Desinvestition: Instrument der Innenfinanzierung

Zuletzt aktualisiert am 31.07.2017

In der Grundbedeutung ist eine Desinvestition das Gegenteil von einer Investition. Sie wird auch Devestition genannt und stellt eine Form der Innenfinanzierung dar, die es Unternehmen ermöglicht, in Sach- oder Vermögensanlagen gebundenes Kapital in Geldmittel umzuwandeln. Dieser Ratgeber informiert Sie über alle Details der Desinvestition und ihre Besonderheiten.

Inhaltsverzeichnis

    Eine Desinvestition ist je nach Ausrichtung sowohl für das betreffende Unternehmen als auch für Staaten oder Verbraucher von Interesse. Aus diesem Grund wird oftmals von politisch/ethisch motivierter Desinvestition oder einfach nur von Devestition gesprochen.

    Für Unternehmen ist die Desinvestition vor allem deshalb wichtig, weil dadurch liquide Mittel verfügbar sind, die für den Unternehmenserhalt oder -fortschritt eingesetzt werden können. So kann häufig auf eine Kreditaufnahme zur Kapitalbeschaffung und damit auf eine Fremdfinanzierung verzichtet werden. Allerdings kann durch eine Devestition auch das Betriebsvermögen deutlich reduziert werden.

    Gründe für eine Desinvestition

    • Ein Unternehmen benötigt dringend liquide Geldmittel, möchte aber keinen Kredit dafür aufnehmen.
    • Ein Unternehmen verbessert seine Rentabilität, indem es unwirtschaftliche oder nicht mehr benötigte Vermögenswerte oder Unternehmensteile verkauft.
    • Aufsichtsbehörden fordern ein Unternehmen aus kartellrechtlichen Gründen zum Verkauf von Unternehmensteilen auf.
    • Es gibt staatliche Sanktionen und eine Landesbehörde fordert aus diesem Grund die Veräußerung einer Unternehmenssparte.
    • Aktionäre oder Anteilseigner fordern ein Unternehmen aus moralischen, ethischen oder profitorientierten Gründen auf, sich von einer Sparte zu trennen.
    • Es werden einzelne Unternehmensanteile im Rahmen einer Unternehmensauflösung veräußert, um insgesamt einen höheren Preis zu erzielen.
    • Veräußerungen zum Ziel des „Sale and Lease back“. Dabei werden zum Beispiel Immobilien zunächst verkauft und danach vom Unternehmen beim Käufer zum Zweck einer besseren Bilanz und höherer Liquidität geleast.

    Dann ist eine Desinvestition von Nachteil

    Mit einer Desinvestition ist immer eine Auflösung von Sachwerten zugunsten von liquiden Geldmitteln verbunden. Das Unternehmen, das die Desinvestition durchführt, erhöht zwar direkt seine Liquidität. Doch wenn es durch diese Form der Innenfinanzierung Vermögenswerte veräußert, die eigentlich den Betrieb sichern, kann die Devestition im schlimmsten Fall den Betrieb sowie die Handlungsfähigkeit eines Unternehmens behindern.

    Aus diesem Grund müssen Unternehmen immer abwägen, ob durch die Innenfinanzierung das Geschäft nicht gefährdet wird. Sonst bewirkt die gewünschte Finanzierung genau das Gegenteil.

    Voraussetzungen

    Damit eine Desinvestition erfolgen kann, muss vorher Kapital in Vermögensgegenstände investiert worden sein. Das können Immobilien, Firmensegmente, Maschinen oder auch Material sein. Letztlich kann die Innenfinanzierung nur auf der Basis von vorhandenen, ursprünglich gebundenen Vermögenswerten erfolgen. Gibt es diese nicht, bleibt als Alternative immer noch die Kapitalisierung über den Verkauf von Anteilen über Aktien oder Anleihen sowie die Finanzierung über Kredite.

    Ablauf der Devestition

    Mit jeder Desinvestition ist ein bestimmtes Ziel oder sind gleich mehrere Ziele verknüpft. Diese Ziele werden in der Regel zuvor definiert. Danach wird die Sach- oder Vermögensanlage hinsichtlich ihres Werts geprüft, der mit einer Veräußerung erzielt werden kann. Je nachdem, um welche Art des Firmenvermögens es sich handelt, müssen Käufer gesucht werden. Bei Finanzvermögen sucht das Unternehmen den Weg zum entsprechenden Kreditinstitut.

    Bei größeren Desinvestitionen wird die Innenfinanzierung von der jeweiligen Finanz- und Rechtsabteilung begleitet. Mit dem Erlös der Finanzierung wird das freigewordene Kapital für den gewünschten Zweck eingesetzt.

    Mögliche Formen

    Grundsätzlich haben Devestitionen eine Finanzierungsfunktion und ermöglichen es, längerfristig gebundenes Kapital freizusetzen. Sie können sowohl in Unternehmen als auch im privaten Bereich zum Einsatz kommen.

    • Führt ein Unternehmen eine ethisch motivierte Devestition durch, kann es damit seine Reputation verbessern. Der eigentliche Zweck der Innenfinanzierung tritt dabei in den Hintergrund. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn sich ein Unternehmen von einer Sparte trennt, die ethisch bedenklich ist.
    • Politisch motivierte Devestitionen können von einer Staatsführung durchgesetzt werden. Dann wäre ein Unternehmen zum Beispiel gezwungen, die Produktion bestimmter Güter einzustellen, weil sie gegen die Interessen des Landes verstoßen. Diese Form der erzwungenen Desinvestition wird auch Divestment genannt.

    Zwei Beispiele für Devestitionen

    1. Ein Autohersteller hat mehrere Fahrzeugtypen im Portfolio: PKW, Nutzfahrzeuge und LKW. Nach einiger Zeit stellt sich heraus, dass die Nutzfahrzeugsparte nur Verluste einfährt, die Nachfrage nach SUVs jedoch deutlich zunimmt. Eine Investition in neue Produktionsstätten wird deshalb dringend nötig. Um keinen Kredit bei einem Finanzinstitut aufnehmen oder neue Aktien ausgeben zu müssen, veräußert der Autohersteller seine ohnehin defizitäre Nutzfahrzeugsparte. Das eingenommene Kapital wird direkt in die SUV-Produktion investiert. Somit werden gleichzeitig neue Finanzwerte geschaffen.
    2. Im privaten Bereich ist ebenfalls eine Desinvestition möglich. Ein Hausbesitzer hat für sein Eigenheim vor zehn Jahren einen Kredit aufgenommen. Die Zinsen waren zur damaligen Zeit sehr hoch und sind nach Ablauf der Zinsbindung immer noch sehr hoch. Er besitzt aber noch eine andere Immobilie, die er nicht mehr benötigt und die er nicht mehr vermieten will. Deshalb verkauft er diese Immobilie und löst damit den teuren Kredit seines Eigenheims ab. Auf diese Weise ist er schuldenfrei und kann das Geld für die fälligen Raten nun in andere Anlageprodukte investieren.

    Sonderform Divestment-Kampagnen

    Von einem Divestment, also einer vom Staat erzwungenen Devestition, kann theoretisch jedes Unternehmen betroffen sein, das gegen bestimmte Grundsätze von Investoren oder Staaten verstößt.

    • Divestment-Kampagnen, die an Anleger gerichtet sind: In diesem Fall kann es vorkommen, dass Großinvestoren Privatanleger oder kleinere Anleger zu einem Desinvestment auffordern. Sie sollen dann ihre Unternehmensanteile veräußern. Die Kampagnen können jedoch auch einen ethisch-moralischen Hintergrund haben. So gibt es zum Beispiel NGOs, die Anleger zum Veräußern von Aktien an Rüstungsfirmen auffordern oder die Investoren zum Aktienverkauf von AGs auffordern, die Kinderarbeit unterstützen.
    • Divestment-Kampagnen, die von Staaten initiiert werden: Staaten können Unternehmen zur Veräußerung von Unternehmensanteilen auffordern oder unterbinden, dass Unternehmen zu bestimmten Abnehmern geschäftliche Kontakte für Investitionen aufnehmen. Diese Form der Divestment-Kampagne ist meist Teil eines Wirtschaftsboykotts. In der jüngeren Zeit wurden zum Beispiel Unternehmen in den USA aufgefordert, Investitionen im Iran oder in Syrien zu stoppen. Die meisten westlichen Staaten unterbinden außerdem Investitionen in Nordkorea.

    Weitere klassische Beispiele für Divestments:

    • Aufforderung an die Tabakindustrie, ihre Investitionen zu verringern
    • Drängen von Rüstungsunternehmen, die Investition in bestimmte Produkte zu unterbinden
    • Auffordern von Energieunternehmen zum Stopp der AKW

    Ziele der Devestition

    Das primäre Ziel einer Desinvestition ist die Schaffung von liquiden Mitteln aus vorhandenen Vermögensgegenständen. Darüber hinaus können Unternehmen weitere Ziele verfolgen:

    • Finanzierung einer Betriebserweiterung
    • Neustrukturierung eines Unternehmens
    • Erhöhen der Liquidität für eine Firmenübernahme
    • Tilgen von Schulden
    • Investition in neue Maschinen oder neues Personal
    • Erweiterung der Aktivitäten auf neuen Märkten
    • Investition des frei gewordenen Kapitals in neue Produkte oder Forschung
    • Konsolidierung durch Auflösung nicht mehr benötigter Unternehmenssparten
    • Unternehmensauflösung

    Vorteile und Nachteile einer Devestition

    Vorteile Nachteile
    • Innenfinanzierung ohne Schuldverschreibung oder Darlehen
    • Finanzierung ohne Zinsen
    • Für Desinvestition ist nicht immer eine Bank nötig
    • Einfache Abwicklung möglich
    • Geldmittelzufluss aus eigenen Vermögenswerten
    • Erhöhung des Kassenbestands in der Bilanz
    • Höhere Liquidität
    • Produktion oder Unternehmensabläufe können durch Verkauf gehemmt werden
    • Vermögenswerte als Finanzreserven werden reduziert
    • Substanz des Unternehmens kann verringert werden

     

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