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Euribor: Referenzzins für Banken

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 14.09.2016

Der Euriobor ist vereinfacht gesagt der Zinssatz, zu dem sich Banken im Euroraum untereinander Geld leihen. Doch auch für Sie als Bankkunde ist dieser Referenzzins von Bedeutung – er hat nämlich Auswirkungen auf zahlreiche Finanzprodukte. An seiner Höhe orientieren sich beispielsweise die Zinsen, die Sie für einen Kredit zahlen müssen. Auch wenn Sie Festgeldzinsen mit ihrer Bank aushandeln wollen, sollten Sie den Euribor kennen. Schließlich gilt der Euribor auch als guter Indikator für die zukünftige Entwicklung der Sparzinsen.

Euribor ist die Abkürzung für European Interbank Offered Rate. Der Euribor ist ein Interbanken-Referenzzinssatz – es ist der durchschnittliche Zinssatz, den europäische Banken von anderen Banken verlangen, wenn sie diesen Termingelder in Euro bereitstellen. Vereinfacht gesagt, ist der Euribor also der Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen.

Gut zu wissen:Die Geschichte des Euribors

Den Euribor gibt es seit 1999, also seitdem der Euro eingeführt wurde. Vor der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung war der Referenzzinssatz Aibor (Amsterdam Interbank Offered Rate) maßgeblich für Interbanken-Geschäfte. Durch die gemeinschaftliche Währung waren die nationalen Referenzzinssätze wie der deutsche Fibor (Frankfurt Interbank Offered Rate) nicht mehr von Bedeutung. Zudem wollte die globale Finanzmarktvereinigung ACI eine Alternative zum Referenzzins Libor (London Interbank Offered Rate) schaffen. Was auch gelungen ist: Mittlerweile hat der Euribor den Libor als Referenzzins in vielen Bereichen ersetzt.

Obwohl gemeinhin von „dem“ Euribor gesprochen wird, handelt es sich nicht nur um einen, sondern um insgesamt acht Euribor-Zinssätze für unterschiedliche Laufzeiten von einer Woche bis zu 12 Monaten. Im Einzelnen sind dies:

  • 1 Woche
  • 2 Wochen
  • 1 Monat
  • 2 Monate
  • 3 Monate
  • 6 Monate
  • 9 Monate
  • 12 Monate

Für eintägige Kredite in Euro existiert ebenfalls ein Referenzzinssatz, er fällt allerdings nicht unter den Euribor. Dieser sogenannte Eonia-Zins (Euro OverNight Index Average) hat eine andere Berechnungsgrundlage als der Euribor.

Veröffentlicht wird der aktuelle Euribor an Banktagen um 11 Uhr von der Nachrichtenagentur Reuters. In den ersten 24 Stunden stehen die Daten allerdings nur den Geldinstituten zur Verfügung, die mit dem Euribor arbeiten. Erst danach sind die Zinssätze auch für die Öffentlichkeit verfügbar. Sie finden die aktuellen Werte beispielsweise auf diversen Finanzwebseiten im Internet und im Wirtschaftsteil von Tageszeitungen. An der Börse wird der Euribor ebenfalls mit einer eigenen ISIN gelistet.

Ermittlung des Euribor

Im Euribor werden die Angebotszinsen, also die Briefkurse, von aktuell 24 Banken (Stand Dezember 2015) mit berücksichtigt. Diese sogenannten Panel-Banken übermitteln an Bankgeschäftstagen bis 10:45 Uhr Mitteleuropäischer Zeit ihre Angebotssätze für die verschiedenen Laufzeiten an einen Informationsdienstleister, der aus den eingegangenen Daten den Euribor ermittelt.

Die Zahl der Panel-Banken schwankt. Grundsätzlich werden in das Euribor-Panel nur Geldinstitute mit erstklassigem Rating aufgenommen. Die Auswahl der Banken, deren Zinsen in den Euribor einfließen, trifft ein Beratungsausschuss der Europäischen Bankenvereinigung. Aktuell befinden sich mit der Deutschen Bank und der DZ Bank zwei deutsche Kreditinstitute im Euribor-Banken-Panel. Alle beteiligten Banken können Sie der folgen Übersicht entnehmen.

Euribor-Banken-Panel
Belgien Belfius
Deutschland Deutsche Bank
DZ Bank
Finnland Nordea
Pohjola
Frankreich BNP-Paribas
Crédit Agricole s.a.
HSBC France
Natixis / BPCE
Société Générale
Griechenland National Bank of Greece
Italien Intesa Sanpaolo
Monte dei Paschi di Siena
Unicredit
Luxemburg Banque et Caisse d'Épargne de l'État
Niederlande ING Bank
Portugal Caixa Geral De Depósitos (CGD)
Spanien Banco Bilbao Vizcaya Argentaria
Banco Santander Central Hispano
Cecabank
CaixaBank S.A.
weitere EU-Banken Barclays Capital
internationale Banken Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ
J.P. Morgan Chase & Co.

Stand: Dezember 2015

Von den eingegangenen Zinssätzen fließen die höchsten und die niedrigsten 15 Prozent der Werte nicht in die Berechnung ein. Dadurch soll vermieden werden, dass Zinsausreißer in den Euribor-Zinssätze einlaufen und infolgedessen die Marktzinsen verfälschen. Die Berechnung erfolgt nach der sogenannten Eurozinsmethode act/360. Dies bedeutet, dass das Basisjahr mit 360 Tagen angesetzt wird.

Die Euribor-Zinssätze werden also in erster Linie durch Angebot und Nachfrage am europäischen Geldmarkt bestimmt. Doch auch externe Faktoren wie die Inflation, Konjunkturlage oder die Einschätzung der Bonität sowohl der Banken untereinander als auch gegenüber ihren Kunden spiegeln sich im Euribor wider.

Die Verwendung

Der Euribor ist für die Finanzierung, also für Kredite und Darlehen eine wichtige Orientierungsmarke, doch auch Einlagezinsen orientieren sich an den Referenzwerten.

Bedeutung des Euribor für Darlehen

Als Bankkunde sollten Sie den Euribor kennen, weil er die Verhandlungsbasis für kurzfristige Kredite darstellt. Dies bedeutet allerdings nicht, dass Sie einen Kredit mit einer Verzinsung in Höhe des Euribor erhalten: Die anfallenden Zinsen werden im Normalfall höher sein.

Am Euribor können Sie als Verbraucher lediglich ablesen, zu welchen Konditionen die Bank den Darlehensbetrag beschaffen kann. Da die Bank Kredite allerdings nicht aus reiner Freundlichkeit gewährt, sondern ein gewisses Gewinninteresse hat, erhebt sie abhängig von der Höhe des Ausfallrisikos einen Aufschlag.

Relevanz für Geldanlagen

Auch wenn Sie Festgeld anlegen wollen, sollten Sie den entsprechenden Euribor kennen, um über eine möglichst gute Verzinsung mit der Bank zu verhandeln. Bei einer Anlagedauer von drei Monaten orientieren Sie sich am Euribor Dreimonatsgeld – fachsprachlich auch „Euribor 3M“ oder „3M Euribor“ genannt. Möchten Sie Festgeld mit einer halbjährigen Laufzeit anlegen, ist der Euribor 6M“ relevant.

Wenn die Banken mit Ihrem Geld arbeiten und es als sogenanntes Eurogeld mit einer Kreditlaufzeit von ein, zwei, drei oder sechs Monaten verleihen, erheben Sie dafür zusätzlich zum Euribor-Zinssatz für die jeweilige Laufzeit meist einen Zinsaufschlag von 0,5 bis 2 Prozent.

Weitere Finanzgeschäfte, die sich am Euribor orientieren, sind Swaps und Futures. Bei einem Zins-Swap vereinbaren zwei Vertragspartner, nach einer bestimmten Laufzeit – häufig zwischen einem und zwölf Monaten – Zinszahlungen auf fixe Nennbeträge auszutauschen. Häufig wird bei diesen außerbörslichen Geschäften vereinbart, dass eine Seite einen festen Zinssatz und die andere Seite eine variablen zahlt. Der variable Zinssatz orientiert sich dabei an Indizes wie dem Euribor oder dem Eonia. Gleiches gilt für Zins-Terminkontrakte, die sogenannten Futures.

Bedeutung für Sparzinsen und Hypotheken

Die Aufnahme von Termingeldern bei anderen Geldinstituten ist nur eine der Möglichkeiten, wie sich Banken benötigtes Kapital beschaffen können. Eine andere ist die Verwendung der Spareinlagen Ihrer Kunden. Denn mit dem Abschluss eines Sparvertrags leihen Sie als Bankkunde Ihrer Bank letztlich für einen bestimmten Zeitraum Geld und erhalten im Gegenzug dafür Zinsen. Die Sparzinsen, die Ihnen Ihrer Bank bietet, liegen meist unter dem Euribor. Diese Differenz zwischen Euribor und Sparzinsen stellt die Gewinnspanne der Bank dar.

Wenn der Euribor sinkt und so in die Nähe des Sparzinses rückt, wird die Gewinnspanne der Bank deutlich kleiner. Daher senken Banken nach einem Einbruch des Euribor oftmals die Zinsen auf Spareinlagen, um die so Gewinnspanne wiederherzustellen. Die Anpassung der Sparzinsen findet in der Regel nicht unmittelbar nach dem ersten Sinken des Euribor statt, sondern erst, wenn sich eine deutliche Tendenz erkennen lässt. Daher ist der Euribor ein guter Indikator für die Entwicklung der Sparzinsen.

Noch direkter ist in vielen Fällen der Zusammenhang zwischen Euribor und Hypothekenzinsen. Bei kurzfristigen Hypotheken läuft die Entwicklung beider Zinssätze oft synchron ab. Manche Banken bieten sogar sogenannte Euribor-Kredite an. Dabei handelt es sich um Hypotheken mit variablen Zinsen, bei denen Sie vertraglich vereinbaren, dass die Zinsen dem Euribor zuzüglich eines festen Aufschlags von beispielsweise einem Prozent entsprechen.

Ob diese Variante günstiger ist als eine Hypothek mit festen Zinsen, lässt sich pauschal nicht beantworten. Der Euriobor kann insbesondere bei längeren Laufzeiten durchaus heftiger schwanken. Fällt der Euribor während der Hypothekenlaufzeit stark, wird das Darlehen günstiger als bei fester Verzinsung. Es besteht jedoch auch die Gefahr, dass er auf ein Niveau steigt, dass deutlich über dem Zinsniveau bei Aufnahme der Hypothek liegt. In solchen Fällen wäre eine Hypothek mit fester Verzinsung deutlich günstiger.

Zinszahlungen

Historische Untersuchungen zeigen, dass Hypothekennehmer, die sich über lange Zeit konsequent eine variable Verzinsung wählen, insgesamt meist weniger Zinsen zahlen als bei einem festen Zinssatz. Allerdings ist angesichts des niedrigen Zinsniveaus fraglich, ob dies weiterhin so bleiben wird. Bei einem niedrigen Zinsniveau, das kaum noch weitere Zinssenkungen erwarten lässt, ist es durchaus sinnvoll, sich die niedrigen Zinsen für die Zukunft zu sichern und eine feste Verzinsung für möglichst lange Zeit zu vereinbaren. Stecken die Zinsen in einer Talsohle, ist es wahrscheinlicher, dass sie ansteigen, als dass sie noch weiter fallen. Bei eine sehr hohen Zinsniveau ist es hingegen umgekehrt, hier kann eine variable Verzinsung deutlich günstiger sein.

Letztendlich ist die Entscheidung für variable oder feste Zinsen aber auch immer eine Frage des persönlichen Charakters. Wenn Sie das Risiko grundsätzlich scheuen, sollten Sie sich fragen, ob Sie bereit sind, die Schwankungen, die ein Euribor-Darlehen mit sich bringen kann, auch aushalten. Auch wenn ihr persönliches Budget langfristig genau geplant wird, ist eine Hypothek mit variabler Verzinsung für Sie vermutlich nicht der richtige Weg – selbst wenn diese unter Umständen etwas günstiger ausfallen könnte.

Manipulationsversuche

Der Euribor hat weitreichende Bedeutung für Finanzmarktgeschäfte und ist maßgeblich für die von Banken erhobenen Zinsen – wie bei allen Referenzzinsätzen ist eine Manipulation für Banken daher sehr attraktiv. Banken, die durch die Übermittlung falscher Zinssätze Einfluss auf einen Referenzzins nehmen, trifft ein geringeres Zinsänderungsrisiko, während sich dies für unbeteiligte Institute erhöht. Wird der Euribor durch Falschübermittlung von Daten in eine bestimmte Richtung gelenkt, können Insider das Wissen darum für Spekulationsgeschäfte nutzen, beispielsweise in Form von Zins-Swaps.

Zudem könnten Banken auch gegenüber ihren Kunden Vorteile aus einer Zinsmanipulation ziehen, durch überhöhte Kreditzinsen etwa. Diese orientieren sich häufig am Euribor zum Monatsersten. Übermitteln Panel-Banken zu diesem Zeitpunkt regelmäßig höhere Angebotszinsen als sie tatsächlich erheben, können sie von Kreditnehmern im Verweis auf den Euribor höhere Zinsen erheben und so ihre Gewinnmarge erhöhen.

Bislang ist jedoch nur ein Fall von Manipulation des Euribor bekannt: 2011 verkündete die Europäisches Kommission, gegen mehrere europäische Banken zu ermitteln. Sie überführte acht Kreditinstitute der gemeinschaftlichen Zinsmanipulation und verhängte eine Geldstrafe von insgesamt 1,7 Milliarden Euro. Mit 725 Millionen Euro hatte die Deutsche Bank den größten Anteil der Geldstrafe zu tragen. Daneben waren auch die Royal Bank of Scotland, HSBC, Société Générale, Crédit Agricole und JP Morgan Chase betroffen. Barclays ging straffrei aus, weil das Institut die Ermittler auf die Manipulation aufmerksam gemacht hatte.

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