Hedgefonds: Große Chancen & Risiken

Zuletzt aktualisiert am 16.03.2017

Die klassischen Anlageformen wie Anleihen, Festgeld oder Spareinlagen sind für Anleger aufgrund der niedrigen Verzinsung unattraktiv geworden. Selbst bei hohen Laufzeiten lassen sich nur moderate Kapitalerträge erzielen. Auf der Suche nach neuen Anlagemöglichkeiten fällt die Wahl auch auf Hedgefonds. Diese Form der Geldanlage ist in Deutschland erst seit 2004 im Zuge des Investment-Modernisierungsgesetzes beschränkt möglich. Zwar versprechen Hedgefonds für Anleger enorm hohe Gewinne, zugleich ist aber auch das Verlustrisiko enorm hoch.

Inhaltsverzeichnis

    Hedgefonds sind eine besondere Form von Investmentfonds, die auf sehr spekulativen Anlagestrategien beruhen. Zugleich wird bei dieser Art Fonds eine möglichst hohe Rendite angestrebt. Dafür gehen Anleger auch ein deutlich höheres Risiko ein.

    Ursprünglich wurden Hedgefonds nicht für Privatanleger, sondern für institutionelle Anleger geschaffen. Der Name setzt sich aus dem englischen Wort für „absichern“, „to hedge“ und dem Fonds zusammen. Demnach waren Hedgefonds in ihrem klassischen Sinn dazu gedacht, Aktiengeschäfte gegen Risiken, zum Beispiel eine negative Marktentwicklung, abzusichern. Heute werden Hedgefonds überwiegend für die Börsenspekulation genutzt.

    So funktioniert ein Hedgefonds

    Der Hedgefonds wird von einem Hedgefondsmanager oder mehreren Managern verwaltet. Die Fondsmanager analysieren die Aktienkurse von Unternehmen oder die Kurse von Anleihen. Mit Hilfe verschiedener finanzmathematischer Methoden bilden sie Anlagestrategien. Sie stellen danach ein umfangreiches Portfolio an Aktienkäufen oder Optionen zusammen.

    Dabei handelt es sich meist um sogenannte Leerverkäufe. Dies bedeutet, dass Hedgefonds in großem Stil mit Aktien handeln können, die sie überhaupt nicht besitzen. Sie setzen je nach Strategie auf fallende oder steigende Kurse. Zu einem festgelegten Termin werden die Aktien verkauft.

    Die Anlageklassen sind bei Hedgefonds nicht beschränkt. Somit können die Fonds auch aus Rohstoffinvestments, Edelmetallspekulation oder Optionen auf Währungen sowie weiteren Derivaten bestehen.

    Für den Kauf von Aktien leihen sich Hedgefonds entweder Aktien von Anlegern oder sie nutzen Fremdkapital, um Aktien oder andere Wertpapiere aufzukaufen.

    Hedgefondsmanager

    Die Hedgefondsmanager haben verschiedene Aktien identifiziert und gehen von sinkenden Kursen aus. Sie leihen sich von Investoren 100.000 dieser Aktien zu einem Stückpreis von 100 Euro. Diese Aktien veräußern sie sofort an der Börse und erhalten dafür zehn Millionen Euro.

    Für das Ausleihen der Aktienpakete erhalten die Investoren einen Prozent Zinsen pro Tag.

    Der Hedgefonds geht davon aus, dass er das Aktienpaket nach vier Tagen zu einem günstigeren Kurs verkauft. Innerhalb dieser Zeit ist der Wert pro Aktie auf 90 Euro gefallen. Der Hedgefonds kauft dann die 100.000 Aktien wieder für neun Millionen Euro zurück und gibt sie an den Investor zurück. Dieser erhält zusätzlich die Leihgebühr von einem Prozent Zinsen pro Tag. In diesem Fall wären das 400.000 Euro.

    Der Hedgefonds macht schließlich 400.000 Euro Gewinn, ohne selbst Kapital eingesetzt zu haben. Diese Summe ergibt sich aus dem Verkaufserlös der geliehenen Aktien abzüglich des Rückkaufspreises sowie den Leihgebühren.

    Für welche Anleger Hedgefonds geeignet sind

    Aufgrund des hohen Risikos und der hohen Geldmenge, die für den Einstieg in einen Hedgefonds erforderlich ist, ist diese Geldanlage nur für institutionelle oder Großanleger geeignet. Darüber hinaus ist jeder Hedgefonds mit einem hohen Anlagerisiko verbunden, das über den Totalverlust hinausreichen kann. Deshalb sollten Privatanleger nicht unbedingt in Hedgefonds investieren.

    Eine abgeschwächte Form des Hedgefondsinvestments bieten sogenannte Hedgedachfonds. Dabei handelt es sich um Fonds, die wiederum verschiedene Hedgefonds beinhalten. Durch die Diversifikation der verschiedenen Anlagestrategien und -formen kann das Risiko verringert werden.

    Allerdings müssen Anleger in diesem Fall auch mit höheren Gebühren rechnen, die sowohl an den Hedgefondsmanager der Einzelfonds als auch an den Manager der Dachfonds zu entrichten sind.

    Unterschied zwischen Investmentfonds und Hedgefonds

    Bei Hedgefonds und Investmentfonds handelt es sich um Anlageportfolios, die von einem externen Anbieter gemanagt werden. Dieser Fondsmanager stellt verschiedene Wertpapiere als Fonds zusammen, der seinen Berechnungen oder seiner Erfahrung nach die bestmögliche Performance bringt. Anleger kaufen anschließend Fondsanteile und werden sowohl an Gewinnen als auch an Verlusten beteiligt.

    Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen den beiden Anlageformen:

    Hedgefonds Investmentfonds
    Sind nur in geringem Maße reguliert Sind reguliert
    Zielen auf absolute und positive Rendite Haben eine bessere Entwicklung als die Entwicklung des Gesamtmarktes zum Ziel
    Kreditaufnahme für Fondsbestückung  ist möglich Kreditaufnahme ist verboten
    Geldanlage ist in der Regel kaum liquidierbar Theoretisch jederzeit liquidierbar
    Fondsmanager erhält erfolgsabhängige Vergütung bis zu 25 Prozent des Ertrags Vergütung des Managers hängt von Fondsvolumen und relativer Wertentwicklung ab
    Es gibt kaum Anlagebeschränkungen Starke Regulierung der Anlage
    Leerverkäufe möglich Nur Käufe möglich
    Erfolg abhängig vom Glück oder Expertise des Fondsmanagers Erfolg ist abhängig von der Entwicklung des Gesamtmarkts
    Unsystematisches Risiko Systematisches Risiko
    Einsatz von Derivaten nahezu unbeschränkt möglich Einsatz von Derivaten ist verboten

    Rendite und Risiko

    Zum größten Risiko eines Hedgefonds gehört, dass der Erfolg von der jeweiligen Anlagestrategie sowie von den Berechnungsmodellen des Hedgefondsmanagements abhängen. Aus diesem Grund wird bei Hedgefonds meist davon gesprochen, dass der Aktionär eine „Wette“ eingeht. Denn mit der Chance auf hohe Gewinne ist auch ein häufig nicht kalkulierbares Risiko verbunden.

    Jeder Hedgefonds birgt das Risiko eines Totalverlusts.

    Um das Risiko zu minimieren, ist es Privatanlegern deshalb nur erlaubt, in Dachfonds zu investieren, welche bis zu 20 verschiedene Hedgefonds integrieren. Hier sind Renditen zwischen drei und sechs Prozent möglich.

    Investition für Privatanleger

    Bis zum Jahr 2004 war der Handel über Hedgefonds in Deutschland verboten. Seit dem 1. Januar 2004 dürfen Hedgefonds in beschränktem Umfang im Zuge des Investment-Modernisierungsgesetzes aufgelegt werden. Diese Möglichkeit wurde geschaffen, indem Hedgefonds zum sogenannten „Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken“ klassifiziert wurden.

    Privatanleger können an Hedgefonds nur über Dachfonds Anteile an Hedgefonds kaufen. Auf diese Weise sollte der Anlegerschutz in diesem sehr unregulierten Bereich verbessert werden. So dürfen Dachhedgedfonds Leerverkäufe und Leverage nur in beschränktem Maße und unter bestimmten Bedingungen einsetzen.

    Single-Manager-Hedgefonds stehen nur professionellen und semiprofessionellen Anlegern offen.

    Allgemein ist ein Investment in Hedgefonds nur über Hedgefonds Manager möglich. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, Aktien von börsennotierten Hedgefonds zu kaufen, um somit indirekt an den Gewinnen großer Hedgefonds zu verdienen.

    Kosten für die Anlage in Hedgefonds

    • Hedgefonds Manager Gebühren: Für seine Arbeit erhält der Hedgefonds Manager Gebühren. Diese werden auch bei der Investition über Dachhedgefonds fällig.
    • Verwaltungskosten: Für die Verwaltung des Fondsvermögens fallen ebenfalls Gebühren an, die der Anleger tragen muss.
    • Depotgebühren: Da Käufe und Verkäufe von Anteilen an Dachhedgefonds über ein Depot laufen, müssen Privatanleger auch eventuell für das Depot anfallende Gebühren der jeweiligen Bank einberechnen.

    Hedgefonds Strategien

    Als Hedgefonds Strategie wird die Vorgehensweise von Hedgefonds Managern bezeichnet. Da es jedoch keine einheitliche Regulierung für die Kapitalverwendung in Hedgefonds gibt, existiert eine Vielzahl an Anlagestrategien in dieser Anlageform. Unabhängig davon, welche Strategie ein Hedgefonds Manager wählt, bleibt immer ein hohes Anlagerisiko.

    • Long Short Equity: Dabei handelt es sich um eine Strategie, die sehr viele Hedgefonds anwenden. Dabei kaufen Fondsmanager Aktien, von welchen sie steigende Kurse erwarten (Long-Position). Zugleich verkaufen sie Aktien, von welchen sie fallende Kurse erwarten (Short-Position). Je nach Portfolio setzen Fondsmanager verstärkt auf Long- oder Short-Positionen. Meist setzen Hedgefonds jedoch auf fallende Kurse.
    • Arbitrage-Geschäfte: Im Rahmen der Arbitrage-Strategie werden Preis- und Kursunterschiede zwischen Währungen oder Wertpapieren ausgenutzt. Hedgefonds nutzen den Effekt der Arbitrage heute meist bei Wandelanleihen. Sie kaufen zum Beispiel eine unterbewertete Wandelanleihe und verkaufen zugleich die dazugehörigen Aktien.
    • Event-Driven-Strategie: Diese Hedgefonds-Strategie berücksichtigt bestimmte Ereignisse bei der Planung des Portfolios. So werden zum Beispiel Fusionen oder Konkurse mit in den Anlageplan einbezogen. Ebenso ist denkbar, dass Hedgefonds auf einen sogenannten „Turnaround“ eines maroden Unternehmens spekulieren. Kommt es zu einer Trendwende beim Umsatz, profitiert der Hedgefonds von steigenden Aktienkursen, auf die er gesetzt hat. Im negativen Sinne kann ein Hedgefonds jedoch auch auf einen Konkurs eines Unternehmens „wetten“. In diesem Fall profitiert er von stark fallenden Kursen. Möglich ist ebenfalls, auf insolvente Staaten über Staatsanleihen zu spekulieren. Dies war zum Beispiel vor der EU-Krise bei Griechenland oder Irland der Fall.
    • Systematic-Trend-Followers-Strategie: Bei dieser auch „Trendfolgestrategie“ genannten Art, den Hedgefonds auszurichten, basieren die Überlegungen darauf, dass Futures von Preisentwicklungen bei Rohstoffen oder Devisen sowie Agrarprodukten sich in eine bestimmte Richtung bewegen. Diese Strategie beruht in der Regel auf komplexen Berechnungen und läuft rein softwarebasiert ab. Obwohl diese Strategie sehr transparent und liquide ist, weil nur Börsenpositionen berücksichtigt werden, stellt sie hohe Risiken dar.
    • Global-Macro-Strategie: Diese Spekulationsstrategie bezieht die Preisentwicklung aller möglichen Anlageformen mit in die Berechnung ein. So berücksichtigt der Fondsmanager bei der Auswahl von Aktien oder Anleihen, wie sich die Preise und Kurse für Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle oder anderer Anlageformen entwickeln und entwickelt haben. Auf diese Weise wird versucht, die Risiken des Fondsmanagements zu minimieren.

    Hedgefonds Manager

    Die Manager eines Hedgefonds haben die Aufgabe, ein Portfolio an Investments zusammenzustellen, um für Anleger größtmögliche Gewinne zu erzielen. Dabei verfolgen Hedgefonds Manager bestimmte Anlagestrategien, die durch mathematische Berechnungen sowie Spekulation bestimmt werden.

    Hedgefonds sind aktiv gemanagte Fonds. Wird nur ein Manager eingesetzt, wird auch von Single-Manager-Hedgefonds gesprochen. Um das Anlagerisiko nicht nur von einer Person und deren Expertise oder Strategie abhängig zu machen, werden häufig auch Multi-Manager-Hedgefonds aufgesetzt. Hierbei verwalten mehrere Manager das Fondsvermögen. Auf diese Weise soll das Risiko für Anleger verringert werden.

    Üblicherweise ist die Anlagestrategie eines Hedgefonds Managers geheim. Allerdings sieht eine EU-Richtlinie seit 2013 vor, dass Investoren sowie die Aufsicht einen Einblick in die Anlagestrategie erhalten dürfen.

    Für ihre Arbeit erhalten Hedgefonds Manager neben einer Verwaltungsgebühr, die meist zwischen zwei und fünf Prozent pro Jahr liegt. Darüber hinaus erhalten sie eine erfolgsabhängige Vergütung, die bis zu 20 Prozent vom Gewinn betragen kann. In der Regel sind Hedgefonds Manager mit hohen Summen an ihrem Fonds beteiligt. Manche Fondsmanager übernehmen damit auch gewisse Haftungsrisiken.

    Hedgefonds-Markt

    Der größte Markt für Hedgefonds besteht in den USA. Dort wird auch ein Großteil der Hedgefonds aufgelegt. Zu den größten Hedgefonds der USA zählen Bridgewater Associates, der im Jahr 2014 ein Volumen von mehr als 160 Milliarden Dollar hatte, gefolgt von AQR Capital Management, dessen Volumen im gleichen Jahr 64,9 Milliarden Dollar betrug.

    Weltweit werden fast drei Billionen Dollar in Hedgefonds angelegt, die Tendenz ist seit 2008 steigend.

    Insgesamt ist die Zahl der Hedgefonds weltweit seit der Finanzkrise 2008 rückläufig. Allerdings ist das Volumen der Fonds zugleich gestiegen.

    Regulierung der EU

    Nachdem bekannt geworden war, dass Hedgefonds großen Anteil an der globalen Finanzkrise 2008 und später hatten, wurden die Rufe nach einer Regulierung für diese Form der Investmentfonds laut. Innerhalb der EU wurde lange verhandelt, bis 2010 eine neue Regelung für Hedgefonds gefunden wurde.

    Seit 2013 benötigen Hedgefondsmanager eine spezielle Lizenz, die EU-weit gültig ist, den sogenannten „EU-Fonds-Pass“. Diese Lizenz wurde bis 2015 auf Fondsmanager beschränkt, die ihren Sitz in der EU haben. Seit 2015 wurde der Pass auch für Manager aus Nicht-EU-Ländern ermöglicht.

    Beschlossen wurde von der EU außerdem, dass die allgemeinen Regelungen bis zum Jahr 2018 durch nationale Reglementierungen ergänzt werden.

    Mit Hilfe der EU-Richtlinie soll die bisher sehr ungeregelte Arbeit von Hedgefonds einen möglichen Rahmen erhalten. Dieser Rahmen soll Anlegern mehr Sicherheit geben. Gefordert ist seither zum Beispiel auch, dass Fondsmanager ihre Anlagestrategien sowie ihre Art des Scorings für Investoren und der Börsenaufsicht offenlegen müssen.

    Zugleich müssen die Fondsmanager selbst ein gewisses Mindestkapital vorweisen können. Darüber hinaus muss sichergestellt sein, dass das Vermögen des Hegdefonds sicher bei Depotbanken verwahrt wird.

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