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Aktien kaufen für Anfänger: Ein Überblick

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 28.07.2016

Spätestens seit den Börsencrashs des 21. Jahrhunderts haben Aktien nicht das beste Image bei Kleinanlegern. Richtig gewählt stellen Sie jedoch eine solide Anlageform dar, die anders als gängige Sparkonten gute Renditechancen bietet. Das Risiko ist zwar etwas höher, da Aktien grundsätzlich Kurschwankungen unterliegen, kann aber durch einen langfristigen Anlageplan und ein möglichst breit gestreutes Portfolio herabgesetzt werden.

Nicht jeder Kleinanleger kommt als Aktieninvestor infrage, einige Grundbedingungen sollten erfüllt sein, darunter Schuldenfreiheit und eine halbwegs gelassene Persönlichkeit. Wer Aktien kaufen will, hat mehrere Optionen – ein Depot bei einer Direktbank gehört zu den günstigsten und bequemsten Alternativen. Der eigentliche Aktienkauf geht auf solchen Portalen vergleichsweise einfach vonstatten.

Das Spekulieren mit Aktien einzelner Unternehmen ist recht schwierig, Anfänger sollten daher eher auf Fonds mit breiter Risikostreuung, beispielsweise Indexfonds, zurückgreifen. Diese Aktienpakete haben sich in der Vergangenheit als recht sichere Anlageform bewährt.

Warum Aktien kaufen?

Das Thema Aktien ist insbesondere in Deutschland oftmals schwierig. Während der Aktienbesitz beispielsweise in den USA nicht unüblich ist, haben viele hierzulande viele Menschen Vorbehalte gegenüber den Wertpapieren und zögern beim Kauf. Nicht wenige Kleinanleger denken bei Begriffen wie Aktien und Börse zunächst an Spekulation und hohes Risiko – nicht aber an eine seriöse Geldanlage, die vor allem auf lange Sicht gute Renditen abwerfen kann. Doch genau dies können Aktien leisten.

Eine Aktie ist kein Kasino-Chip (auch wenn es in der Börsensprache durchaus Kasino-Metaphern gibt), sondern eine Beteiligung an einem existierenden Unternehmen. Auch wenn es nur im kleinen Rahmen geschieht: Durch den Kauf von Aktien werden Sie zum Miteigentümer einer Aktiengesellschaft (AG), erhalten unter anderem Einladungen zur Hauptversammlung und haben somit theoretisch ein Mitspracherecht bei Unternehmensentscheidungen.

Dementsprechend werden Sie sowohl bei Gewinnen als auch bei Verlusten in die Pflicht genommen. Geht es dem Unternehmen gut, profitieren Sie ebenso: Der Kurs steigt, Ihr Anteil an dem Unternehmen wird wertvoller, auch die jährliche Gewinnauszahlung in Form einer Dividende erhöht sich möglicherweise. Geht es dem Unternehmen weniger gut, sinkt der Kurs, bei einem etwaigen Konkurs kann die Aktie gar wertlos werden.

Grundregeln bei der Investition in Wertpapiere

Wenn Sie Aktien kaufen wollen, sollten Sie darauf achten, Wertpapiere in einer ausgewogenen Mischung unterschiedlicher Unternehmen zusammenzustellen, das Portfolio also zu diversifizieren. Das Risiko der Investition wird so reduziert.

Setzen Sie beispielsweise ausschließlich auf Aktien von Energiekonzernen, kann es passieren, dass Ihr Aktien-Portfolio massiv an Wert verliert, wenn es der Energiebranche wirtschaftlich schlecht geht – angesichts der angestrebten Energiewende kein unwahrscheinliches Szenario. Ebenso essenziell ist eine langfristige Anlage. Je länger Sie Aktien halten, desto besser sind die Renditeaussichten, da die Chance, etwaige Kurzverluste auszugleichen auf lange Sicht steigt.

Ein Fallbeispiel des Deutschen Aktieninstituts zeigt, warum sich Langfristigkeit rentiert: Angenommen, Sie besäßen Aktien der 30 größten deutschen Unternehmen, die an der Börse notiert sind – also die Unternehmen, aus denen sich der DAX zusammensetzt. Bei einer fünfzehnjährigen Laufzeit hätte sich eine solche Anlage seit 1965 immer rentiert – egal, zu welchem Zeitpunkt Sie eingestiegen wären. Es ist selbstverständlich nicht sicher, dass dieser Trend langfristig weiter anhält – aber sehr wahrscheinlich.

Im Gegensatz zu festverzinslichen Anlageformen bestehen bei Aktien keine Renditegarantie und ein gewisses Risiko aufgrund von Kursschwankungen. Die Sicherheit von Sparkonten, wie beispielsweise Festgeld- und Tagesgeldkonten, geht allerdings zu Lasten der Rendite. In Niedrigzinsphasen sind die Zinsen bei diesen Anlageformen so niedrig, dass gerade einmal die Inflation ausgeglichen werden kann.

Aktien können daher eine sinnvolle Ergänzung zu Sparanlagen sein, die es ermöglichen, Vermögen aufzubauen, statt es nur zu halten. Allerdings sollten Sie möglichst nicht Ihr gesamtes Vermögen in Wertpapiere stecken, sondern über verschiedene Anlageformen streuen, um das Verlustrisiko gering zu halten.  Mehr zu den Punkten Diversifikation und Langfristigkeit finden Sie im Abschnitt „Welche Aktien kaufen? Tipps und Hinweise“.

Vor dem Aktienkauf: Die eigene Situation analysieren

Ehe Sie sich ins Aktiengeschäft begeben, sollten Sie einige Grundfragen für sich beantworten. Denn: Nicht jeder ist für den Aktienhandel geeignet. Aktien kommen in der Regel nur dann als Anlage infrage, wenn Sie:

  1. Das Geld, das Sie anlegen möchten, über einen längeren Zeitraum nicht benötigen – mindestens zehn Jahre. Je länger Sie die Anlage halten, desto sicherer ist sie.
  2. Frei von Schulden sind.
  3. Eine gelassene Persönlichkeit haben. Denn das Auf und Ab an der Börse kann belastend sein, wer beim ersten Wertverlust seiner Aktien panisch verkauft, wird mit Aktien kaum Renditen erzielen. Sie müssen in der Lage sein, Kurschwankungen auszuhalten.

Welcher Anlegertyp bin ich?

In der Finanzberatung wird zwischen verschiedenen Anlegertypen unterschieden. Meist werden diese in vier Risikoklassen eingestuft, möglich, aber weniger verbreitet, sind Modelle mit drei oder sechs Klassifizierungen. Die Bezeichnungen der einzelnen Risikoklassen variieren teilweise, letztendlich liegt der Unterschied jedoch nur im Namen. Der Anlegertyp spiegelt die grundsätzliche Risikobereitschaft eines Anlegers wider. Daraus ergeben sich bestimmte Anlageempfehlungen. Denn nicht jede Anlageform ist für jeden Typ geeignet. So wird sehr sicherheitsorientierten Anlegern beispielsweise in der Regel von börsengehandelten Werten wie Aktien abgeraten.

AnlegertypAnlagezielGeeignete Anlagenformen (Beispiel)
Sicherheitsorientiert
(auch: Substanzorientiert)
  • Stetige Wertentwicklung
  • Sichere Erträge
Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld, Bausparverträge Bundeswertpapiere
Konservativ
(auch: Ertragsorientiert)
  • Höhere Erträge
  • Mögliche Kursgewinne
Rentenfonds, festverzinsliche Wertpapiere, Industrieanleihen
Gewinnorientiert
(auch: Wachstumsorientiert)
  • Kapitalzuwachs
  • Erträge über dem üblichen Zinsniveau
Aktien stabiler Indizes (z.B. DAX-Werte), deutsche und europäische Aktienfonds & Rentenfonds
Chancenorientiert
(auch: Risikobewusst)
  • Überdurchschnittlich hohe Erträge
Aktien, Derivate, Optionsgeschäfte

Für sicherheitsorientierte und konservative Anleger empfiehlt es sich nicht, Aktien zu kaufen.

Gewinnorientierte Anleger sollten bei Ihrer Anlagestrategie auch langfristigere Aktienanlagen berücksichtigen.

Für chancenorientierte Anleger gibt es kaum Einschränkungen. Für sie kann unter Umständen gelegentliches Trading, also das Kaufen und Wiederverkaufen von Wertpapieren innerhalb eines relativ engen Zeitfensters eine Option sein. Mehr über diese spekulative und daher sehr risikoreiche Form des Investments erfahren Sie im Ratgeber Trading.

Wie und wo Aktien kaufen?

Um Aktien kaufen zu können, brauchen Sie ein Depot, in dem Ihre Aktien abgelegt werden. Es ist im Grunde also ein weiteres Konto, das Sie beispielsweise neben Ihrem Girokonto führen. Ein Depot können Sie bei Direktbanken und teilweise auch bei Filialbanken eröffnen. Online-Broker, die sich im Gegensatz zu Banken ausschließlich auf den Wertpapierhandel konzentrieren, bieten ebenfalls Depots an.

Sowohl Depotöffnung als auch Depotmanagement können bequem über das Internet erledigt werden, beispielsweise bei einer Direktbank oder bei einem Online-Broker. Aufgrund verschärfter gesetzlicher Auflagen und dem daraus resultierenden hohen Beratungsaufwand haben sich viele Filialbanken aus dem Aktiengeschäft für Privatkunden zurückgezogen. Ihre Hausbank bietet also möglicherweise kein Depot an. Anbieter von Depots fungieren üblicherweise auch als Broker, das heißt, Sie kaufen und verkaufen Aktien nach Ihrem Auftrag. Selbst handeln können Sie als Privatperson an der Börse nicht, weder online noch direkt von Ort, beispielsweise in Frankfurt.

Üblicherweise fallen für diese sogenannten Orders Gebühren an, die von Anbieter zu Anbieter variieren können. Generell ist die Gebühr pro Order bei Filialbanken höher als bei Online-Anbietern. Manche Online-Broker bieten eine Art Flatrate an, bei der eine bestimmte Anzahl von Orders inklusive ist. Auch für das Depot erheben die meisten Filialbanken Gebühren, während dies online häufig kostenlos erhältlich ist. In einem Punkt sind Filialbanken der Online-Konkurrenz jedoch in der Regel überlegen: Sie können individuelle Beratung anbieten, was insbesondere für Aktien-Einsteiger von Bedeutung sein kann.

Kurzvergleich: Online- und Filialdepot

 OnlineFiliale
Schnelligkeit Sehr gut Ausreichend
Bequemlichkeit Sehr gut Befriedigend
Gebühren Niedrig bis mittel Mittel bis hoch
Beratungen Ausreichend Sehr gut
Sicherheit Befriedigend (Online/Telefon) Sehr gut

 

Tipp:Lesen Sie mehr im FinanceScout24-Ratgeber Online Broker

Ausführliche Informationen zum Thema Online Broker und der Wahl eines geeigneten Anbieters finden Sie im Online Broker Ratgeber.

Aktien online kaufen: Eine beispielhafte Anleitung

Nachdem Sie ein Depot eingerichtet haben, geht es an den eigentlichen Kauf der Aktie.

Die folgenden Schritte sind in der Regel notwendig, wenn Sie Aktien online kaufen möchten.

  1. Zuerst legen Sie fest, welche Aktie Sie kaufen möchten. Aktien werden über Nummern identifiziert. Sie benötigen die sechsstellige Wertpapierkennnummer (WKN) für Deutschland oder die zwölfstellige ISIN-Nummer für Auslandsgeschäfte. Die jeweiligen Nummern finden Sie auf Finanz-Internetseiten oder in der Tageszeitung.
  2. Um die Stückzahl zu bestimmen, teilen Sie den Betrag, den Sie bereit sind zu investieren, durch den aktuellen Kurs der favorisierten Aktie. Etwaige Gebühren für die Order und die Börse sowie Bankprovisionen müssen mit eingerechnet werden.
  3. Rufen Sie die Seite Ihres Online-Brokers auf, loggen Sie sich ein und navigieren Sie zur Wertpapier-Kauf-Seite.
  4. Hier wählen Sie nun Ihr Depot aus, geben die Wertpapierkenn- oder ISIN-Nummer ein und legen fest, wie viele Papiere Sie kaufen möchten.
  5. Zudem suchen Sie sich aus, welche Börse Sie für den Kauf nutzen möchten. Beachten Sie, dass sowohl der Kurswert der Aktie sowie die Gebühren für den Börsenplatz unterschiedlich sein können.
  6. Nun müssen Sie angeben, wie Sie die Order ausführen möchten: Billigst bedeutet, dass der Broker den nächsten handelbaren Kurs verwendet. Da Sie keinen Einfluss haben auf den Kurs, empfiehlt sich gerade für Kleinleger hier die Option Limit. Mit dieser legen Sie fest, wie viel Sie höchstens für eine Aktie bezahlen möchten. Weiterhin können Sie festlegen, wie lange Ihre Order gültig ist.
  7. Der Betrag für den Kauf der Aktie wird nun von Ihrem Verrechnungskonto abgebucht, das an Ihr Depot gekoppelt ist.

Welche Aktien kaufen? Tipps und Hinweise

Die wichtigsten Punkte für Aktienanfänger sind entsprechend die eingangs bereits erwähnte Langfristigkeit der Anlage sowie die Risikostreuung:

Verteilen Sie Ihr Kapital statt auf eines auf möglichst viele und gesunde Unternehmen. Wählen Sie dazu idealerweise Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen sowie aus verschiedenen Ländern – neben Ländern mit einer stabilen Wirtschaft wie Deutschland und der EU können unter Umständen können auch Papiere aus Schwellenländern mit großem Wachstumspotenzial ein interessantes Investment sein. Auf diese Weise werden Kursschwankungen besser kompensiert.

Tipp:Musterdepot anlegen

Einige Banken und Online-Broker bieten Musterdepots an, mit denen Sie ohne Risiko den Aktienhandel erst einmal spielerisch üben können. Schauen Sie sich im Netz nach solchen Angeboten um.

Aktien kaufen für Anfänger: Aktienfonds

Wenn Sie gerne Börsenwerte investieren möchten, aber Ihnen die aktive Auseinandersetzung mit den Märkten zu aufwendig ist, sind Aktienfonds meist eine gute Alternative. Dabei stellt ein professioneller Fondsmanager Aktien, von denen er eine gute Entwicklung erwartet, zu Aktienpaketen zusammen. Sie kaufen dabei üblicherweise keine Aktien, sondern Anteile an diesen Fonds. Nachteil dieser stressfreieren Form des Wertpapierhandels ist, dass die Arbeit des Fondsmanagers natürlich bezahlt werden muss – bei diesen sogenannten aktiv gemanagten Fonds fallen daher vergleichsweise hohe Gebühren an.

Günstiger und insbesondere für Anfänger, die erstmals mit Aktien handeln, nachvollziehbarer sind sogenannte börsengehandelte Indexfonds, auf Englisch als Exchange Traded Funds, kurz ETFs, bezeichnet. Die Zusammensetzung dieser Fonds bildet einen Börsenindex wie beispielsweise den DAX nach. Das bedeutet, wenn Sie einen DAX-ETF besitzen verläuft seine Wertentwicklung analog zur Kursentwicklung des DAX. Aufgrund ihrer vielseitigen Zusammensetzung gelten Indexfonds als vergleichsweise risikoarmes Investment.

Zudem fallen für diese passiv gemanagten Fonds deutlich geringere Gebühren an. Da die Zusammensetzung durch den Index vorgegeben ist, wird hier zum einen kein aktiver Fondsmanager benötigt, der die Märkte permanent beobachtet und auf Veränderungen mit Käufen oder Verkäufen reagiert. Da sich die Zusammensetzung des zugrundeliegenden Indizes nur selten ändert, werden nicht allzu häufig Wertpapiere verkauft, es fallen also auch nur in geringem Maße Transaktionsgebühren an.

Solche ETFs gibt es nicht nur für den Dax, sondern für praktisch alle Indizes weltweit: Der bekannte Index S&P 500 zum Beispiel fasst die 500 wichtigsten US-Unternehmen zusammen, der Nikkei 225 die 225 bedeutendsten japanischen Firmen. Weiterhin gibt es ETFs zusammengefasst für Kontinente, Branchen, die Aktienmärkte von Zweite-Welt-Ländern, den sogenannten „Emerging Markets“, zu Deutsch „aufstrebende Märkte“ sowie für Unternehmen weltweit. Bei Letzteren zählt der MSCI-World-Index, der die Entwicklung von über 1.600 Aktien aus 23 Industrieländern abbildet zu den bekanntesten Produkten. 

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