Geldmarktfonds: Sinnvoll für Privatanleger?

Zuletzt aktualisiert am 16.03.2017

Der Geldmarkt ist üblicherweise ein Teil des Finanzmarkts, der nur von institutionellen Partnern und Großunternehmen genutzt wird. Er dient überwiegend zum kurzfristigen Liquiditätsausgleich für Unternehmen und staatliche Akteure. Über Geldmarktfonds können jedoch auch Privatanleger auf dem Geldmarkt investieren. Somit können diese Fonds eine Alternative zu herkömmlichen Geldanlagen wie Festgeld oder Tagesgeld darstellen.

Inhaltsverzeichnis

    Klassischerweise nutzen Großinvestoren wie Staaten, Banken oder große Unternehmen Geldmarktfonds dazu, um frei gewordenes Kapital kurzfristig anzulegen. Allgemein werden Geldmarktfonds dabei als „Kreditintermediäre“ bezeichnet.

    Da die Gelder an jedem Börsentag verfügbar sind, ist das Kapital nicht langfristig gebunden. Häufig legen Unternehmen Geld kurzfristig in Geldmarktfonds an, wenn das Kapital in naher Zukunft in Anschaffungen oder Konzernumbauten investiert wird. Auf diese Weise können die Anleger von einer Verzinsung profitieren.

    Rendite von Geldmarktfonds

    Wie Geldmarktfonds verzinst werden, hängt in Europa maßgeblich vom Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) ab. Ist der Leitzins niedrig, ist mit einer geringen Rendite bei Geldmarktfonds zu rechnen.

    Zugleich können auch niedrige Zinsen bei Rentenpapieren oder anderen Termingeldern für eine sinkende Rendite der Fonds sorgen.

    Im Vergleich zu anderen Fondsprodukten wie Aktienfonds oder Währungsfonds ist die Rendite bei Geldmarktfonds eher niedrig anzusetzen.

    Relativ sichere Geldanlage

    Geldmarktfonds gelten als eine relativ sichere Geldanlage, da die Verzinsung im Normalfall nur geringe Schwankungen aufweist. Privatanleger können über ein Depot bei ihrer Bank Anteile an Geldmarktfonds kaufen.

    Auf diese Weise partizipieren sie indirekt vom Geldmarkt, der sonst nur für institutionelle Anleger zur Verfügung steht.

    Die Anlage in Geldmarktfonds kann das eigene Anlageportfolio ergänzen, um frei gewordenes Kapital kurzfristig anzulegen.

    Dies ist zum Beispiel möglich, wenn eine Lebensversicherung ausgezahlt wird, der Verbraucher jedoch noch nicht weiß, wie er das Kapital weiter nutzen möchte. Aufgrund der niedrigen Rendite sind Geldmarktfonds jedoch nur bedingt als alleinige Kapitalanlage geeignet.

    Banken können zu Geldmarktfonds beraten

    Wer sich als Privatkunde für Geldmarktfonds interessiert, kann sich bei seiner Hausbank beraten lassen. Anleger, die bereits ein Depot besitzen, können direkt in Geldmarktfonds investieren.

    Was sind die besten Geldmarktfonds?

    Die besten Geldmarktfonds sind solche, die eine möglichst hohe Rendite zu einem möglichst geringen Risiko bieten. Da sich die Verzinsung der jeweiligen Fonds monatlich ändern kann, sollten Anleger vor allem auf die Wertentwicklung der vorangegangenen Monate sowie die Entwicklung der Rendite über mehrere Jahre achten.

    Meist zeichnen sich die Fonds für Privatanleger nicht durch ihre Kurzfristigkeit aus, sondern lohnen sich erst, wenn das Kapital über mehrere Jahre angelegt wird.

    In Deutschland bieten zum Beispiel die Versicherungskonzerne Allianz und Axa sowie die Commerzbank Geldmarktfonds an.

    Darüber hinaus können Privatanleger über ihr Depot auch Anteile an US-Fonds oder anderen internationalen Geldmarktfonds erwerben.

    Was sind Geldmarktfonds?

    Geldmarktfonds gehören zur Gruppe der Investmentfonds. Diese Fonds investieren überwiegend in Titel am Geldmarkt sowie in liquide Wertpapiere mit sehr kurzer Restlaufzeit. Dabei kann es sich zum Beispiel um Anleihen oder Termingelder handeln, deren Laufzeit weniger als ein Jahr beträgt.

    In der Regel investieren Fondsmanager von Geldmarktfonds in Produkte auf dem Geldmarkt, die sich durch ein gutes Rating und eine zu erwartende, gute Rendite auszeichnen.

    Zu diesen Produkten gehören:

    • Einlagenzertifikate (Certificates of Deposit, CDs): Dabei handelt es sich um handelbare Bankeinlagen.
    • Schuldtitel von Banken oder Unternehmen (Commercial Papers, CPs): Hierbei handelt es sich um Titel mit kurzer Laufzeit.
    • Anleihen: Dabei handelt es sich überwiegend um kurzfristige Anleihen vom öffentlichen Sektor oder Staaten sowie Anleihen privater Emittenten.
    • Anteile: Fondsmanager können sich auch mit Anteilen an anderen Geldmarktfonds beteiligen.
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    Arten von Geldmarktfonds

    Meist wird zwischen Standard-Geldmarktfonds sowie speziellen Geldmarktfonds unterschieden.

    Zu den Standard-Geldmarktfonds gehören die eigentlichen Geldmarktfonds, die nur in Papiere am Geldmarkt investieren. Ebenso zählen auch die sogenannten „geldmarktnahen Fonds“ dazu. Sie investieren sowohl in Geldmarktpapiere als auch in festverzinsliche Wertpapiere mit kurzen Laufzeiten.

    Spezielle Geldmarktfonds können zum Beispiel als Multiwährungsfonds aufgelegt werden. Dabei wird in verschiedene Währungen investiert. Ebenso gibt es Garantiefonds, die eine Rückgabegarantie für den Geldeinsatz enthalten.

    Geschichtlicher Hintergrund der Geldmarktfonds

    Geldmarktfonds haben sich in den 1970er-Jahren in den USA entwickelt. Damals war die Verzinsung begrenzt worden, die Banken für Einlagen zahlen durften. Die Geldmarktfonds entwickelten sich somit als Alternative zur herkömmlichen Bankeneinlagen. Anleger waren neben institutionellen Kunden auch Privatkunden. Die Fonds selbst waren nicht eingeschränkt und in den gesamten USA verfügbar.

    In Europa wurden Geldmarktfonds erstmals in Frankreich eingeführt. Auch hier spielten staatliche Zinsregulierungen auf Einlagen eine Rolle. Im Gegensatz zu den USA hängen die Anteilswerte der Fonds von der Entwicklung des sogenannten „Nettoinventarwerts“ ab.

    Seit 1994 sind Geldmarktfonds auch in Deutschland zugelassen.

    Kosten und Risiken

    Wer als Privatanleger in Geldmarktfonds investiert, muss mit verschiedenen Kosten rechnen. Folgende Gebühren fallen dabei an:

    • Ausgabeaufschlag: Der Ausgabeaufschlag, auch Agio genannt, wird bei Geldmarktfonds abhängig vom Nennwert erhoben. Bei diesem Aufschlag handelt es sich um eine Gebühr, die der Anleger einmalig beim Kauf von Fondsanteilen bezahlen muss. Je nach Fonds kann der Ausgabeaufschlag zwischen null und sieben Prozent liegen. Ob überhaupt ein solcher Aufschlag erhoben wird, hängt vom jeweiligen Fondsvermittler und der Bank ab, bei der Sie aktiv werden.
    • Verwaltungskosten: Wird ein Geldmarktfonds aktiv gemanagt, fallen Kosten für den Fondsmanager an. Er sucht regelmäßig nach lohnenswerten Titeln, die in den Fonds aufgenommen werden.
    • Depotgebühren: Um Kapital in einem Fonds anzulegen, benötigen Privatkunden ein Depot bei ihrer Bank. Über dieses Depot können Wertpapiere gekauft und verkauft werden. Für das Depot selbst fallen Gebühren an, die von Bank zu Bank unterschiedlich hoch ausfallen. Ebenso bestimmen das Volumen des Depots sowie die darüber getätigten Transaktionen die Gebührenhöhe.

    In diesen Fällen kann sich die Anlage lohnen

    Private Anleger müssen bei Geldmarktfonds berücksichtigen, dass beim Kauf von Fondsanteilen unterschiedliche Gebühren fällig werden. Diese Gebühren beeinflussen neben der Verzinsung der Fondsanteile die Rendite dieser Geldanlage.

    Da die Rendite außerdem stark vom allgemeinen Marktzins sowie den Zinsen der Titel abhängt, in die der Fonds investiert, lohnt sich die Geldanlage in der Regel nur bedingt in Niedrigzinsphasen.

    Der Geldmarktfonds ist dann überwiegend für Großinvestoren sinnvoll, die für das „Parken“ ihres Gelds zwar keine Zinsen erhalten, aber zugleich auch keine „Strafzinsen“ bezahlen müssen, die bei manchen Banken für die kurzfristige Geldanlage fällig werden.

    Für Privatanleger wird der Geldmarktfonds häufig erst dann interessant, wenn das Kapital über einen längeren Zeitraum investiert wird. Auf diese Weise können sie zum Beispiel von steigenden Marktzinsen profitieren.

    Da die Gelder täglich verfügbar sind, können Anleger bei zu geringen Zinsen schnell nach Alternativen suchen. Allerdings müssen sie dabei berücksichtigen, dass beim Kauf von Geldmarktfonds in der Regel Ausgabeaufschläge fällig werden.

    Risiken bei Geldmarktfonds

    Wie jede Geldanlage in Wertpapiere birgt auch ein Investment in Geldmarktfonds verschiedene Risiken.

    • Zinsänderungsrisiko: Geldmarktfonds richten sich nach dem aktuellen Marktzins oder am Zinsniveau der Titel, in welche sie investieren. Somit hängt die Zinsentwicklung der Geldmarktfonds stark von der Entwicklung anderer Zinsen ab. Da es sich bei den anderen Titeln sowie beim Marktzins eher um schwach schwankende Zinsen handelt, ist das Zinsrisiko jedoch eher gering. Dennoch können vor allem beim längerfristigen Investment Zinsschwankungen ins Gewicht fallen.
    • Kreditrisiko der Emittenten: Letztlich hängt es von der Liquidität des Emittenten der Fonds ab, ob ein Anleger überhaupt sein investiertes Kapital verzinst zurückerhält.
    • Abhängigkeit vom Fondsmanager: Der Fondsmanager entscheidet, in welche Papiere der Fonds investiert. Trifft er eine Fehlentscheidung, wirkt sich diese deutlich auf die Rendite aus.
    • Kursrisiko: Die Kurse von Geldmarktfonds können sinken. In diesem Fall müssen Anleger mit Kursverlusten rechnen.

    Sondervermögen des Emittenten

    Geldmarktfonds zählen zum Sondervermögen des Emittenten. Dadurch ist das Fondsvermögen im Falle einer Insolvenz der Fondsgesellschaft vor dem Zugriff durch die Gläubiger geschützt. Zugleich ist das angelegte Kapital jedoch nicht durch die Einlagensicherung der Banken geschützt.

    Entwicklung der Geldmarktfonds seit der Finanzkrise

    Bis zur Finanzkrise im Jahr 2007 galten Geldmarktfonds als sehr sichere Geldanlage, die gute Renditen abwarf. Seit der Einführung dieser Anlageklasse in Deutschland im Jahr 1994 ist die Zahl der Geldmarktfonds bis 2008 kontinuierlich gestiegen.

    Gab es 1994 lediglich 27 Geldmarktfonds mit einem verwalteten Vermögen von knapp 25 Milliarden Euro, war die Zahl 2008 auf mehr als 250 Fonds gestiegen. Das gesamte Fondsvermögen auf dem Markt betrug schon 2007 mehr als 100 Milliarden Euro.

    Nach der Finanzkrise halbierte sich die Zahl der Fonds nahezu. So gab es im Jahr 2015 noch 133 Geldmarktfonds. Noch beachtlicher ist dabei der Rückgang des in Fonds angelegten Kapitals. Es lag 2015 bei knapp 12,2 Milliarden Euro. Weltweit lag das in Geldmarktfonds angelegte Kapital 2014 bei 3,7 Billionen Euro.

    Diese Entwicklung wird allgemein auf zwei Ursachen zurückgeführt. Zum einen zeigte die Finanzkrise, dass selbst vermeintlich sichere Geldanlagen wie Geldmarktfonds keine Sicherheit bieten. Zum anderen sanken die Zinsen der Fonds und somit die Rendite für Anleger. Zunächst zogen Anleger das Kapital ab, danach folgte die Zinsanpassung.

    Heute wird bei Geldmarktfonds von einer Wertentwicklung von weniger als einem Prozent pro Jahr ausgegangen. Auf diese Weise wird die Investition in Geldmarktfonds für Privatanleger immer unattraktiver. Da sich die Verzinsung der meisten Geldmarktfonds am allgemeinen Marktzins orientiert, bieten die Fonds in einer Niedrigzinsphase, wie sie aktuell (Stand: 2016) vorliegt, kaum oder gar keine Rendite.

    Vorteile und Nachteile

    Vorteile Nachteile
    • Tägliche Verfügbarkeit der Geldanlage
    • Höhere Kosten im Vergleich zu anderen Anlageformen
    • Überschaubare Anlagerisiken
    • Niedrige Rendite
    • Relativ stabile Wertentwicklung
    • Zusätzlicher Verwaltungsaufwand durch Depot, Fondsmanager
    • Indirekte Beteiligung von Privatanlagern am Geldmarkt
    • Keine Einlagensicherung
    • Übersichtliches Produktangebot
    • Zinsänderungsrisiko sowie Emittentenrisiko
    • Keine Laufzeiten und Kündigungsfristen
    • Bei geringem Kapitaleinsatz kaum lohnenswert

    Vergleich von Geldmarktfonds mit Festgeld und Tagesgeld

    Für Privatanleger stellt sich häufig die Frage, ob sie ihr Kapital in Festgeld, Tagesgeld oder Geldmarktfonds investieren sollen. Somit bietet sich ein Vergleich dieser Anlageformen an:

    Vergleichsaspekt Geldmarktfonds Tagesgeld Festgeld
    Liquidität Anleger kann täglich über sein Geld verfügen Anleger kann täglich über sein Geld verfügen Geld ist für eine festgelegte Laufzeit gebunden
    Laufende Kosten Gebühren für Verwaltung und Depot Tagesgeldkonten sind in der Regel kostenlos Festgeldkonten sind in der Regel kostenlos
    Kosten für Kontoeröffnung/Kauf Ordergebühren und Ausgabeaufschlag bei Kauf möglich In der Regel keine In der Regel keine
    Feste Verzinsung Nein Nein, Zins kann pro Quartal verändert werden Ja
    Sichere Zinserträge Nein, Zinsen können auch negativ ausfallen Ja Ja
    Einlagensicherung Nein Ja Ja
    Abhängig von steigenden Leitzinsen Ja Ja Ja
    Ausfallrisiko Gering Gering Gering
    Renditechance Gering Gering Mittel
    Feste Laufzeiten Nein Nein Ja

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