche Banken geben jeweils andere Briefe aus. Die folgenden Daten und Informationen sind in diesen Papieren jedoch immer aufgeführt: 

    1. Nennwert

    2. Name des Gläubigers

    3. Datum der Auszahlung (beziehungsweise Vertragsbeginn und Vertragsablauf)

    4. Zinsen (Zinssatz, Art der Verzinsung)

    5. Hinweise zur Abtretung, Verpfändung oder vorzeitigen Rückzahlung

    Vergleich mit anderen langfristigen Anlagen

    In den Zeiten niedriger Zinssätze sind die Renditeerwartungen besonders bei sicheren Anlagen sehr niedrig. Oftmals wird kaum die Inflationsrate ausgeglichen.

    Als Faustregel gilt: Je sicherer die Rückzahlung, desto niedriger ist der Zinssatz. Menschen, die eher auf hohe Rendite setzen wollen, müssen Risiken in Kauf nehmen. Für diese sind Unternehmensanleihen geeignet. Sichere Geldanlagen sind dagegen insbesondere Staatsanleihen, Festgeldkonten und Sparbriefe.

      Festgeld Staatsanleihen Unternehmensanleihen Sparbrief
    Einlagensicherung 100 % bis 100.000 Euro Unbegrenzt 90 % bis 20.000 Euro 100 % bis 100.000 Euro
    Zinsen Eher niedrig Sehr niedrig höher Eher niedrig
    Sicherheit Hoch (Einlagensicherung) Sehr hoch Abhängig vom Unternehmen und der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Hoch (Einlagensicherung)

    Altersvorsorge und Geldanlage für Kinder

    Der Einstiegsbetrag für einen Sparbrief ist unterschiedlich. Je nach Finanzinstitut werden Mindestbeträge zwischen 250 und 2.500 Euro als Anlagesumme verlangt. Höhere Beträge sind selbstverständlich möglich. Daher eignen sich Sparbriefe auch als Teil einer umfassenden Altersvorsorge, insbesondere dann, wenn man kurze Zeit vor dem Erreichen des Rentenalters eine gewisse Geldanlage zurücklegen will, die man sich nach einigen Jahren – selbstverständlich verzinst – auszahlen lassen möchte.

    Als einziger Bestandteil einer Altersvorsorge ohne andere Absicherungen eignen sich Sparbriefe jedoch nicht. Zu empfehlen ist ein Portfolio aus verschiedenen Anlageprodukten, das im Wesentlichen aus sicheren Finanzprodukten besteht, zu einem geringeren Teil aber auch spekulative Anlagen enthält (Stichwort Diversifikation).

    Auch als Geldanlage für Kinder sind Sparbriefe geeignet. So kann Geld für ein achtjähriges Kind fest über einen Zeitraum von zehn Jahren angelegt werden, damit es beim Erreichen der Volljährigkeit ein ansehnliches Startkapital zur Verfügung hat.

    Sparbrief und Steuern

    Es muss beachtet werden, dass auch beim Sparbrief der Zinssatz versteuert werden müssen. Die Abgeltungssteuer von 25 Prozent wird meist direkt von den Banken abgeführt.

    Es kommt für die Besteuerung beim Sparbrief zudem darauf an, zu welchem Zeitpunkt die Zinsen dem Inhaber des Sparbriefs zukommen. Bei einem aufgezinsten Sparbrief werden die Zinsen einmalig zum Ende der Laufzeiten ausgezahlt. Bei sehr hohen Anlagebeträgen kann deshalb dieser Gewinn die Freistellungsgrenze (Sparerpauschbetrag) von 801 Euro (bei Ehegatten 1.602 Euro) übersteigen.

    Die jährliche Auszahlung der Zinsen kann sich deshalb in Einzelfällen steuerlich rentieren – auch wenn der Effekt von Zinseszinsen dann nicht ausgenutzt wird. Zu beachten ist hier, dass vorher dem Finanzinstitut ein Freistellungsauftrag zukommen muss. Sonst wird die fällige Steuer vom Geldinstitut direkt an den Fiskus weitergeleitet.

    Beleihbare Geldanlage

    Selbstverständlich verfolgen Sparer zumeist das Ziel, mit einem Sparbrief Zinsen zu erwirtschaften. Wird jedoch – beispielsweise für einen Autokauf – während der Laufzeit des Sparbriefs Kapital benötigt, kann man diese Geldanlage auch für einen Kredit verwenden, denn ein Sparbrief kann beliehen werden. Ein Kreditvergleichkann als erste Orientierung für die monatlichen Belastungen dienen.

    Dies bedeutet, dass der Brief nicht als Sicherheit für einen anderen Kredit dient, sondern das vereinbarte Darlehen direkt mit der Auszahlungssumme aus dem Sparbrief getilgt wird. Das Beleihen eines Sparbriefs bietet gegenüber anderen Finanzierungsmöglichkeiten eine Reihe von Vorteilen:

    • Im Vergleich zu einem Dispositionskredit fallen hier niedrigere Zinsen an.

    • Das Antrags- und Genehmigungsverfahren verläuft in der Regel sehr unkompliziert, wenn die Beleihung bei der Bank erfolgt, die auch den Sparbrief ausgegeben hat.

    • Wenn nur ein Teil des Sparbriefs beliehen wird, bleibt der Restbetrag als Geldreserve erhalten.

    Risiken

    Folgende Risiken können sich durch einen Sparbrief ergeben:

    • Emittentenrisiko/Kreditrisiko: In Deutschland sind Anlagebeträge mindestens durch eine gesetzliche Einlagensicherung von bis zu 100.000 Euro pro Kunde abgesichert. Bei höheren Summen kann jedoch ein Risiko bestehen.

    • Verfügbarkeit: Während der Laufzeit kann nicht vorzeitig über die angelegte Summe verfügt werden. Ein Sparbrief kann jedoch während der Anlagedauer beliehen werden und so als Sicherheit für ein aufgenommenes Darlehen genutzt werden.

    • Ertragsrisiko: Sollten die Zinsen am Markt deutlich steigen, kommt dies dem Anleger nicht zugute, da Zins und Laufzeit vertraglich festgelegt sind. Somit ist die vertragliche Bindung an einen niedrigen Zins fest und kann nicht marktentsprechend neu ausgehandelt werden.

    Kosten für einen Sparbrief

    Für einen Sparbrief fallen in der Regel beim Anbieter keine Kosten an. Sie müssen hier anders als bei einem Depot keine Gebühren für die Eröffnung oder für die Depotführung bezahlen. Den einzigen Betrag, den Sie bei einem Sparbrief aufwenden müssen, ist die von Ihnen gewählte Anlagesumme des Sparbriefes.

    Fazit: Für wen eignen sich Sparbriefe?

    Ein Sparbrief eignet sich als Anlage für Kunden, die sehr viel Wert auf Sicherheit legen.
    Sollte eine Einlagensicherung greifen, stellt der Sparbrief ein sicheres Finanzprodukt für Anleger dar, die ihr Geld keinem Verlustrisiko aussetzen möchten und somit eine konservative Anlageform bezüglich Vermögensaufbau sowie Vermögenserhalt präferieren. Eine nennenswerte Rendite versprechen Sparbriefe in Zeiten niedriger Zinsen erst ab einer Laufzeit von etwa zehn Jahren.

    Jeder, der einen Sparbrief erwirbt, sollte wissen, dass er sich damit langfristig vertraglich bindet und während der Laufzeit auf das angelegte Geld verzichten muss. Es gilt also zu bedenken, ob sich eine langfristige Anlage angesichts niedriger Zinsen überhaupt lohnt. Eine Kündigung ist in der Regel nicht möglich – anders als bei vergleichbaren Bundesschatzbriefen, die allerdings nicht mehr ausgegeben werden.

    Der Sparbrief im Erbfall

    Der Sparbrief ist nicht kündbar. Und auch ein Sonderkündigungsrecht für Erben besteht nicht. Wer einen Sparbrief erbt und nicht lange auf das Geld warten will, ist auf die Kulanz der Banken angewiesen.

    Zwar bieten einige Finanzunternehmen den Ankauf von Sparbriefen an; die individuelle Vereinbarung mit der Bank ist gegenüber einem Verkauf jedoch meist lohnender. Im Fall einer erfolgreichen Rücknahme des Sparbriefs werden die Bank in der Regel eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen.

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