Postident: So funktioniert das Identifizierungsverfahren

Zuletzt aktualisiert am 16.03.2017

Das Geldwäschegesetz sieht vor, dass sich jeder Inhaber eines Bankkontos bei der Kontoeröffnung gegenüber der Bank identifizieren muss. Damit soll Betrugsversuchen und kriminellen Machenschaften im Finanzsektor vorgebeugt werden. Auch bei Abschluss von einem Kredit kann das Postident-Verfahren zum Einsatz kommen. Da heutzutage viele Banken aber nur noch online arbeiten, gibt es häufig keinen Bankschalter, an dem man sich ausweisen könnte. Für diese Fälle gibt es das Postident-Verfahren, mit dem sich der Kunde schnell und einfach legitimieren kann. Wie genau das funktioniert, erklärt Ihnen FinanceScout24.

Inhaltsverzeichnis

    Mit dem Postident-Verfahren bietet die Deutsche Post AG einen Service an, mit dem sich Kunden gegenüber bestimmten Anbietern von Dienstleistungen (wie beispielsweise Banken) legitimieren können. Eine solche persönliche Identifizierung erfolgt mithilfe des Personalausweises oder des Reisepasses.

    Je nach Art des gewählten Postident-Verfahrens erfolgt der Abgleich mit dem Ausweisdokument entweder in einer Filiale der Deutschen Post oder an der Haustür durch den Postboten. Letztere Variante kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn es um die Übermittlung beziehungsweise Unterzeichnung von wichtigen Dokumenten geht. Für die Eröffnung eines Kontos wird jedoch meistens der Postident-Coupon genutzt, mit dem der Kunde dann in die Postfiliale gehen muss.

    In Zukunft könnte das Verfahren jedoch durch die Möglichkeiten des neuen Personalausweises ersetzt werden, der ebenfalls zur Online-Identifizierung eingesetzt werden kann. Bislang ist dies jedoch noch die Ausnahme.

    Der Zweck von Postident

    Es gibt Vorgänge im Geschäftsleben, bei denen die Identität des Geschäftspartners (und dessen Befugnis, entsprechende Willenserklärungen abzugeben) geklärt sein muss. Besonders bei Bankgeschäften ist es für die Bank unerlässlich zu wissen, ob der Kontoinhaber tatsächlich existiert oder nicht. So soll eine Eröffnung von Konten unter falschem Namen zur Verschleierung von Steuerhinterziehung oder anderen illegalen Transaktionen erschwert werden. Hierfür hat die Politik eigens das sogenannte Geldwäschegesetz geschaffen, das klar festlegt, dass ohne vorherige Legitimation des Kunden kein Konto eröffnet werden darf.

    Ob eine Bank die Identifizierung benötigt, hängt unter anderem auch davon ab, ob der Kunde dem Unternehmen bereits bekannt ist. So geben viele Banken Kreditkarten an bekannte Kunden ohne weitere Identifizierung aus. Allerdings lassen sich Kreditkartenkonten heute zunehmend auch als normale Konten zur Überweisung nutzen – für die Einrichtung solcher Konten ist in der Regel die Identifizierung notwendig. Auch Mobilfunkanbieter und andere vergleichbare Dienstleister lassen sich die Identität ihrer Kunden immer öfter bestätigen.

    Im alltäglichen Bankgeschäft erfolgt die Legitimation am Schalter. Der Kunde muss hier bei der Kontoeröffnung seinen Ausweis vorlegen. Da dies im Zeitalter elektronischer Kontoführung bei vielen Onlinebanken aber schon gar nicht mehr möglich ist, musste eine andere Möglichkeit gefunden werden, die Identität der Kunden zweifelsfrei zu prüfen. Mit Postident bot die Deutsche Post den Banken (und anderen Unternehmen) genau das. Gegen eine Gebühr, die in der Regel von der Bank übernommen wird, überprüft ein Mitarbeiter der Post die Identität des Kunden, sofern dieser einen entsprechenden Postident-Coupon vorlegt.

    Ablauf der Identifizierung

    Der eigentliche Ablauf des klassischen Verfahrens ist recht einfach. Der Kunde wendet sich mit dem Wunsch nach der Eröffnung eines Bankkontos an eine Bank. Diese übersendet dem Kunden dann (entweder postalisch oder online zum Ausdrucken) entsprechende Vertragsunterlagen zur Kenntnisnahme und Unterschrift. Hinzu kommt ein Postident-Coupon, mit dem der Kunde bei der Post seine Identität unter Vorlage des Personalausweises oder Reisepasses bestätigen lassen kann. Normalerweise werden die Unterlagen dann gemeinsam mit der Bestätigung der Identität übermittelt. Inzwischen gibt es aber auch Möglichkeiten zur Online-Durchführung, die aber nicht von allen Banken genutzt werden.

    1. Kunde beantragt Kontoeröffnung im Internet
    2. Bank übermittelt Vertragsunterlagen inklusive Postident-Coupon
    3. Kunde füllt Unterlagen und Coupon aus und geht mit beidem zur Post
    4. Mitarbeiter der Post überprüft Identität anhand der Ausweispapiere
    5. Mitarbeiter der Post bestätigt Identität auf dem Coupon
    6. Unterlagen werden zurück an die Bank geschickt
    7. Nach Erhalt der Unterlagen und erfolgreicher Identifikation wird das Konto eröffnet

    Diese Unterlagen werden benötigt

    Im Anschreiben der Bank (beziehungsweise des jeweiligen Dienstleisters) steht in der Regel genau beschrieben, welche Unterlagen zur Kontoeröffnung erforderlich sind.

    Normalerweise sind die folgenden Unterlagen mitzubringen:

    • Unterzeichnete Vertragsunterlagen (auf Vollständigkeit prüfen!)
    • Postident-Coupon, der vom Mitarbeiter der Post bearbeitet wird
    • Mitgelieferter Rückumschlag für die Rücksendung der Unterlagen an die Bank (sofern vorhanden)
    • Personalausweis oder Reisepass

    Achtung:

    Bei Reisepass und Personalausweis ist es wichtig, dass die Dokumente noch gültig sind. Achten Sie daher auf die Gültigkeitsdauer. Abgelaufene Ausweise werden nicht bestätigt.

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    Vorteile: Schnell und günstig

    Theoretisch lässt sich die Identität eines Kunden auch anders feststellen. Denkbar wäre zum Beispiel eine amtliche Beglaubigung der Dokumente, was aber mit entsprechenden Kosten verbunden wäre und in der Regel einen größeren Zeitaufwand erfordert als der einfache Gang zur nächsten Postfiliale.

    Manche Banken setzen inzwischen auch das Mittel der Videokonferenz ein, das dann ähnlich einem Schaltergespräch abläuft und die Online-Identifizierung des Kunden ermöglichen soll. Somit wäre eine Kontoeröffnung künftig ohne Zeitverzögerung möglich. Ganz auszuschließen sind Betrugsversuche per Video jedoch nicht, zumal auch der neue Personalausweis in seinen Möglichkeiten noch längst nicht voll ausgenutzt wird. Mit ihm wäre in Zukunft eine einfache und verlässliche Identifizierung im Onlinegeschäft problemlos machbar.

    Bis dahin stellt Postident eine einfache und verlässliche Methode dar, sich gegenüber einer Bank zu identifizieren. Sie ist für den Kunden kostenlos und abgesehen vom Gang zum Postschalter auch mit keinerlei Aufwand verbunden. Zudem wird in der Regel gleichzeitig die Übermittlung der Vertragsunterlagen abgewickelt, die der Kunde ohnehin zurückschicken müsste.

    Sehr beliebt ist das Verfahren überdies aufgrund des geringen Zeitaufwands. Die Wartezeit für die Durchführung beträgt normalerweise nur wenige Minuten. Wichtig ist allerdings, dass ein gültiger Personalausweis beziehungsweise Reisepass vorgelegt wird. Andernfalls kann das Verfahren nicht durchgeführt werden.

    Nachteile: Möglicher Missbrauch

    Obwohl Postident als relativ sicher gilt, gibt es auch Missbrauchsmöglichkeiten, die vor allem zum Nachteil des Kunden gehen können. Während der klassische Coupon zur Legitimierung kaum Missbrauchspotential bietet, können andere Verfahren aus Verbrauchersicht problematisch sein.

    So ist beispielsweise bei Postident Special, bei denen der Zusteller die Identifizierung übernimmt, teilweise auch die Übergabe von Dokumenten zur Unterschrift vorgesehen. Vielen Kunden ist nicht klar, dass sie hier nicht nur eine Empfangsbestätigung abgeben, sondern unter Umständen rechtsverbindliche Geschäfte eingehen. Diese Lücke wird von betrügerischen Firmen manchmal ausgenutzt, wenngleich die Post auch bemüht ist, dies zu unterbinden. So müssen die Unternehmen die zu unterzeichnenden Dokumente einmalig von der Post genehmigen lassen. Damit soll sichergestellt werden, dass das Unternehmen dem Verbraucher keine unzumutbaren Verträge vorlegt. Außerdem muss der Unterzeichner rechtzeitig im Voraus über die bevorstehende Identifizierung informiert werden, ferner muss er eventuelle Dokumente vorab zur Einsicht erhalten.

    Dennoch verhindern auch diese Maßnahmen nicht zwangsläufig, dass der Kunde Verträge unterschreibt, die er eigentlich nicht eingehen wollte, denn auch legale und von der Post abgesegnete Verträge können natürlich nachteilig für den Verbraucher ausfallen.

    Aufpassen bei Vertragsunterschrift

    Augen auf beim Unterschreiben von Verträgen! Auch wenn die Post die Zumutbarkeit der im „Special“-Verfahren übermittelten Dokumente einmalig überprüft, bedeutet dies nicht, dass der Kunde keine ungewollten Verpflichtungen eingehen kann! Wurden die Unterlagen nicht rechtzeitig im Voraus übermittelt oder unterscheidet sich das Exemplar von der Vorlage, sollten Sie keine Unterschrift leisten.

    Alternativen anderer Anbieter

    Obwohl Postident das bekannteste Verfahren zur Identifizierung ist, gibt es auch Angebote anderer Unternehmen. Nicht alle Verfahren sind zur Eröffnung eines Bankkontos geeignet, da sie nicht immer den Vorschriften des Geldwäschegesetzes entsprechen. Sie kommen dann in anderen Bereichen zum Einsatz. Hier eine kleine Übersicht über die Verfahren anderer Anbieter:

    ProduktAnbieterVerfahren
    Postident Basic Deutsche Post Identifikation am Schalter unter Vorlage des Ausweises
    Postident Comfort Deutsche Post Identifikation an der Haustür
    Identifikation Hermes Identifikation an der Haustür
    HomeIdent idB Identifikation an der Haustür
    ID-Pass Telekom Online-Abgleich von SCHUFA und Bankkonto
    Verify-U Cybits Online-Abgleich von SCHUFA und Bankkonto
    WebID Webid Solutions Identifikation per Videokonferenz
    LiveIDENT LiveIDENT Identifikation per Videokonferenz
    IDnow IDnow Identifikation per Videokonferenz
    KYC Shield Webshield Identifikation per Videokonferenz
    Online Ausweischeck Edentix Identifikation per Videokonferenz

    Anwendungsbereiche für das Postident-Verfahren

    Wie bereits erwähnt, dient es in erster Linie zur Identifikation von Kunden, die sich nach den Vorschriften des Geldwäschegesetzes gegenüber der Bank legitimieren müssen. Doch das ist nicht der einzige Grund für die Anwendung des Verfahrens. So gehen auch andere Dienstleister dazu über, Betrugsversuche durch die Nutzung von Postident oder ähnlichen Verfahren zu unterbinden.

    Besonders beliebt ist diese Methode beispielsweise bei Mobilfunkanbietern, die hochwertige Mobiltelefone und langfristige Verträge anbieten. Auch Festnetz- und Kabelanbieter führen manchmal eine solche Überprüfung durch. Zur besonderen Absicherung von Kunden und Dienstleistern findet die postalische Identifizierung aber inzwischen auch in vielen Branchen Anwendung, wo es rechtlich eigentlich nicht notwendig wäre. Hier dient das Verfahren meist nur als zusätzliches Sicherheitsmerkmal.

    Kosten und Dauer des Verfahrens

    Natürlich berechnet die Deutsche Post für Postident Gebühren. Doch für den Endkunden bleibt die Identifizierung in der Regel ohne Folgekosten, da die Bank beziehungsweise der Dienstleister die Gebühren für die Durchführung übernimmt. Schließlich wollen diese den Verbraucher als Kunden gewinnen und möchten ihm keine Zusatzkosten aufbürden, die ihm beim Gang zu einem Offline-Anbieter gar nicht erst entstehen würden.

    Die Post rechnet die Postident-Kosten normalerweise per Monatsrechnung mit dem Auftraggeber (also der Bank) ab, in der die jeweils erbrachten Leistungen aufgelistet werden. Dazu gehören neben der reinen Identifikation durch den Mitarbeiter natürlich auch etwaige Rücksendekosten. Bei den Verfahren „Comfort“ und „Special“ kann der Auftraggeber die Freimachung durch Frankieren selbst übernehmen.

    Die eigentliche Durchführung ist nicht besonders zeitaufwändig. Sofern der Kunde eine Filiale aufsuchen muss, beträgt die Wartezeit meist nur wenige Minuten. Die Verfahren, die an der Haustür abgewickelt werden, erfordern natürlich die Anwesenheit des Kunden. Ist dieser nicht anzutreffen, wird eine Benachrichtigung hinterlassen mit der Aufforderung, die Identifikation in der Postfiliale durchführen zu lassen. Dies muss innerhalb von sieben Werktagen geschehen, sonst werden die Unterlagen an den Absender zurückgeschickt.

    Da neben der eigentlichen Identifikation auch die Brieflaufzeiten berücksichtigt werden müssen, kann eine erfolgreiche Postident-Abwicklung einige Tage in Anspruch nehmen. Ohne gültige Ausweispapiere ist eine Identifikation in keinem Fall möglich!

    Bei den elektronischen Produkten erfolgt die Identifizierung online und kann ohne weitere Verzögerung vorgenommen werden.

    Die verschiedenen Varianten

    Die Post bietet verschiedene Varianten an, mit denen unterschiedliche Leistungen erbracht werden.

    Welches Verfahren zur Anwendung kommt, hängt von den Anforderungen ab. Da für eine Kontoeröffnung stets ein mit dem Geldwäschegesetz konformes Verfahren erforderlich ist, stehen hierfür derzeit nur die Varianten „Basic“, „Comfort“, „Trustcenter“ und „nPA“ zur Verfügung.

    Basic

    Da der Aufwand bei „Basic“ sowohl für Auftraggeber als auch für Kunden sehr gering ist, wird meist diese Variante genutzt.

    • Identifizierung natürlicher Personen
    • Durchführung durch Mitarbeiter einer Postfiliale
    • Konform mit dem Geldwäschegesetz

    Comfort

    Diese Variante erweitert das „Basic“-Verfahren um die Möglichkeit Dokumente mit zu übergeben.

    • Identifizierung natürlicher Personen
    • Durchführung durch Zusteller der Deutschen Post an der Haustür
    • Übergabe eines Kundenbriefs möglich
    • Konform mit dem Geldwäschegesetz

    Special

    „Special“ eignet sich hingegen für Unternehmen, die ihrerseits eine sichere Identifikation des Kunden wünschen, aber kein mit dem Geldwäschegesetz konformes Verfahren benötigen.

    • Identifizierung natürlicher Personen
    • Durchführung durch Zusteller der Deutschen Post an der Haustür
    • Einholung einer Kundenunterschrift unter individuellem Zusatztext möglich
    • Verfahren momentan nicht konform mit Geldwäschegesetz

    Trustcenter

    Das „Trustcenter“ ist eine Mischvariante.

    • Identifikation gemäß Vorgaben des Signaturgesetzes
    • Kombination von Basic und Special

    Postident eCheck

    Ähnliches wie für „Special“ gilt für „eCheck“ mit dem alten Personalausweis. Dieses Verfahren dient vor allem der Absicherung des Auftraggebers und ist durch seine Online-Verfügbarkeit für den Kunden bequem.

    • Online-Identifizierung neuer Kunden
    • Alter Personalausweis reicht aus
    • Abgleich mit Adressinformationen der Deutschen Post
    • Verfahren momentan nicht konform mit dem Geldwäschegesetz

    Postident nPA

    Die Geldwäschegesetz-Konformität ist online derzeit nur mit dem Verfahren „nPA“ (neuer Personalausweis) gegeben.

    • Online-Identifizierung neuer Kunden
    • Neuer Personalausweis wird benötigt
    • Konform mit Geldwäschegesetz

    Insgesamt gilt Postident als das Mittel der Wahl bei der unkomplizierten Eröffnung von Konten, wenn keine Bankfiliale aufgesucht werden kann. Beinahe alle Online-Banken bedienen sich dieser Methode.

    In Zukunft wird das klassische Verfahren jedoch vermutlich durch die Nutzung der Möglichkeiten des neuen Personalausweises abgelöst. Dann kann sich jeder Kunde online ausweisen, ohne dass ein weiterer Zwischenschritt durch den Besuch einer Postfiliale notwendig wird. Schon heute ist dies möglich, wird aber nicht von allen Instituten angeboten.

    Ob sich die Variante mit den Videokonferenzen durchsetzen wird, bleibt abzuwarten, denn auch hier drohen Sicherheitslücken. Denkbar ist eine Kombination aus Videokonferenz und Nutzung des neuen Personalausweises zur weiteren Absicherung der Verfahren.

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