Aktienrückkauf: Wann er sich für Aktionäre rentiert

Zuletzt aktualisiert am 16.03.2017

Aktionäre freuen sich über steigende Kurse. Manche Unternehmen sorgen für einen Kursanstieg, indem sie eigene Aktien von den Aktionären zurückkaufen. Doch dieser Aktienrückkauf (engl. Buy Back) kann im schlimmsten Fall zu einer gefährlichen Investitionsblase führen. Dies gilt insbesondere dann, wenn der sogenannte „Leverage-Effekt“ im Spiel ist und Unternehmen den Aktienrückkauf nicht mit Eigenkapital stemmen, sondern Geld dafür aufnehmen. Der Aktienrückkauf ist für Aktionäre deshalb nicht unbedingt mit Vorteilen verbunden. Erfahren Sie in diesem Ratgeber, worauf es beim Buy Back ankommt und worauf Sie dabei als Anteilseigner achten sollten.

Inhaltsverzeichnis

    Im Rahmen eines Aktienrückkaufs erwirbt ein Unternehmen eigene Aktien von den Aktionären. Die Aktiengesellschaft kauft somit emittierte Wertpapiere zurück. Für einen solchen Prozess kann es verschiedene Gründe geben.

    Eine Möglichkeit ist eine angestrebte Kurssteigerung der Aktie. Dadurch werden die Aktien eines Unternehmens meist mehr wert. Der Aktienrückkauf kann sowohl mit Hilfe von Eigenkapital als auch über eine Fremdkapitalaufnahme erfolgen.

    Im zweiten Fall nimmt eine Aktiengesellschaft zum Beispiel einen Kredit auf, um die eigenen Aktien zurückzukaufen. In diesem Fall kann ein sogenannter „Leverage-Effekt“ entstehen. Dabei erhöht sich die Eigenkapitalrendite durch die Verwendung von Fremdkapital.

    Zinsatz unter Dividende

    In der Praxis profitieren Unternehmen durch die Aufnahme von Fremdkapital von günstigen Zinsen. Damit sich die Kreditaufnahme lohnt, muss der Zinssatz für das Darlehen unter dem Zinssatz für die Dividende liegen, die sich die AG durch den Aufkauf eigener Aktien spart.

    Gründe für einen Aktienrückkauf

    Aktiengesellschaften entscheiden sich aus unterschiedlichen Gründen für einen Aktienrückkauf.

    • Pflege des Aktienkurses: Wenn eine AG Aktien zurückkauft, entsteht dadurch eine Verringerung der verfügbaren Anteilsscheine. Auf diese Weise steigt in der Regel automatisch der Aktienkurs. In manchen Fällen lösen Unternehmen die aufgekauften Aktien auf, wodurch die ausgegebenen Aktien eine Wert- und Kurssteigerung erfahren. Das Grundkapital wird dabei auf weniger Anteile verteilt.
    • Verwendung der einbehaltenen Aktien als Akquisitionswährung: Die aufgekauften Aktien können Unternehmen für die Übernahme anderer Firmen verwenden. In diesem Fall wird der Kauf mit eigenen Unternehmensanteilen bezahlt. Es kann dabei auch von „Transaktionswährung“ gesprochen werden.
    • Belegschaftsaktien für Mitarbeiter: Wenn AGs eigene Anteile aufkaufen, können sie diese auch an Mitarbeiter ausgeben. Auf diese Weise soll die Motivation der Mitarbeiter gesteigert werden, wenn sie mehr Anteile an dem Unternehmen halten.
    • Anlage von überschüssiger Liquidität: Hat ein Unternehmen einen Liquiditätsüberschuss kann dieser durch den Aufkauf eigener Aktien in eine Geldanlage umgewandelt werden.
    • Verbesserung der Eigenkapitalrendite: Indem Unternehmen Aktien aufkaufen, können sie das Grund- und Eigenkapital reduzieren. Dadurch steigt der Gewinn pro Aktie. Zugleich steigt die Gesamtkapitalrendite.
    • Schutz vor Übernahmen: Durch den Aktienrückkauf verringern Unternehmen die verfügbaren Anteile. Auf diese Weise wird eine feindliche Übernahme durch andere Unternehmen erschwert.

    Ablauf

    Wenn sich eine Aktiengesellschaft im Rahmen der Hauptversammlung zum Rückkauf eigener Wertpapiere entschließt, hat sie verschiedene Möglichkeiten:

    1. Rückkauf auf dem Markt: In diesem Fall wird das Unternehmen an den Börsen aktiv, an welchen die Unternehmensanteile gehandelt werden. Dort kauft es eigene Aktien wie gewöhnliche Aktionäre.
    2. Tender-Verfahren: Bei dieser Variante macht die Aktiengesellschaft ihren Aktionären ein Angebot für den Rückkauf. Üblicherweise wird dabei nicht nur der Kurswert, sondern ein Prämienaufschlag bezahlt. Das Angebot erfolgt entweder als Festpreis oder als Auktion.

    Beispiel für einen Aktienrückkauf

    Die Schokoladen AG möchte in absehbarer Zeit die Milch AG übernehmen, um neue Schokoriegel herstellen und auf dem Markt stärker auftreten zu können. Zu diesem Zweck soll ein Aktienrückkauf durchgeführt werden. Zunächst wird eine Hauptversammlung einberufen. Mehrheitlich wird dort dem Rückkauf bis zu acht Prozent des Grundkapitals zugestimmt.

    Zuerst versucht die Schokoladen AG, eigene Aktien an der Frankfurter Börse zurückzukaufen. Doch dort gibt es nur wenige Kaufoptionen. Schließlich geht die AG einen anderen Weg und macht ihren Aktionären ein Angebot, die Aktien zum aktuellen Kurs inklusive einem Aufschlag von zehn Prozent zurückzukaufen. Ein großer Teil der Aktionäre erklärt sich zum Verkauf bereit und nimmt das Angebot an. Die Schokoladen AG verwendet nun acht Prozent seines Firmenkapitals in Form von Aktien dazu, den Aktionären der Milch AG ein Angebot für die Übernahme zu machen.

    Möglichkeiten nach dem Aktienrückkauf

    Wenn eine Aktiengesellschaft eigene Anteile erworben hat, kann sie diese für verschiedene Zwecke einsetzen. Sollten die Anteile jedoch nicht für eine Übernahme oder andere Optionen aktiv verwendet werden, können diese auch vernichtet werden. In diesem Fall sinkt die Zahl der Anteile und somit der Kurswert der noch vorhandenen Aktien.

    Langfristig steht dem Unternehmen auch offen, seine eigenen Anteile wieder zu verkaufen. Allerdings müssen AGs in diesem Fall darauf achten, dass die ausgegebenen Aktienpakete nicht zu groß sind. Denn zu große Aktienpakete könnten sich negativ auf den Kurs auswirken. Andere Anleger würden diesen Kursrückgang ebenfalls als schlechtes Zeichen bewerten und ihre Anteile abstoßen. Die Folge wäre ein stark fallender Kurs.

    Mögliche Probleme nach einem Aktienrückkauf

    Aktiengesellschaften bezwecken mit einem Aktienrückkauf meist eine Kurssteigerung. Tritt diese nur kurzfristig ein, ist der Effekt des Rückkaufs verpufft. Das Unternehmen besitzt dann eigene Anteile, die nicht auf dem Markt verfügbar sind. Häufig sinken die Kurse nach dem Rückkauf dann, wenn die Aktion geplant war, um ohne strukturelle Änderungen den Kurs und somit die Attraktivität der Aktie zu erhöhen.

    Ein nicht minder großes Problem ergibt sich für Unternehmen, die den Buy Back mit Fremdkapital finanziert haben. Bleiben positive Kurseffekte aus, droht der Aktiengesellschaft eine Überschuldung, da sie das aufgenommene Kapital ohne zusätzliche Gewinne zurückzahlen muss.

    Auswirkung des Aktienrückkaufs auf Aktionäre

    Ein Aktienrückkauf hat verschiedene Auswirkungen auf die Aktionäre. Diese können sowohl positiv als auch negativ sein und hängen davon ab, ob es sich um den Aktienverkäufer oder nach dem Rückkauf verbliebenen Aktienbesitzer handelt.

    Positive Auswirkungen

    • Die Zahl der verfügbaren Aktien wird verringert: Auf diese Weise steigt der Anteil am Unternehmen pro Aktie, die verbleibt. Dieser Effekt tritt vor allem dann ein, wenn die rückgekauften Aktien vernichtet werden. Die Aktienanteile der verbliebenen Aktionäre sind demnach mehr wert.
    • Die Dividenden steigen bei gleichbleibender Ausschüttungssumme: Durch die veränderten Anteile erhöht sich die Dividendenrendite für die Aktionäre.
    • Gewinnausschüttung: Ebenso wie eine Dividende kann der Aktienrückkauf für die Verkäufer wie eine Gewinnausschüttung wirken, weil für den Aufkauf eine Prämie gezahlt wird.
    • Steuervergünstigung: Wenn Aktionäre eine Dividende erhalten, müssen sie den Gewinn versteuern. Wenn der Wert der Aktie durch den Rückkauf steigt, muss dieser Wertgewinn nicht versteuert werden.

    Negative Auswirkungen

    • Teurer Rückkauf: Kauft ein Unternehmen Aktien zu einem höheren Preis zurück, als sie wert sind, haben bestehende Aktionäre einen Nachteil, weil sie nicht den gleichen Wert für ihre Aktienpakete erhalten. Insbesondere Großaktionäre sind von hohen Rückkaufpreisen negativ betroffen, weil sie ihr Portfolio nicht schnell auflösen können, um davon zu profitieren.
    • Verlust von Stimmrechten: Wer seine Aktien im Rahmen des Rückkaufs verkauft, hat keine Stimmrechte mehr.
    • Dividendenverlust: Durch den Verkauf können Aktionäre zwar eine Prämie erhalten, das Recht auf eine Dividende geben sie damit jedoch ab.

    Renditeeffekte und tatsächliche Volumina

    Kündigt ein Unternehmen einen Aktienrückkauf an, hat dies Auswirkungen auf die Rendite der Anleger. Sie müssen sich bei einem Rückkaufangebot entscheiden, ob sie mit ihren Anteilen von einer Dividende profitieren oder durch den Verkauf eine Prämie erhalten wollen.

    Die mögliche Rendite bei einem Verkauf oder Behalten der Aktie kann darüber hinaus von der Höhe des angekündigten Rückkaufvolumens abhängen. Je mehr Aktien das Unternehmen aufkauft, desto wertvoller werden in der Regel die bestehenden Aktien und desto höhere Kurssteigerungen sind zu erwarten.

    Vor- und Nachteile gegenüber einer Dividende

    Aktionäre stehen im Falle eines Buy Back vor der Frage, ob sie das Kaufangebot annehmen oder die Wertpapiere halten sollten. Beide Optionen haben sowohl Vor- als auch Nachteile.

    Vorteile des Aktienrückkaufs Nachteile des Aktienrückkaufs
    • Aktionäre können von hohen Rückkaufswerten sowie einer Prämie profitieren und ihre Rendite erhöhen.
    • Der Rückkauf ist steuerlich günstiger als eine Dividendenausschüttung.
    • Aktionäre verlieren ihr Stimmrecht auf der Hauptversammlung.
    • Aktionäre erhalten keine Dividende mehr.
    Vorteile der Dividendenzahlung Nachteile der Dividendenzahlung
    • Die Auszahlung der Dividende wird auf der Hauptversammlung beschlossen und ist in der Regel garantiert.
    • Unabhängig von der Kursentwicklung besteht das Recht auf eine Dividendenzahlung.
    • Der Gewinn muss versteuert werden.
    • Die Dividende kann durch einen Beschluss der Hauptversammlung auch ausfallen.

    Beide Varianten stehen Aktionären wie Unternehmen offen. Für welche Variante sich Aktionäre entscheiden, hängt sowohl von der Entwicklung des betreffenden Unternehmens ab als auch von der eigenen Anlagestrategie.

    Ebenso bestimmt der Zweck bei Unternehmen, welche Option sie wählen. Eine einheitliche Empfehlung gibt es in beiden Fällen nicht, sondern es müssen jeweils die individuellen Voraussetzungen berücksichtigt werden.

    Rechtlicher und geschichtlicher Hintergrund

    Von Beginn des Aktienhandels an nutzten Unternehmen immer wieder die Möglichkeit, um eigene Aktien von Anteilseignern zurückzukaufen. Eine erstmalige Beschränkung erfuhren Unternehmen im Jahr 1870, als der Aktienrückkauf durch eine Novellierung des Aktiengesetzes erstmalig in Deutschland verboten wurde.

    Allerdings wurde dieses Gesetz rund 14 Jahre später wieder aufgeweicht. Diese modifizierte Regelung zum Aktienrückkauf wurde schließlich Ende des 19. Jahrhunderts im Handelsgesetzbuch aufgenommen und bis 1998 weitestgehend beibehalten. Der Aktienrückkauf war demnach grundsätzlich nur in Ausnahmefällen erlaubt.

    Die Einschränkung des Aktienrückkaufs hat einen einfachen Grund. Denn vielfach wurden die Rückkäufe von finanziell angeschlagenen Unternehmen genutzt, um bestimmte Aktionäre durch den Aufkauf von Aktien vor einer drohenden Insolvenz zu bevorzugen. Während diese Anteilseigner Geld für ihre Anteile erhielten, gingen andere Aktionäre bei der tatsächlich erfolgten Insolvenz leer aus.

    So wird der Aktienrückkauf seit 1998 gesetzlich geregelt

    Die Grundlage für einen möglichen Aktienrückkauf wurde durch das sogenannte „Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich“ (KonTraG) in Paragraph 71 geschaffen, das in Paragraph 71 des Aktiengesetzes (AktG) eingeflossen ist. Das Gesetz erlaubt einer Aktiengesellschaft den Erwerb eigener Aktien nur in folgenden Fällen:

    • Es wird die Obergrenze von zehn Prozent des Grundkapitals nicht überschritten.
    • Für eigene Anteile kann eine Rücklage gebildet werden.
    • Die Hauptversammlung hat dem Rückkauf zugestimmt.
    • Aktionäre erhalten durch den Rückkauf eine Abfindung.
    • Mit dem Rückkauf wird ein schwerer, unmittelbar bevorstehender finanzieller Schaden abgewendet.
    • Die Aktien werden der Belegschaft angeboten.
    • Die Aktien werden unentgeltlich erworben.

    Der Aktienrückkauf in der Bilanz

    Ein Aktienrückkauf muss in der Bilanz ausgewiesen werden. Vor 2008 erfolgte die Bilanzierung eigener Anteilsscheine auf der Aktivseite über das Umlaufvermögen. Im Rahmen einer Novellierung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes können eigene Aktien seit Ende 2010 der Passivseite zugeführt werden.

    Demnach müssen Aktienrückkäufe nicht mehr doppelt ausgewiesen werden. Sie werden zuvor mit dem gezeichneten Kapital verrechnet. Hierfür wird die Differenz aus Nennwert und eigenem Anteilswert mit den frei verfügbaren Rücklagen aus dem Gewinn ermittelt. Auf diese Weise können Rückkäufe als verfügbare Rücklage auf der Passivseite bilanziert werden. Werden die gekauften Anteile wieder verkauft oder vernichtet, können diese aus der Bilanz gelöscht werden.

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