TÜV überziehen: Was kann passieren?

Zuletzt aktualisiert am 16.03.2017

Spätestens alle zwei Jahre ist in der Regel Zeit für die nächste Hauptuntersuchung. Aufgrund der langen Zeitspanne verschwitzen viele Autobesitzer den Termin für die Hauptuntersuchung. Je nach Länge des Fristversäumnisses können die Folgen von einem Bußgeld, über Punkte in Flensburg bis hin zu Regressforderungen der Versicherung im Schadensfall reichen.

Inhaltsverzeichnis

    Wer vergisst, sein Auto rechtzeitig zum TÜV zu bringen, hat zwei Monate Kulanz. In dieser Zeit ist der TÜV überfällig und Sie sollten Ihren Wagen dringend bei der HU vorführen, um Bußgelder oder Aufschläge beim TÜV zu vermeiden.

    Prüfplakette wird nicht zurückdatiert

    Auch wenn Sie die zweimonatige Kulanz beim TÜV voll ausreizen, wird die Prüfplakette nicht zurückdatiert. Als Richtwert gilt der versäumte Termin.

    Das droht bei einem Versäumnis der HU

    1. Aufschlag von 20 Prozent bei den Kosten für die HU.
    2. Warngeld, Bußgeld und/oder Punkte in der Verkehrssünderkartei in Flensburg.
    3. Regress der Kfz-Versicherung im Schadensfall.

    Erweiterte Prüfung bei Fristversäumnis

    Wer sein Fahrzeug nicht fristgerecht beim TÜV, der DEKRA oder einer anderen Prüforganisation vorführt, kann hoffen, dass der Verstoß nicht an die Behörden gemeldet wird. Dadurch spart sich der säumige Autofahrer zwar das Bußgeld. Allerdings muss er bei einem Fristversäumnis von mehr als zwei Monaten damit rechnen, dass die Prüfer eine höhere Gebühr verlangen.

    In diesem Fall muss nämlich die sogenannte „erweiterte Prüfung“ durchgeführt werden. Dadurch erhöhen sich die TÜV-Kosten um 20 Prozent. Sind als bei fristgerechter Vorführung knapp 100 Euro für die HU und AU fällig, müssen Sie bei Fristüberschreitung von mehr als zwei Monaten mit Kosten in Höhe von 120 bis 130 Euro rechnen.

    Bußgeld und Punkte in Flensburg

    Jeder Autofahrer kann den fälligen TÜV-Termin um bis zu zwei Monate überschreiten, ohne dass von behördlicher Seite Sanktionen drohen. Sind jedoch mehr als zwei Monate seit der Fälligkeit verstrichen, drohen folgende Sanktionen, die bis zu einem Punkt in Flensburg reichen können.

    Was? Vergehen Bußgeld Punkte
    HU Frist 2 bis 4 Monate überschritten 15 Euro Keine
    HU Frist 4 bis 8 Monate überschritten 25 Euro Keine
    HU Frist > 8 Monate überschritten 60 Euro 1
    AU Frist 2 bis 4 Monate überschritten 15 Euro Keine
    AU Frist 4 bis 8 Monate überschritten 25 Euro Keine
    AU Frist > 8 Monate überschritten 60 Euro 1

    Ein Punkt mag noch sehr wenig erscheinen. Wer allerdings schon einige Punkte in Flensburg gesammelt hat, kann durch eine Fristüberschreitung von mehr als acht Monaten beim TÜV einen temporären Führerscheinentzug riskieren. In diesem Fall müssen Autofahrer mit weit höheren Kosten rechnen.

    Versicherungsschutz bei abgelaufenem TÜV

    Wer sein Fahrzeug ohne gültige TÜV-Plakette im Straßenverkehr bewegt und einen Unfall verursacht, muss befürchten, dass er keinen Versicherungsschutz hat. Ob dies auch bei Ihnen der Fall ist, können Sie in der Versicherungspolice Ihrer Autoversicherung nachlesen.

    Manche Versicherungen bieten jedoch auch ohne gültigen TÜV eine Absicherung bei Unfällen an. Wenn jedoch im Rahmen eines Gutachtens festgestellt wird, dass der Unfall in Folge eines Mangels entstanden ist, der durch eine TÜV-Prüfung entdeckt worden wäre, müssen Fahrer mit Regressforderungen rechnen.

    In diesem Fall hat der Fahrer in den Augen der Versicherung fahrlässig einen Unfall verursacht. In vielen Policen sind fahrlässig verursachte Schäden nicht abgedeckt. Die Schadensregulierung wird dann von der Versicherung überhaupt nicht oder nur anteilig übernommen.

    Kostenloser Erinnerungsservice

    Um Unklarheiten beim Versicherungsschutz ohne TÜV zu vermeiden, nehmen Sie die HU fristgerecht wahr. Viele Autowerkstätten bieten übrigens einen kostenlosen Erinnerungsservice. Kurz vor dem fälligen Monat werden Sie an die HU erinnert und können sofort einen Termin vereinbaren.

    Was ist überhaupt der TÜV?

    Als „Technische Überwachungsvereine“, kurz TÜV, werden in Deutschland eingetragene Vereine bezeichnet, die hoheitliche Aufgaben für den Staat übernehmen. Dabei handelt es sich in der Regel um Sicherheitsprüfungen verschiedener Art.

    Viele dieser Prüfungen wie zum Beispiel die Hauptuntersuchung bei Fahrzeugen beruht auf staatlichen Gesetzen, werden jedoch von den jeweiligen TÜV-Organisationen auf privatwirtschaftlicher Basis durchgeführt. Die Hauptuntersuchung des TÜV gehört zu den bekanntesten Aufgaben der Prüforganisation. Deshalb wird sie umgangssprachlich auch als „TÜV-Prüfung“ bezeichnet.

    Verschiedene TÜV in Deutschland

    Der TÜV als Marke hat sich aus den in der Mitte des 19. Jahrhunderts etablierten Dampfkessel-Überwachungs- und Revisions-Vereinen (DÜV) entwickelt. Diese privatwirtschaftlichen Einrichtungen wurden zur Prüfung und zur Einhaltung staatlicher Sicherheitsvorgaben für Dampfmaschinen eingeführt. Neu war dabei, dass es keine staatlichen Organisationen, sondern Vereine waren, die diese Aufgaben übernommen hatten.

    Heute gibt es drei TÜV-Holdings mit dem TÜV Süd, TÜV Rheinland und TÜV Nord. Daneben existieren der TÜV Thüringen und der TÜV Saarland unabhängig von diesen Konzernen. Ursprünglich war die Arbeit der jeweiligen TÜV auf eine Region beschränkt.

    Heute testen die Prüforganisationen Geräte, Maschinen oder sogar Online-Shops in ganz Deutschland, unabhängig von ihrer Regionalbezeichnung. Ein gängiges Zertifikat, das die geprüfte Sicherheit von Geräten oder anderen Produkten garantiert ist das Siegel „TÜV geprüft“.

    Prüfstellen des TÜV gibt es in nahezu jeder Stadt in Deutschland. Die Preise für die Untersuchungen können dabei zwischen den jeweiligen Prüforganisationen variieren.

    Alternative Prüforganisationen

    Seit der Einführung der Hauptuntersuchung im Jahr 1951 in Deutschland hatte der TÜV das Monopol auf die Kontrolle der Fahrzeuge. Heute gibt es jedoch noch zahlreiche andere offiziell anerkannte Prüforganisationen, welche die Hauptuntersuchung durchführen dürfen. All diese Organisationen vergeben nach erfolgreicher Prüfung ebenfalls die neue Prüfplakette. Die Preise für die HU unterscheiden sich in der Regel nur marginal von den Preisen des TÜV.

    • DEKRA: Die DEKRA wurde im Jahr 1925 als Deutscher Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein gegründet. Heute zählt das Unternehmen zu den größten Prüfgesellschaften der Welt. An mehr als 400 Stellen führt die DEKRA die Hauptuntersuchung in Deutschland durch.
    • GTÜ: Die Gesellschaft für Technische Überwachung aus Stuttgart existiert seit 1981. Neben Unfallgutachten sowie Anlagenzertifizierungen übernimmt die GTÜ seit 1990 auch die Hauptuntersuchung bei Fahrzeugen.
    • KÜS: Die Kraftfahrzeugs-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e.V. (KÜS) hat ihren Sitz im Saarland. Gegründet im Jahr 1980 darf die KÜS seit 1993 auch die Hauptuntersuchung nach § 29 der Straßenverkehrszulassungsordnung durchführen.
    • FSP: Die FSP GmbH & Co. KG wurde 1990 in Schwielowsee gegründet. Erstmals erhielt die Prüforganisation 1993 die Zulassung zur Durchführung der HU in Berlin. Seither folgten alle weiteren Bundesländer. Heute unterhält das Unternehmen mehr als 1.500 Prüfstützpunkte in Deutschland.

    Kosten für eine HU beim TÜV

    Die Kosten für eine HU bei einem PKW inklusive Abgasuntersuchung betragen in der Regel knapp 100 Euro. Dabei können Abweichungen von 10 Euro zwischen den jeweiligen TÜV-Holdings sowie zwischen DEKRA oder anderen Prüforganisationen bestehen. Gleiches gilt für die HU ohne AU. Hier müssen Sie mit Kosten von circa 65 Euro rechnen. Für Krafträder müssen Sie bei der HU mit AU rund 65 Euro bezahlen, während ohne AU ungefähr 45 Euro fällig werden.

    Zum Auffrischen: TÜV-Plakette

    Die Prüfplakette, auch TÜV-Plakette genannt, wird nach jeder erfolgreichen HU auf dem hinteren Kennzeichen montiert.

    Haben die Prüfer etwas zu beanstanden, wird keine Prüfplakette ausgegeben. Stattdessen erhalten Sie eine Mängelliste, die innerhalb einer Frist von einem Monate behoben werden muss. Danach führen Sie Ihr Fahrzeug erneut vor. Gibt es nichts zu beanstanden, erhalten Sie eine aktuelle Prüfplakette.

    Das können Sie an der Plakette ablesen

    In der Mitte der TÜV-Plakette steht das Jahr der nächsten TÜV-Prüfung. Auf der runden Plakette sind Zahlen von eins bis zwölf abgebildet. Die Zahl die auf der 12-Uhr-Stellung steht, gibt den Monat der nächsten HU-Prüfung an.

    Jedes Jahr werden die Prüfplaketten in einer neuen Farbe ausgegeben. Auf diese Weise haben Behörden bei Kontrollen oder sogar im Vorbeifahren die Möglichkeit, schnell zu prüfen, ob der TÜV abgelaufen ist.

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