Trotz leichterem Wechsel: Wenige Deutsche wechseln Ihr Girokonto

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 20.09.2017

Obwohl der Wechsel des Girokontos durch den Gesetzgeber vor etwa einem Jahr erleichtert wurde, nehmen nur wenige Verbraucher diese Möglichkeit wahr. Trotz steigender Gebühren für klassische Konten sehen viele die Hürde als zu hoch an. Das vor einem Jahr in Kraft getretene Zahlungskontengesetz umfasst auch eine Kontenwechselhilfe. Seitdem müssen Kunden bei einem Bankenwechsel nicht mehr Arbeitgeber, Energieversorger und andere Zahlungspartner über das neue Bankkonto informieren – das ist Aufgabe der bisherigen und der neuen Bank.

Die leichteren Wechselbedingungen haben nur sehr wenige Deutsche dazu gebracht, Ihr Konto zu wechseln. Laut einer aktuellen Umfrage des „Marktwächters Finanzen“ der Verbraucherzentrale haben nur zwei Prozent der Befragten im letzten Jahr ihr Konto gewechselt. Und das, obwohl die Gebühren vieler Banken zuletzt stark gestiegen sind. Seitdem das Zahlungskontengesetz inklusive Kontenwechselhilfe in Kraft getreten ist, müssen Banken den ehemaligen und neuen Kunden bei der Überführung des Kontos helfen. Dazu gehört auch, regelmäßige Zahlungsempfänger über die neue Bankverbindung zu informieren.

Verbraucher vertrauen Ihrer Bank

Eines der erklärten Ziele des Gesetzgebers war, den Wettbewerb zwischen den Banken anzukurbeln. Infolge der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank wurden von vielen Häusern die Kontoführungsgebühren angehoben. Durch mehr Wettbewerb sollten diese wieder fallen. Kostenlose Girokonten werden immer seltener, teilweise erheben die Banken sogar Negativzinsen. Stiftung Warentest hat 245 Kontomodelle von Girokonten getestet und kommt zu dem Ergebnis, dass nur 23 Produkte kostenfrei sind. Einige Banken erheben sogar bis zu 250 Euro für die Kontoführung im Jahr. 

Rund drei Viertel der Verbraucher sind laut der Umfrage trotz steigender Gebühren mit Ihrer Bank zufrieden. Ein wichtiger Faktor ist, dass die Kunden Ihrer persönlichen Bank mehr trauen als der Branche selbst. Das Wichtigste bei der Wahl der Bank sei, dass ebenfalls knapp drei Viertel Wert auf ein großes Filial- und Automatennetz sowie auf persönliche Betreuung legen. Während Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken diese Bedingungen erfüllen, können günstigere Direktbanken in diesen Bereichen nur schwer mithalten.

Viele Kunden wissen nichts von der Kontenwechselhilfe

Die Umfrage ergab auch, dass nur etwa 22 Prozent der Befragten überhaupt wissen, was die Kontenwechselhilfe ist. Die Mehrheit hatte hingegen noch nichts von dem Gesetz gehört oder wusste nicht, was es für Sie bedeutet. Die Verbraucherschützer sind zuversichtlich und hoffen, dass das Gesetz mit der Zeit zu den Menschen durchdringt. Doch auch dann werden die Kunden vor Hürden stehen. Immer weniger Banken veröffentlichen ein Preis- und Leistungsverzeichnis, was den Kontenvergleich erschwert.

Quellen: SZ, Kölnische Rundschau

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