Armutsgefährdungsquote erreicht Höchststand

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 21.09.2016

Die Armutsgefährdungsquote in der Bundesrepublik lag 2015 um 0,3 Prozentpunkte höher als 2014 und erreichte damit einen neuen Höchstwert von 15,7 Prozent. Besonders von Armut bedroht sind der Statistik zufolge Erwerbslose und Menschen ohne Schulabschluss. Berufstätige haben dagegen ein geringes Risiko.

Wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, ist die Armutsgefährdungsquote in Deutschland 2015 auf einen Höchstwert seit der Wiedervereinigung gestiegen. Die Zahl der Menschen, die von Armut bedroht sind, ist so hoch wie seit vielen Jahren nicht.

Armutsgefährdungsquote wieder gestiegen

Wie „Spiegel Online“ mit Bezug auf die Daten berichtet, waren im vergangenen Jahr 15,7 Prozent der Bundesbürger von Armut bedroht. Das bedeutet nicht nur einen Höchstwert, sondern auch einen Anstieg um 0,3 Prozent gegenüber 2014, als die Armutsgefährdungsquote um noch 0,5 Prozent gefallen war. Die Quote gibt den Anteil der Personen an, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verzeichnen können. Das mittlere Einkommen liegt noch einmal deutlich unter dem Durchschnittseinkommen, weil dafür das von allen Einkommen der Median herangezogen wird, anstatt einen Durchschnittswert zu berechnen. Zum Beispiel lag die Schwelle im Jahr 2014 für einen Single-Haushalt bei 917 Euro netto, für eine Familie mit zwei kleinen Kindern bei 1.926 Euro netto. Eric Seils vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung kommentiert den Anstieg der Quote: „Die Daten zeigen, dass es beim Thema Armut keine Entwarnung gibt. Der Aufschwung kommt offensichtlich nicht bei allen an.“ Kritiker der Armutsgefährdungsquote erklären allerdings, dass sie nicht tatsächliche Armut misst, sondern herrschende Ungleichheit.

Erwerbslose sind besonders von Armut gefährdet

In einigen Bevölkerungsgruppen ist das Armutsrisiko besonders hoch. So sind es vor allem Erwerbslose, die besonders von Armut bedroht sind: In dieser Gruppe ist die Quote von weniger als 54 Prozent im Jahr 2009 auf 59 Prozent 2015 gestiegen. Der fehlende Gehaltseingang auf dem Girokonto sorgt nachvollziehbarerweise dafür, dass sich das Einkommen im unteren Bereich bewegt. Bei den Erwerbstätigen liegt die Quote bei knapp acht Prozent und damit deutlich unter dem Durchschnitt. Personen ohne Schulabschluss sind mit einer Quote von rund 46,3 Prozent ebenfalls besonders gefährdet, während Menschen mit Realschulabschluss oder Abitur nur zu 10,8 beziehungsweise 10,4 Prozent gefährdet sind. Auffällig ist außerdem, dass Paare ohne Kinder eine Armutsgefährdungsquote von 9,2 Prozent aufweisen, während Alleinstehende mit 24,9 Prozent deutlich stärker gefährdet sind. Personen in Familien liegen mit einer Quote von 15,3 Prozent dazwischen und sehr nah am Durchschnitt der Gesamtbevölkerung.

Quelle: Spiegel Online

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