Zinswende: Verschieben die USA die Zinserhöhung?

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 01.09.2015

Seit Wochen wurde spekuliert, wann die US-Notenbank Fed die Zinswende einläuten wird. Die Zeichen, dass im September eine Zinserhöhung ankündigt werden würde, verdichteten sich immer mehr. Nun mehren sich allerdings die Zweifel an einer baldigen Anhebung des amerikanischen Leitzinses. Hintergründe sind die chinesische Währungspolitik und der Ölpreis.

Die erwartete Zinserhöhung in den USA findet möglicherweise doch später statt als bislang vielfach angenommen. Bislang war ein Großteil der Experten davon ausgegangen, dass die US-Notenbank Federal Reserve, kurz Fed, den Leitzins im September anheben und damit eine Zinswende einläuten würde. Einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) zufolge, mehren sich jetzt allerdings Zweifel darüber, dass die Zinswende unmittelbar bevorsteht.

Zinswende im September nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlicher

Laut „FAZ“ schlössen Finanzmarktteilnehmer die Verkündung der Leitzinsanhebung bei der nächsten Sitzung der Fed im September zwar nicht völlig aus, allerdings würde eine Zinswende noch im September mittlerweile für sehr viel unwahrscheinlicher gehalten. Nach Angaben des Finanzdienstleisters Bloomberg stünde die „eingepreiste“ Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung nur noch bei 30 Prozent. Vor der mehrfachen Abwertung des chinesischen Yuan, lag die Wahrscheinlichkeit für eine Zinswende im September noch bei über 50 Prozent.

Chinesische Wechselkurspolitik und Ölpreis könnten Zinserhöhung verzögern

Die chinesische Währungspolitik sorgt dafür, das Waren aus China in den Vereinigten Staaten günstiger werden und einen möglichen Preisdruck verhindern. Dieser Umstand könnte die US-Notenbank von einer Leitzinserhöhung vorerst absehen lassen. Gleiches gilt für den immer noch niedrigen Ölpreis. Der Notenbank-Chef von Atlanta, Dennis Lockhart, äußerte zu Beginn der Woche die Vermutung, dass die Fed „irgendwann im Laufe dieses Jahres“ damit beginnen werde, den Leitzins zu erhöhen. „Gegenwärtig machen es Entwicklungen wie die Aufwertung des Dollar, die Entwertung der chinesischen Währung und der weitere Ölpreisverfall schwierig, die Wirtschaftsentwicklung vorauszusagen“, zitiert die „FAZ“ den Notenbänker. Lockhart gehörte bislang zu den Währungshütern, die davon ausgingen, das die US-Notenbank die Zinswende bereits im September verkünden würde. Seine aktuellen Aussagen deuten jedoch an, dass er von dieser Einschätzung abgerückt sein könnte.

Zinserhöhung in den USA hätte Auswirkungen auf Europa

Der amerikanische Leitzins liegt seit Beginn der globalen Wirtschaftskrise auf einem Dauertief zwischen 0 und 0,25 Prozent. Eine Zinserhöhung in den USA hätte auch in Europa spürbare Auswirkungen: Der Euro würde gegenüber dem US-Dollar schwächer werden, denn mit höheren Zinsen steigt auch die Nachfrage nach der jeweiligen Währung. Sollte die Europäische Zentralbank der amerikanischen Notenbank folgen, könnte dies Auswirkungen auf das Anlageverhalten der Europäer haben, was wiederum zu Kurseinbrüchen an den europäischen Börsen führen könnte. Anleger, die zuletzt aus Mangel an renditestarken Anlagealternativen in ein Depot investiert hatten, könnten ihre Aktien zugunsten dann wieder rentableren festverzinslichen Anlagen wie Festgeld oder Sparbriefen massenhaft abstoßen.

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