Armuts- und Reichtumsbericht zeigt gespaltenes Land

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 26.03.2017

Es ist das Bild einer gespaltenen Gesellschaft, das der mehrere hundert Seiten starke Armuts- und Reichtumsbericht jetzt zeigt. Der Entwurf lobt die wirtschaftliche Lage Deutschlands, warnt jedoch gleichzeitig vor einer sozialen Schieflage, gesellschaftlichen Spannungen und „verfestigter Ungleichheit“. Denn während die Reichen reicher werden, mangelt es vielen Deutschen am Nötigsten.

Wer Vermögen hat, wird noch vermögender, wer wenig hat, kann davon ausgehen, dass es weniger wird. Zu diesem vereinfacht dargestellten Schluss kommt der neue Entwurf des Armuts- und Reichtumsbericht. Dieser diagnostiziert eine „verfestigte Ungleichheit “ durch eine ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland. Immer mehr Deutschen mangelt es zusehends am Nötigsten. Zwar wird der Wirtschaft eine solide Lage diagnostiziert, doch drohen mit der sozialen Schieflage auch gesellschaftliche Spannungen.

Ein Bericht der Ungleichheit

Der Entwurf für den fünften Armuts- und Reichtumsbericht ist nach einer ersten Abstimmungsrunde fertig und wurde vom Kanzleramt freigegeben. Seit Monaten wurde über ihn gestritten und nun liegt er den Ministerien zur Abstimmung vor. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hofft auf ein zügiges Verfahren bei dem Bericht zur sozialen Lage Deutschlands und spricht von einer „verfestigten Ungleichheit bei den Vermögen“.

Die Reallöhne sind zwar gestiegen, doch profitierten davon hauptsächlich höhere Einkommensgruppen. In der Lohngruppe der unteren 40 Prozent sind die Reallöhne niedriger als noch Mitte der 90er Jahre. Die ungleiche Lohnleistung schadet laut Nahles allen. Auch die Ost-West-Schere besteht weiterhin. Im Westen verfügt ein Haushalt durchschnittlich über 140.000, im Osten nur 61.000 Euro. Die zehn Prozent der vermögendsten Haushalte besitzen mehr als die Hälfte des deutschen Nettovermögens. Die unteren 50 Prozent verfügen hingegen über weniger als ein Prozent. Vor allem in der Kinderarmut sieht Nahles ein Problem. Zwar seien nur fünf Prozent von erheblichen Entbehrungen betroffen, doch sei das Armutsrisiko mit zwei Millionen Kindern hoch. Dieses besteht, wenn im Haushalt weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung stehen.

Einfluss auf Demokratie und Zukunftsängste

Alarmierend sei auch der Einfluss auf politische Entscheidungen. Einkommensschwache Personen beteiligen sich seltener an Wahlen als Personen mit hohem und mittlerem Einkommen. Der Bericht zeigt zudem viel Verunsicherung, vor allem in der Mittelschicht. Diese resultiert aus befristeten Verträgen, der Angst vor dem Auskommen im Alter oder dem erwarteten Wohlstand der Nachkommen. Zu ersten Mal ist auch der Blick auf die finanzielle Elite Deutschlands Teil der Betrachtung. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass die Reichsten des Landes vor allem von Erbschaften, Verwandtschaft und Schenkungen profitierten. Der gesellschaftliche Aufstieg aus „eigener Kraft“ sei hingegen immer seltener.

Quellen: Tagesschau.de, Sueddeutsche.de

Alle 2 Wochen Spartipps und News:

Newsletter abonnieren und Amazon-Gutschein gewinnen!