Kontodaten in Gefahr: Neue EU-Richtlinie erlassen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 13.11.2017

Geldgeschäfte im Internet könnten bald neue Risiken mit sich bringen. Schuld hieran ist eine neue EU-Richtlinie, die sogenannte „Zweite Zahlungsdienstrichtlinie“ (PSD II). Durch sie sollen Unternehmen künftig Konteninformationsdienste anbieten können. So könnten Firmen einen Blick auf die Girokonten von Kunden werfen, wenn der Kunde einwilligt.

Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, soll die Richtlinie schon ab Januar 2018 in Kraft treten. Unternehmen müssen dann lediglich eine Registrierung bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vornehmen, um die neuen Dienste anbieten zu dürfen. Mit der Einwilligung des Kunden und einer geheimen PIN können die Unternehmen dann auf die Kontodaten der letzten 90 Tage zugreifen. Wichtige Informationen wie etwa der eigene Verdienst oder das Ausgabeverhalten sind dann vollkommen transparent.

Verbraucherschützer sind alarmiert

Eigentlich ist die PSD II dazu gedacht, dass Kunden eine bessere Übersicht über ihre Konten erhalten. Datenschützer befürchten jedoch, der Nutzen der Richtlinie entstehe vor allem auf Seiten der Firmen. Internet-Riesen wie Google oder Amazon könnten die Kontoinformationsdienste ohne großen Aufwand anbieten. Die Konzerne hätten dann direkten Zugriff auf die bisher komplett geheimen Bankdaten – und könnten hiermit viel Geld verdienen.

So könnten Google, Amazon und Co. die Nutzer mit besonderen Rabattaktionen locken, an den Kontoinformationsdiensten teilzunehmen. Anschließend geben die Nutzer ihre PIN heraus, mit der die Konzerne Zugriff auf die Kontodaten haben. Diese sensiblen Informationen bieten den Unternehmen hohes Gewinnpotenzial, lässt sich doch die Zahlungsbereitschaft von Nutzern für Produkte so noch besser einschätzen. Auch das Ausgabeverhalten wäre auf diesem Wege ersichtlich, sodass die Interessen von Kunden für die Unternehmen in Zukunft vollkommen transparent werden.

Nutzer müssen „höllisch aufpassen“

In der „Bild“-Zeitung warnt der Münchener Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Peter Mattil vor der Gesetzesänderung: „Mit der neuen EU-Richtlinie wird Betrug und Datenmissbrauch beim Onlinebanking noch mehr Tür und Tor geöffnet. Die Kunden müssen höllisch aufpassen, dass sie Internetunternehmen nicht unfreiwillig Zugriff auf ihre Konten geben.“ Denn auch Betrüger könnten in Zukunft leichter an die Zugangsdaten von Girokonten gelangen.

Quellen: News.de, Focus Online

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