Termingeschäft: Handel in der Zukunft

Zuletzt aktualisiert am 16.03.2017

Bei einem gewöhnlichen Kaufgeschäft wird die Sache bezahlt und der Käufer erhält das Produkt direkt ausgehändigt. Allerdings sind derartige Geschäftsmöglichkeiten bei Rohstoffen oder Agrarprodukten nicht immer möglich. Deshalb werden in diesen Fällen häufig Termingeschäfte abgeschlossen. Diese können heute sowohl außerbörslich als auch an der Börse von Anlegern genutzt werden, um Gewinne zu erzielen.

Inhaltsverzeichnis

    Ein Termingeschäft ist ein Handel mit Wertpapieren, Rohstoffen, Devisen oder Waren, dessen Kaufvertrag erst zu einem Zeitpunkt in der Zukunft erfüllt werden muss. Eine andere Bezeichnung für Termingeschäft ist „Zeitgeschäft“. Werden ausschließlich Waren über Terminkontrakte gehandelt, wird auch von „Warentermingeschäft“ gesprochen.

    Häufig werden außerdem die englischen Begriffe „Future“ oder „Forward“ verwendet. Termingeschäfte können sowohl an der Börse als auch außerbörslich abgewickelt werden. Finden sich zwei Partner außerhalb einer Börse, können sie theoretisch jeden Handel in ein Termingeschäft verwandeln.

    Durch die in die Zukunft verlegte Vertragserfüllung unterscheidet sich das Termingeschäft vom Kassageschäft. So wird die Ware oder das Wertpapier beim Kassageschäft sofort nach Erhalt bezahlt.

    Termingeschäfte in der Alltagspraxis

    In der Alltagspraxis können Termingeschäfte mit einem Kauf auf Rechnung bei einem Produkt, das erst noch erstellt wird, verglichen werden.

    So muss der eine Vertragspartner die Ware erst in der Zukunft liefern, während der Käufer das Produkt ebenfalls erst in der Zukunft unter Einhaltung einer bestimmten Frist bezahlen muss.

    Termingeschäfte seit 1970 in Deutschland wieder erlaubt

    Termingeschäfte mit Wertpapieren waren in Deutschland längere Zeit verboten. Der Gesetzgeber wollte Anleger und Geschäftsleute dadurch vor den Gefahren dieser Finanzgeschäfte bewahren.

    Ein erstes Verbot wurde 1931 umgesetzt und es dauerte bis 1970, bis Termingeschäfte auf Wertpapierbasis wieder möglich waren. Der Handel erfolgt seither in Form von Optionen. Termingeschäfte mit Waren konnten schon früher wieder realisiert werden. So startete die Hamburger Warenterminbörse bereits 1954 wieder mit dem Optionshandel für Zucker und Kaffee.

    Lange Tradition als Finanzinstrument

    Der Ursprung der Termingeschäfte reicht bis ins 16. Jahrhundert nach Amsterdam zurück. Die Metropole entwickelte sich zu einem Zentrum für den Handel mit Terminkontrakten. Diese Verträge waren wichtig, um den Kauf von Rohstoffen in Überseegebieten sowie für Tulpen abzusichern.

    Eine erste reine Terminbörse wurde im Jahr 1732 im japanischen Osaka geschaffen. Handelsobjekt war vor allem Reis. Die New Yorker Börse startete den Handel mit Termingeschäften rund um Kaffee im Jahr 1880, Hamburg zog nur sieben Jahre später nach. Ziel war es hier, vor allem bei Kaffeehandel Preisrisiken abzumildern.

    Der Sinn von Termingeschäften

    Grundsätzlich können mit Termingeschäften drei Zwecke verknüpft werden:

    1. Hedging: In diesem Fall werden Futures verwendet, um die finanziellen Risiken beim Waren- oder Wertpapierkauf zu minimieren.
    2. Trading: Bei dieser Variante werden Optionen zu einem Spekulationsobjekt, bei dem Käufer und Verkäufer auf Preisunterschiede setzen.
    3. Arbitrage: Werden die Termingeschäfte in diesem Sinn genutzt, steht vor allem das Ausnutzen von Preisunterschieden auf unterschiedlichen Märkten im Fokus.

    Rechtliche Basis

    Es gibt in Deutschland keine allgemein verbindliche gesetzliche Regelung von Termingeschäften. Sie finden stattdessen in Einzelgesetzen wie dem Kreditwesengesetz oder dem Wertpapierhandelsgeschäft Erwähnung.

    Gemäß Paragraph 2 des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) zählen Termingeschäfte zu den Derivaten.

    Arten von Termingeschäften

    Bedingte Termingeschäfte
    Börsennotiert Nicht börsennotiert
    • Optionen: Beim Kauf einer Option hat der Inhaber das Recht, eine Ware oder ein Wertpapier zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kaufen, aber nicht die Pflicht.
    • Optionen auf Futures: Hierbei können Käufer eine Option mit einem Termingeschäft machen und sich so doppelt absichern.
    • Swaptions: Bei dieser Form handelt es sich um spezielle Optionen, die dem Käufer Zinsswaps ermöglichen. Hierfür zahlt er eine bestimmte Prämie.
    • Caps/Floors: Zinscaps und Zinsfloors sind Derivate, die einer Option ähneln. Der Käufer kann bei einem Cap zu jedem Ende eine Zahlung erhalten, wenn der vertraglich festgelegte Referenz-Zinssatz über dem vereinbarten Basis-Wert liegt. Wird ein Floor vereinbart, erhält der Käufer eine Zahlung bei Unterschreitung des vereinbarten Basiswerts.
    • Collars: Diese Handelsstrategien sehen eine Begrenzung bei positiver und negativer Entwicklung des Basiswerts vor. Als Basiswerte dienen in der Regel Zinsindizes.
    Unbedingte Termingeschäfte
    Börsennotiert Nicht börsennotiert
    • Fixgeschäfte: Diese Form der Termingeschäfte sieht vor allem einen festen Termin zur Vertragserfüllung für beide Kontrahenten vor.
    • Futures: Dabei handelt es sich um das klassische Termingeschäft, bei welchem Basiswert, Umfang, Termin sowie Kontrahenten genau definiert werden.
    • Forwards: Bei Forwards handelt es sich um die gleichen Konditionen wie bei Futures mit dem Unterschied, dass jene an der Börse gehandelt werden und Forwards nicht.
    • Forward Rate Agreements: Diese Terminkontrakte legen einen bestimmten Zinssatz und keinen Kurs fest. Dabei werden vorrangig Zinszahlungen getauscht.
    • Swaps: Diese Form der Termingeschäfte umfasst die klassischen Derivate, die künftige Zahlungsströme austauschen. Sie zählen zu den OTC-Termingeschäften.

    Basiswerte

    Die Basiswerte von bedingten und unbedingten Termingeschäften werden auch „Underlying“ genannt. Dabei kann es sich sowohl um Waren als auch Rohstoffe sowie um Wertpapiere, Devisen, Edelmetalle, Swaps oder Derivate handeln. Möglich ist außerdem der Handel mit Geldmarktinstrumenten wie Schatzanweisungen oder Anleihen.

    Vorteile und Nachteile

    Termingeschäfte wurden ursprünglich zur Absicherung gegen finanzielle Risiken beim Handel eingeführt. Diesen Vorteil bieten Terminkontrakte noch heute. Zugleich haben Anleger die Möglichkeit, mit Optionen Gewinne erzielen, wenn sich der Kurs eines Basiswerts im Laufe des Terminkontrakts bis zur vereinbarten Frist negativ entwickelt. Eine besondere Form des Termingeschäfts sind dabei Leerverkäufe. Gewinne lassen sich mit Termingeschäften ebenfalls durch Preisunterschiede an verschiedenen Märkten erzielen. Je nach Art des Basiswerts kann die Rendite dabei sehr hoch ausfallen.

    Ein weiterer Vorteil bei einem Termingeschäft besteht für den Käufer darin, dass er das nötige Kapital nicht sofort bereitstellen muss. In der Regel wird nur eine anteilige Sicherheit verlangt. Der Händler wiederum hat den Vorteil, dass er die vereinbarten Basiswerte ebenfalls erst in der Zukunft verfügbar haben muss und so auf fallende Preise spekulieren kann.

    Nachteile von Termingeschäften bestehen im Kurs, Währungs- oder Liquiditätsrisiko. So ist es für Laien in der Regel nicht so leicht absehbar, ob ein Termingeschäft überhaupt lohnenswert ist.

    Wie bei allen Formen des Investments sollten Anleger sich auf der Basis von Risiko und Rendite für oder gegen den Handel mit Termingeschäften wie Derivaten oder Optionen entscheiden. Durch die spekulative Natur dieser Geldanlage ist ein Totalverlust möglich.

    Das muss im Vertrag stehen

    1. Kontrahenten
      Dabei handelt es sich um die Namen von Käufer und Verkäufer.
    2. Basiswert
      Dieser Wert bezeichnet das Produkt, das gehandelt wird, zum Beispiel Wertpapiere oder Rohstoffe.
    3. Betrag
      Dieser bezieht sich auf die Höhe der Summe, für die Wertpapiere oder Waren gekauft werden.
    4. Fälligkeit
      Dieses Datum gibt an, wann der Vertrag erfüllt werden muss.
    5. Settlement
      Dabei handelt es sich um die definierten Verpflichtungen innerhalb des Vertrags.

    Die Verträge für Termingeschäfte sind heute in der Regel standardisiert. Die Standards werden zum Beispiel von der International Swaps and Derivates Association (ISDA) vorgegeben.

    Tageskurs hat keinen Einfluss auf den Erlös

    Der Tageskurs zum Zeitpunkt der Vertragserfüllung hat keinen Einfluss auf den Erlös, da lediglich der bei Vertragsabschluss vereinbarte Terminkurs gültig ist.

    Verpflichtungen von Käufer und Verkäufer

    Im Rahmen des Vertrags verpflichtet sich der Käufer, dass er den vereinbarten Preis zum Fälligkeitsdatum bezahlt und dem Verkäufer die vereinbarte Menge des Basiswerts abnimmt.

    Der Verkäufer ist verpflichtet, zum vereinbarten Zeitpunkt eine bestimmte Menge des Basiswerts zum festgelegten Preis an einen festgelegten Käufer zu veräußern.

    Einordnung von Terminmärkten

    Terminmärkte gehören ebenso wie Kassamärkte zum Kapitalmarkt. Dabei bildet die Arbitrage die Verknüpfung zwischen Kassa- und Terminmarkt. Grundsätzlich wird zwischen Terminmärkten an der Börse und außerhalb der Börse unterschieden. Gehandelt werden dort ausschließlich Futures.

    Außerbörsliche Termingeschäfte werden auch „Over-The-Counter-Termingeschäfte“ oder „OTC“ genannt. Bei dieser Art von Handel treten die Marktteilnehmer entweder direkt miteinander in Verbindung oder sie nutzen sogenannte „Clearinghäuser“ als Vermittler.

    Zu den bekanntesten Terminbörsen zählen heute die EUREX, Euronext, Singapore Exchange, Euronext.LIFFE, Euribor sowie die Chicago Mercantile Exchange.

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