Kontoführungs­gebühren: Infos & Tipps

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 05.12.2016

Da heutzutage ein Großteil des Zahlungsverkehrs nur noch elektronisch abgewickelt wird, ist es nahezu unmöglich, auf ein Girokonto zu verzichten. Insbesondere Arbeitnehmer kommen nicht umhin, ein solches Konto einzurichten, da der Arbeitslohn von den Unternehmen praktisch nur noch per Überweisung ausgezahlt wird. Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Angebote der Banken nicht sonderlich, aber gerade in Sachen Kontoführungsgebühren sollten Sie genau hinsehen. FinanceScout24 zeigt Ihnen, worauf Sie bei der Eröffnung eines Girokontos achten sollten.

Was versteht man unter Kontoführungsgebühren?

Mit der Eröffnung eines Girokontos übernimmt die Bank für Sie als Kunden verschiedene Dienstleistungen. Sie führt beispielsweise Überweisungen aus, ermöglicht Ihnen mit einer EC-Karte die bargeldlose Zahlung in Geschäften und verwaltet sämtliche Kontobewegungen.

Diesen Verwaltungsaufwand haben sich Banken früher fast immer mit gesonderten Gebühren bezahlen lassen – so wurde beispielsweise für die Ausstellung einer EC-Karte eine Gebühr erhoben oder aber für die Zustellung nicht abgerufener Kontoauszüge. Dieser Praxis wurden durch verschiedene Gerichtsurteile – unter anderem auch vom Bundesgerichtshof – inzwischen aber enge Grenzen gesetzt. Verfolgt die Bank mit einer Dienstleistung vor allem ein Eigeninteresse – oder erfüllt sie lediglich gesetzliche Pflichten – darf sie hierfür keine Gebühren verlangen.

Um möglichen rechtlichen Auseinandersetzungen mit Kunden aus dem Weg zu gehen, sind einige Banken dazu übergegangen, eine pauschale Kontoführungsgebühr zu erheben, mit der sämtliche Dienstleistungen in Bezug auf das Girokonto abgedeckt sind. Aber nicht alle Banken verlangen immer eine solche Gebühr – viele haben auch ein Girokonto ohne Kontoführungsgebühren im Programm, beispielsweise für Studenten. Es gibt sogar Banken ohne Kontoführungsgebühren, die komplett auf die Erhebung von Gebühren verzichten. Meist handelt es sich hier um Online- oder Direktbanken, die ihr Geschäft über das Internet oder das Telefon abwickeln.

Hier eine Übersicht über die Kontoführungsgebühren bei einigen großen deutschen Banken:

Bank Kontoführungsgebühren Startguthaben
Commerzbank 0 Euro
(ab mind. 1.200 Euro monatl. Geldeingang; sonst 9,90 Euro)
Nein
Deutsche Bank 0 Euro
(u.a. für Schüler, Studenten und Auszubildende bis einschl. 30 Jahre; sonst ab 4,99 Euro)
Nein
DKB 0 Euro Nein
HypoVereinsbank 0 Euro
(u.a. für Schüler, Studenten und Auszubildende bis einschl. 26 Jahre; sonst ab 2,90 Euro)
Nein
ING-DiBa 0 Euro 75 Euro bei Kontoeröffnung
Postbank 3,90 Euro
(ab 1. November 2016 unabhängig vom Geldeingang)
Nein

Stand: August 2016; Bedingungen für Startguthaben siehe Webseite der jeweiligen Bank; alle Angaben ohne Gewähr

Die Wahl des richtigen Kontos

Wie Sie sehen, unterscheiden sich die Kondition für ein Girokonto bei den Banken zum Teil recht deutlich. Wenn Sie also auf der Suche nach einem passenden Konto sind, lohnt sich ein Vergleich. Dabei sollten Sie allerdings nicht nur auf die reinen Kontoführungsgebühren schauen, denn es gibt durchaus noch andere Leistungen, die hier ins Gewicht fallen. Sind Sie beispielsweise viel unterwegs und müssen öfter Geld an Automaten abheben, die nicht zu Ihrer Bank gehören, ist es unter Umständen günstiger, sich für ein Girokonto mit Kontoführungsgebühren zu entscheiden, wenn Sie dafür aber auch an institutsfremden Automaten kostenlos Geld abheben können.

Auch die Bereitstellung einer Kreditkarte kann bei der Wahl des Girokontos interessant sein. Sind Sie regelmäßig im Ausland oder kaufen Sie viel im Internet ein, ist eine Kreditkarte eine praktische Erleichterung. In diesem Fall ist ein Girokonto empfehlenswert, bei dem Sie die Karte kostenlos gestellt bekommen.

Darüber hinaus sollten Sie auch die Soll-Zinsen in den Vergleich einbeziehen, denn hierbei handelt es sich letztlich auch nur um Gebühren der Bank. Generell ist es natürlich nicht wünschenswert, das Girokonto zu überziehen, manchmal führt aber kein Weg am Dispokredit vorbei. Da sich die Zinssätze der Banken hier um bis zu fünf Prozentpunkte unterscheiden, lohnt es sich, vor Eröffnung des Kontos bei den Soll-Zinsen genauer hinzuschauen – insbesondere, wenn Sie den Dispositionskredit öfter in Anspruch nehmen.

Haben-Zinsen bei Girokonto derzeit zu vernachlässigen

Während es bei den Soll-Zinsen große Unterschiede zwischen den einzelnen Angeboten der Banken gibt, sieht das bei den Haben-Zinsen im Moment ganz anders aus. Die meisten Banken verzinsen Guthaben auf dem Girokonto gar nicht mehr, einige wenige bieten zwischen 0,1 und 0,25 Prozent Zinsen.

Diese Zinsen sind bei der Wahl des Girokontos aber zu vernachlässigen, denn selbst bei einer Einlage von 5.000 Euro kommen im Jahr nur zwischen 5 und 12,50 Euro an Zinsen zusammen. Die Zinsen sind in keinem Fall ausreichend hoch, um hohe Gebühren in Kauf zu nehmen. Abgesehen davon ist es nicht empfehlenswert, einen so hohen Betrag auf dem Girokonto zu belassen. Deutlich mehr Zinsen gibt es zum Beispiel auf einem Tagesgeld- oder Festgeldkonto.

Regionale Unterschiede

Möglicherweise haben Sie bei der Übersicht oben bereits zwei Banken vermisst: Die Sparkasse und Volksbank. Das hat einen sehr einfachen Grund: Es gibt nicht die eine Sparkasse oder die eine Volksbank. Sparkassen und Volksbanken sind in bestimmten, klar definierten Regionen tätig. So gibt es beispielsweise die Sparkasse Wuppertal oder die Volksbank Göppingen, die jeweils nur in diesen Regionen ihre Dienste anbieten. Zwar arbeiten sowohl die Sparkassen als auch die Volksbanken in einem Verbund zusammen, um bestimmte Dienstleistungen deutschlandweit anbieten zu können, die einzelnen Banken wirtschaften aber unabhängig voneinander und haben daher teils auch unterschiedliche Konditionen für bestimmte Produkte wie etwa das Girokonto.

Die Unterschiede können hier übrigens sehr deutlich ausfallen. So hat die Frankfurter Sparkasse beispielsweise ein Girokonto ohne Kontoführungsgebühren im Programm, das mit einem Haben-Zins von 0,15 Prozent und einem Soll-Zins von 7,09 Prozent zudem auch sehr günstige Zins-Konditionen bietet. Darüber hinaus erhält der Kunde hier kostenlos eine MasterCard. Bei der Hamburger Sparkasse werden hingegen monatlich 6,90 Euro Kontoführungsgebühren fällig, außerdem sind die Zinsen mit 0 Prozent auf der Haben-Seite und 11,81 Prozent für Kontoüberziehungen wesentlich ungünstiger. Die MasterCard schlägt hier zudem mit 20 Euro jährlich zu Buche.

Ob und in welcher Höhe Kontoführungsgebühren erhoben werden, lässt sich allerdings nicht an bestimmten Regionen oder Bundesländern festmachen. So erhebt beispielsweise die Sparkasse Dortmund keine Kontoführungsgebühren, während die Sparkasse im nur 30 Kilometer entfernten Essen monatlich 7 Euro für das Girokonto verlangt. Die Höhe der Kontoführungsgebühren hängt allein vom Geschäftsmodell der Bank ab – manche versuchen über die Gebühr einen Teil der Kosten abzudecken, während andere über kostenlose Girokonten versuchen, sich einen möglichst großen Kundenstamm aufzubauen.

Gibt es Girokonten ohne Kontoführungsgebühren?

Prinzipiell dürfen Banken für jedes Konto auch Gebühren erheben, allerdings gibt es viele Fälle, in denen sie freiwillig darauf verzichten. Im Allgemeinen sind Girokonten kostenlos für:

  • Schüler
  • Studenten
  • Auszubildende

Oft verzichten die Banken auch auf eine Gebühr, wenn monatlich ein gewisser Mindestbetrag auf dem Konto eingeht, beispielsweise 1.000 oder 1.200 Euro. Die Bank geht in diesem Fall davon aus, dass das Konto ausreichend gedeckt ist, sodass sie mit dem Geld des Kunden wirtschaften und Geld verdienen kann. Sozialhilfeempfänger haben in Sachen Kontoführungsgebühren oft das Nachsehen, da es in der Regel keine speziellen Konten für sie gibt, bei denen die Gebühr entfällt. Für sie ist es empfehlenswert, sich für eine Bank ohne Kontoführungsgebühren zu entscheiden, wie etwa:

Abrechnung der Kontoführungsgebühren

Wann die Gebühren für ein Konto abgebucht werden, hängt von den Bedingungen des jeweiligen Kontovertrags ab. In der Regel werden sie jedoch zum Ende eines Quartals vom Konto abgebucht. Sollte das Konto zu diesem Zeitpunkt keine ausreichende Deckung aufweisen, wird – sofern vorhanden – zunächst der Disporahmen des Kontos genutzt. Ansonsten wird die Bank in der Regel die Gebühren als geduldete Überziehung vom Konto abbuchen und den Inhaber über die Überziehung informieren.

Gesonderte Gebühren

Auch wenn die Erhebung von Gebühren durch verschiedene Gerichte mittlerweile stark eingeschränkt wurde, gibt es doch noch einige Fälle, in denen die Banken berechtigt sind, neben den regulären Kontoführungsgebühren weitere Gebühren zu verlangen. Eines der bekanntesten Beispiele dürfte hier das Geldautomaten-Entgelt sein. Heben Sie als Kunde Geld am Automaten einer fremden Bank ab, fallen hierfür Gebühren an. Zwar haben sich mittlerweile viele Banken einem Automatenverbund angeschlossen, sodass Verfügungen an fremden Automaten nicht immer mit Kosten verbunden sind, grundsätzlich sind die Banken aber weiterhin berechtigt, für diese Dienstleistung gesonderte Gebühren in Rechnung zu stellen.

Ein weiterer Fall, in dem zusätzliche Gebühren zulässig sind, ist der Ersatz von Kredit- und EC-Karten. Verlieren Sie als Kunde Ihre Karte oder wird sie durch Ihr Verschulden unbrauchbar, darf die Bank die Kosten für die Ersatzkarte an Sie weiterreichen. Das gilt allerdings nicht, wenn die Karte auf dem Postweg verlorengeht oder beschädigt wird. Hier muss die Bank selbst für die Kosten aufkommen.

Ebenfalls zulässig sind Gebühren für die Nacherstellung von Kontoauszügen. Fordern Sie also von der Bank die Auszüge für einen bestimmten Zeitraum an, müssen Sie mit Kosten rechnen. Lediglich bei der Höhe der Kosten sind die Banken aufgrund eines Gerichtsbeschlusses dazu verpflichtet, sich an den tatsächlich entstehenden Kosten zu orientieren.

Achtung:Keine Gebühren für reguläre Kontoauszüge!

Laut einer Entscheidung des Landgerichts Frankfurt am Main sind die Banken nicht berechtigt, für unaufgefordert zugesandte Kontoauszüge Gebühren zu verlangen. Haben Sie also Ihre Auszüge über einen längeren Zeitraum nicht selbst abgeholt, darf Ihnen die Bank diese zwar zuschicken, dafür aber keine Gebühren verlangen. Lediglich in Ausnahmefällen, wenn Sie zum Beispiel ausdrücklich gesonderte Informationen von der Bank verlangt haben, ist eine solche Gebühr zulässig.

Kontoführungsgebühren absetzen

Die Gebühren für ein Girokonto lassen sich in der Regel problemlos steuerlich geltend machen. Arbeitnehmer können für ihr Girokonto pauschal 16 Euro als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit ansetzen. Ein tatsächlicher Nachweis der Kosten ist nicht erforderlich. Kosten für Konten, die zur Abrechnung von Vermietungstätigkeit genutzt werden, können sogar in der vollen Höhe abgesetzt werden. Voraussetzung ist hier allerdings, dass das Konto ausschließlich für die Vermietungstätigkeit genutzt wird.

Europäischer Vergleich

Erscheinen Ihnen 7,50 Euro pro Monat als Gebühr für ein Girokonto hoch? Dann trügt Sie Ihr Sinn nicht, denn im Vergleich zu den Gebühren in anderen EU-Staaten sind die Kosten für ein Girokonto in Deutschland recht hoch. Durchschnittlich zahlt man bei uns pro Jahr 89 Euro für ein Girokonto – inklusive Kartennutzung. Das ist in etwa das Doppelte von dem, was in den Niederlanden pro Jahr für ein Konto fällig wird: 46 Euro. Am günstigsten ist es in Bulgarien mit 27 Euro, am teuersten in Italien mit 253 Euro.

Hier die Kosten in einigen ausgesuchten EU-Ländern im Überblick:

LandKontoführungsgebühren pro Jahr
Bulgarien 27 Euro
Deutschland 89 Euro
Frankreich 150 Euro
Italien 253 Euro
Niederlande 46 Euro
Österreich 150 Euro
Polen 70 Euro
Spanien 211 Euro

Stand: Januar 2016; alle Angaben ohne Gewähr

Kritik an den Kontoführungsgebühren

Wie sich an den zahlreichen Gerichtsurteilen ablesen lässt, sind die Kontoführungsgebühren immer wieder ein Streitpunkt zwischen Banken und Kunden. In vielen Fällen haben die Gerichte zugunsten der Verbraucher entschieden. Der Grund hierfür ist recht einfach: Die Banken verfolgen mit ihren Dienstleistungen häufig ein Eigeninteresse. Aus diesem Grund sahen es die Gerichte für unzulässig an, den Kunden für solche Dienstleistungen auch noch Gebühren in Rechnung zu stellen.

Es gibt aber durchaus auch Kritik in die andere Richtung. Durch die enge Begrenzung der Gebühren ist es den Banken oft nicht möglich, Kosten für bestimmte Dienstleistungen – etwa für nicht eingelöste Lastschriften – dem Verursacher in Rechnung zu stellen. Dadurch sind sie gezwungen, diese Kosten auf alle Kunden umzulegen, sodass die Gemeinschaft für das Fehlverhalten Einzelner aufkommen muss.

Erstattung ungültiger Bankgebühren: So geht‘s

Bei einer pauschalen Kontoführungsgebühr besteht keine Chance auf Gebührenerstattung. Gleiches gilt für Bankgebühren, für die es gesonderte Vereinbarungen in den Vertragsunterlagen gibt. Dennoch gibt es auch weitere Bankgebühren, die unrechtmäßig erhoben werden. 2015 hat der Bundesgerichtshof (BGH) geurteilt, dass Banken für fehlerhaft ausgeführte Zahlungsaufträge keine Buchungsgebühren erheben dürfen. Generell dürften Banken und Sparkassen bei Girokonten keinen pauschalen „Preis pro Buchungsposten“ festsetzen, entschied der BGH.

Verjährungsfrist für die Erstattung beträgt drei Jahre

Für die Erstattung unrechtmäßig erhobener Gebühren gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren. Das heißt, bis Ende 2015 können betroffene Bankkunden alle seit Jahresbeginn 2012 unrechtmäßig gezahlten Buchungsgebühren zurückfordern. Auch wenn es sich dabei jeweils nur um Cent-Beträge handelt, könnte sich aufgrund des langen Zeitraums eine Rückforderung für viele Bankkunden lohnen. Stiftung Warentest hat dafür einen Musterbrief bereitgestellt, den Sie kostenlos herunterladen können. Sollte die Bank oder Sparkasse darauf nicht reagieren oder sich weigern, die unrechtmäßig eingezogenen Gebühren zu erstatten, empfiehlt es sich, den zuständigen Ombudsmann hinzuzuziehen.

Gut zu wissen:Zahlreiche BGH-Urteile zu ungültigen Bankgebühren

Das BGH-Urteil ist das jüngste in einer Reihe von Fällen, in denen Gerichte von Banken erhobene Gebühren als unrechtmäßig erklärt haben. Im Herbst vergangenen Jahres hatten die Karlsruher Richter beschlossen, dass die Bearbeitungsgebühr für Kreditverträge nicht rechtmäßig sei (Az.: XIZR 348/13 und 17/15). Daraufhin hatten bis zum Jahresende mehr als 100.000 Bankkunden die Rückzahlung der unrechtmäßigen Gebühr gefordert.

Tipp:Erhobene Bankgebühren genau prüfen

Banken dürfen grundsätzlich keine Gebühren für Leistungen verlangen, die in ihrem eigenen Interesse stehen. Hierzu zählt auch das Bearbeiten der Vertragsunterlagen für Kredite. Zuvor war schon die Gebühr bei der Ablehnung von Lastschriften bei unzureichender Kontodeckung (Az.: XI ZR 5/97, XI ZR 296/96, XI ZR 197/00 und XI ZR 154/04) vom BGH gekippt worden. Die Gebühren für Ersatzkarten bei von der Bank verschuldetem Verlust wurden vom Oberlandesgericht Celle (Az.: 13 U 186/99) für unrechtmäßig erklärt. Da Banken nach Informationen der „Welt“ immer wieder zusätzliche Gebühren von ihren Kunden verlangen, rät das Blatt Bankkunden dazu, regelmäßig nachzuforschen, ob nur erlaubte Kosten in Rechnung gestellt werden.

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