Entwicklung des Rentenniveaus: Düsterer Ausblick?

Zuletzt aktualisiert am 16.03.2017

Die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland genoss seit vielen Jahrzehnten den Ruf, besonders verlässlich zu sein. Lange Zeit konnten sich Arbeitnehmer deshalb darauf verlassen, dass sie nach 45 oder weniger Arbeitsjahren einen unbesorgten Ruhestand genießen konnten. Allerdings sorgt ein stets sinkendes Rentenniveau inzwischen dafür, dass auch diejenigen, die 45 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben, nicht mehr ausreichend hohe Renten erhalten.

Inhaltsverzeichnis

    Für die Entwicklung des Rentenniveaus wird allgemein der Zeitraum zwischen 1990 und heute betrachtet. Damals lag das Rentenniveau in Deutschland auf 55 Prozent. Seither ist es kontinuierlich gesunken. Prognostiziert wird ein Rentenniveau von 43 Prozent im Jahr 2030.

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    Verschiedene Ursachen für die Entwicklung

    Je nach Betrachter gibt es für die schlechte Entwicklung des deutschen Rentenniveaus verschiedene Ursachen. Vor allem Sozialverbände sehen einen entscheidenden Grund in der Durchführung mehrerer Reformen. So wurde mit dem Rentenversicherungs-Nachhaltigkeitsgesetz im Jahr 2004 beschlossen, das Rentenniveau im Jahr 2020 auf 46 und im Jahr 2030 auf 43 Prozent zu senken.

    Neben der Anpassung der Rente nach unten spielt auch die Rentenanpassungsformel für manche Gruppen eine wichtige Rolle bei der Beurteilung des Rentenniveaus. Im Jahr 2001 wurden zum Beispiel die Faktoren „Riester-Faktor“ und „Nachhaltigkeitsfaktor“ eingeführt. Sie sollten das Rentenniveau besser berechnen können, führten jedoch in den Augen von Sozialverbänden dazu, dass sich die Rente nicht mehr analog zur Lohnentwicklung anpasst.

    Ein wichtiger Grund für die sinkenden Renten wird im sogenannten „demografischen Wandel“ gesehen. Die Gesellschaft wird immer älter und somit sinkt die Zahl der arbeitenden Bevölkerung, die in die Rentenkasse einzahlt. Dagegen steigt die Zahl derer, die Rente erhalten.

    In der Kritik steht auch die einst von der Bundesregierung eingesetzte Reform der „Agenda 2010“. Im Zuge dieser Reform hat ein tiefgreifender sozialer Wandel stattgefunden, der zu weniger sozialversicherungspflichtigen Jobs geführt hat. Zugleich beziehen seither viele Menschen das Arbeitslosengeld II. Die Sozialausgaben sind somit gestiegen, zugleich die Einzahlungen in die Rentenkasse gesunken.

    Reaktionen auf sinkendes Rentenniveau

    Von staatlicher Seite wurde bereits reagiert und das Renteneintrittsalter im Zuge des Rentenversicherungs-Altersgrenzenanpasssungsgesetzes von 63 Jahren auf 67 Jahre erhöht. Dadurch soll erreicht werden, dass die Versicherten länger in die Rentenkasse einzahlen und so das Sinken der Renten verhindern.

    Formen und Formeln für das Rentenniveau

    Wenn von Rentenniveau gesprochen wird, ist in der Regel das Standardrentenniveau gemeint. Es bezieht sich auf das Verhältnis zwischen einer Standardrente und dem durchschnittlichen Jahreseinkommen eines Arbeitnehmers im gleichen Jahr. Die Standardrente basiert auf der Regelaltersrente und beinhaltet 45 Entgeltpunkte.

    Für die Berechnung des Standardrentenniveaus wurde bis 2004 das Nettorentenniveau nach Steuern genutzt. Seit 2005 wird das Nettorentenniveau vor Steuern angesetzt, um die nachgelagerte Besteuerung der Rentenzahlungen zu berücksichtigen.

    • Brutto-Rentenniveau: Beim Bruttorentenniveau wird die Standardrente als Bruttorente im Verhältnis zum Standard-Bruttolohn berechnet.
    • Netto-Rentenniveau: Bei der Nettorente werden von der Standardrente sowie dem Durchschnittseinkommen die Sozialabgaben abgezogen. Zu den Sozialabgaben gehören Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Darüber hinaus wird der durchschnittliche Aufwand für die private Altersvorsorge berücksichtigt.

    Was sagt das Rentenniveau aus?

    Das Rentenniveau sagt aus, in welchem Verhältnis die Rentenzahlung zum erzielten Lohn steht. Liegt das Rentenniveau zum Beispiel bei 50 Prozent, können Arbeitnehmer davon ausgehen, dass sie bei vollen Beitragsjahren 50 Prozent ihres einstigen Nettolohns vor Steuern als Rente erhalten.

    Private Altersvorsorge immer wichtiger

    Das konstant sinkende Rentenniveau bedeutet für Angestellte, dass sie selbst bei vollen 45 Beitragsjahren keine ausreichende Rente mehr erhalten, um ihren Lebensunterhalt angemessen zu bestreiten. Es droht für viele Rentenempfänger die Altersarmut, obwohl sie mehr als vier Jahrzehnte gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt haben. Die private Altersvorsorge wird aus diesem Grund nicht nur für Selbständige immer wichtiger.

    Diese Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge gibt es:

    • Riester-Rente: Bei dieser privaten Altersvorsorge erhalten Sparer jedes Jahr einen staatlichen Zuschuss sowie Steuervorteile. Voraussetzung für die Riester-Rente ist, dass der Verbraucher einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgeht, in die Sozialkasse einzahlt, Soldat oder Beamter ist.
    • Rürup-Rente: Diese private Altersvorsorge wird ebenfalls staatlich unterstützt und bietet sich für Selbständige an. Alleinstehende können bis zu 82 Prozent vom Maximalbetrag von 22.766 Euro pro Jahr und Verheiratete 82 Prozent von 45.532 Euro pro Jahr als Sonderausgaben geltend machen. Ab dem Jahr 2030 sollten die Ausgaben komplett von der Steuer abgesetzt werden können.
    • Private Lebensversicherungen: Private Lebensversicherungen können die Versorgungslücke im Alter schließen. Allerdings liegt deren Verzinsung aktuell auf einem sehr niedrigen Niveau. Im Rentenalter können sich Versicherte entweder einen Einmalbetrag oder eine Rente auszahlen lassen. Höhere Zinserträge sind bei fondsgebundenen Lebensversicherungen möglich.
    • Private Rentenversicherungen: Diese besonderen Rentenversicherungen werden bei einer Bank oder einem Versicherungsunternehmen abgeschlossen. Die Verzinsung ist ebenso niedrig wie bei Kapitallebensversicherungen. Wie bei Lebensversicherungen sind fondsgebundene Rentenversicherungen ertragreicher.
    • Betriebliche Altersvorsorge: In Deutschland haben Arbeitnehmer das Recht, dass sie ihr Arbeitgeber bei der betrieblichen Altersvorsorge unterstützt. Dabei zahlt der Arbeitgeber eine Betriebsrente, die vom Bruttogehalt abgezogen wird. Wer diese Rentenform in Anspruch nimmt, muss mit einer nachgelagerten Besteuerung sowie möglichen Förderungen für Krankenversicherung und Pflegeversicherung in der Auszahlungsphase rechnen.
    • Immobilien: Immobilien gelten heute als sichere Möglichkeit, um fürs Alter vorzusorgen. Die stabile Preisentwicklung von Immobilien verspricht deutlich höhere Renditen als bei vergleichbaren Altersvorsorgeprodukten. Möglich ist es, diese Vorsorge über eine Baufinanzierung zu starten.
    • Geldanlage: Verbraucher können in Fonds oder Aktien investieren, um ihre Altersvorsorge privat zu organisieren. Einige Banken bieten hierfür spezielle Fondssparpläne an.
    • Edelmetalle: Eine weitere Möglichkeit ist, die Altersvorsorge über den Kauf von Edelmetallen wie Gold zu finanzieren.

    Zukunftsausblick für das Rentenniveau

    Laut Berechnungen des Bundessozialministeriums wird das Niveau der gesetzlichen Rente in den kommenden Jahrzehnten deutlich absinken. Sollte das Rentenniveau dennoch auf den im Jahr gültigen 47,8 Prozent gehalten werden, müsste der Staat viele Milliarden investieren. Es stehen Zahlen im Raum, die sich in der Größenordnung von 40 Milliarden Euro bewegen. Damit wäre allein nur der Unterschied zum bisherigen Rentenniveau abgedeckt.

    Bei gleicher Einzahlung wird es sich jedoch im Jahr 2045 auf nur noch 41,6 Prozent verringert haben, wenn den Prognosen des Bundessozialministeriums Glauben geschenkt werden soll. Bisherige Berechnungen reichten immer nur bis zum Jahr 2030.

    Um das heutige Rentenniveau bis 2045 zu halten, müssten die Beiträge zur Rentenversicherung laut Sozialministerium auf 26,4 Prozent steigen. Allerdings wäre eine solche Steigerung nur mit einer Gesetzesänderung zu erzielen, da die bisherige Beitragshöhe auf 22 Prozent bis 2030 festgeschrieben wurde.

    Der Staat sieht sich beim Rentenniveau in Zukunft einer weitere Zwickmühle gegenüber. So darf das Niveau laut Gesetz bis 2020 nicht unter 46 Prozent fallen. Im Jahr 2030 dürfen 43 Prozent nicht unterschritten werden.

    Sozialverbände hingegen fordern, dass die Bundesregierung stattdessen versuchten sollte, das Niveau auf mindestens 50 Prozent anzuheben. Verschiedene Parteien wollen sogar noch höhere Quoten erzielen.

    Gründe für die düsteren Prognosen

    Das deutsche System der gesetzlichen Rentenversicherung ist solidarisch aufgebaut. Es ist so konzipiert, dass die arbeitende Bevölkerung die Rentner unterstützt. Da in Deutschland jedoch ein demografischer Wandel eingesetzt hat und die Bevölkerung immer älter wird, gibt es immer weniger Arbeitnehmer, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.

    Darüber hinaus wurden in den letzten Jahren immer weniger rentenversicherungspflichtige Jobs geschaffen, wodurch die Rentenkasse ebenfalls weniger gefüllt wurde. Zugleich spielt die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank eine Rolle. Denn die angelegten Gelder für die Rente können nicht so viel Rendite erzielen wie bisher.

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